Salzburger Festspiele: Mozart-Matinee mit Joana Mallwitz und Augustin Hadelich

Mozart-Matinee · Mallwitz 2022: Joana Mallwitz (Dirigentin), Mozarteumorchester Salzburg © SF / Marco Borrelli

Eine Gegenüberstellung von weniger Bekanntem und Bekanntem: eine überaus lohnende Mozart-Matinee  –  Die Sechs Deutschen Tänze KV 509, die laut Wolfgang Amadeus Mozarts eigenem Verzeichnis aller seiner Werke am 6. Februar 1787 in Prag entstanden, gehören zu den Werken Mozarts, die leider selten auf Konzertprogrammen zu finden sind. Die Mozart-Matinee am 14. August 2022 im Großen Saal der Stiftung Mozarteum im Rahmen der Salzburger Festspiele bietet die Gelegenheit diese Musik zu erleben. Mit dieser ca. 12-minütigen Tanzsequenz zu Beginn des Programms setzte die Dirigentin Joana Mallwitz und das Mozarteumorchester Salzburg einen heiteren Akzent, der zeigte, wie Tanzmusik von hohem musikalischem Wert und Freude zugleich sein kann.

 

Das Konzert für Violine und Orchester A-Dur KV 219 aus dem Jahr 1775 ist, im Gegensatz zum vorherigen Werk, eines der bekanntesten von Mozarts, insbesondere der Schlusssatz Rondeau. Tempo di Menuetto – Allegro – Tempo di Menuetto mit seinen vermeintlich türkisch inspirierten Motiven, in dem die Cellisten und Bassisten ihre Instrumente perkussiv einsetzen.

Mozart-Matinee · Mallwitz 2022: Augustin Hadelich (Violine), Joana Mallwitz (Dirigentin), Mozarteumorchester Salzburg © SF / Marco Borrelli

Der Geiger Augustin Hadelich spielte nicht nur die Beiträge der Solisten, sondern auch zusammen mit dem Orchester, was der historischen Praxis entspricht: der Solist tritt als Leiter innerhalb des Ensembles auf und nicht als Gastmusiker, der das Orchester zur Unterstützung nutzt. Die kurzen Kadenzen, die Hadelich spielte, klangen wie seine eigenen Improvisationen, die sich gut in den musikalischen Rahmen einfügten. Das war Kunst, die Kunst im besten Sinne verbirgt, denn er zeigte seine beeindruckende Technik ohne die virtuose Selbstdarstellung, die manche Stargeiger diesem Werk angedeihen lassen.

Nach der Pause leitete Joana Mallwitz die „Linzer-Sinfonie“ C-Dur KV 425, die wie der Rest des Programms von der historischen Aufführungspraxis auf modernen Instrumenten geprägt war (d.h. mit minimalem Vibrato, geteilten Geigen und Pauken mit harten Stöcken). Ein großer Vorzug der Aufführung war, dass Mallwitz alle von Mozart vorgeschriebenen Wiederholungen ausführte. Die Wiederholungen wirken sich nicht nur auf die Struktur der einzelnen Sätze aus, sondern verstärken auch die emotionale Wirkung der Musik. Die Interpretation respektierte die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die historische Aufführungspraxis, ohne die persönlichen Eigenheiten, wie z.B. erratische Tempi und asketischer Streicherklang, die andere Dirigenten dieser Musik auferlegt haben. In der Sinfonie und den vorangegangenen Werken wählte Mallwitz gleichmäßige, flotte Tempi, eine Dynamik, die den Möglichkeiten des 18. Jahrhunderts entsprach, und verlieh dem Ganzen eine Lebendigkeit, die uns daran erinnert, warum diese Werke auch nach langer Vertrautheit noch höchst erfüllend sind.

 

  • Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Salzburger Festspiele 2022
  • Titelfoto: Mozart-Matinee · Mallwitz 2022: Augustin Hadelich (Violine), Joana Mallwitz (Dirigentin), Mozarteumorchester Salzburg © SF / Marco Borrelli

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