„Il Barbiere di Siviglia“: Zum letzten Mal in Dortmund – und es fühlte sich an wie die Premiere!

Oper Dortmund/Il Barbiere d. Sevilla/ D.Velev, M.Moody, H. Brock, P. Sokolov,S. Dladla, A. Shikhalizada, V. Fischer/Foto @ Björn Hickmann
Oper Dortmund/Il Barbiere d. Sevilla/ D.Velev, M.Moody, H. Brock, P. Sokolov,S. Dladla, A. Shikhalizada, V. Fischer/Foto @ Björn Hickmann

Die letzte Vorstellung einer gespielten Opernaufführungsserie nennt man die „Dernière„.  Übersetzt bedeutet der französische Ausdruck „Letzte“. Meint also den genauen zeitlichen Gegensatz zur ersten Vorstellung – der Premiere. Und eine solche Dernière fand am gestrigen Abend wieder einmal im Dortmunder Opernhaus statt. Rossinis unsterbliches Meisterwerk IL BARBIERE DI SIVIGLIA ( Der Barbier von Sevilla ) hatte am 7. Oktober 2018 seine gefeierte Premiere in Dortmund erlebt (DAS OPERNMAGAZIN berichtete)  und Gestern schloss sich der Aufführungsreigen dieser höchst amüsanten und kurzweiligen Inszenierung von Martin G. Berger, der damit auch sein bisheriges Meisterstück ablieferte. Zwar war das Opernhaus nicht voll besetzt, doch die vielen anwesenden Opernfreunde feierten am Ende alle an der Produktion beteiligten Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker, den Herrenchor, den Dirigenten des Abends und die in dieser Inszenierung besonders geforderte Statisterie und die Puppenspieler. (Eindrücke von der Dernière v. 2.3.2019)

 

In meiner Premierenrezension  DER BARBIER VON SEVILLA“ ALS GROSSARTIGES PUPPENTHEATER – BRAVO OPER DORTMUND!vom 7. Oktober 2018 bin ich ausführlich auf diese ganz besondere Operninszenierung von Martin G. Berger,  mit den phantasievollen Kostümen von Alexander Djurkov Hotter, eingegangen. Von daher beschränke ich mich hier nun auf die musikalischen und gesanglichen Eindrücke dieser Dernière. Und die waren stellenweise beachtlich!

Motonori Kobayashi/Foto:Anke
Sundermeier/Stage Picture

Zunächst sei da Motonori Kobayashi genannt, der wieder einmal alle musikalischen Fäden des Abends in seinen Händen hielt und einen spritzigen, eleganten und temporeichen Rossini dirigierte. Ihm zur Seite die Dortmunder Philharmoniker, die ganz auf seiner Welle mitschwammen und die am musikalischen Erlebnis des Abends natürlich großen Anteil hatten. Und das gilt auch für den Herrenchor des Theater Dortmunds, der sich gesanglich vortrefflich und spielfreudig in diese verspielte Inszenierung einbrachte.

Auf der Bühne herrschte beste Laune. Man spürte als Zuschauer förmlich den Spaß, den die Solistinnen und Solisten selbst an diesem besonderen und ausgelassenen Dortmunder „Il Barbiere“ hatten.  Vera Fischer als Hausschnecke Berta und mit teilweise recht starken Spitzentönen in den Ensembles liess ebenso aufhorchen wie Denis Velev als Don Basilio, dem er wieder vortreffliches Format verlieh.

Kammersänger Hannes Brock, souverän als Erzähler und auch als späterer, eher unfreiwilliger, Teilnehmer der Handlung.

Morgan Moody war als Dr. Bartolo fast nicht mehr zu toppen. Moody war einfach hinreißend in der Art und Weise, wie er diesen trotteligen „Doktor“ darstellte. Und das, ohne diese Komik zu überziehen. Was für ein Glücksfall für die Oper Dortmund, dass uns dieser Vollblutkünstler auch unter der neuen Intendanz von Heribert Germeshausen erhalten blieb!

Aytaj Shikhalizada und Sunnyboy Dladla spielten das Liebespaar Rosina und Almaviva mit der gleichen Begeisterung und Hingabe, wie es bereits bei der Premiere zu erleben war. Die beiden Dortmunder Neuverpflichtungen begeisterten wieder einmal das Publikum mit ihren Darbietungen und wurden dafür auch begeistert gefeiert.

Petr Sokolov (Figaro)© Anke Sundermeier, Stage Picture

Für mich DIE Leistung des Abends: Petr Sokolov als Figaro! Bereits anlässlich der Premiere am 7. Oktober fiel meine Kritik zu seiner Leistung erstklassig aus. Die Erwartung an ihn war also dementsprechend. Und er hat mich und alle im Dortmunder Theater anwesenden Musikfreunde nicht eine Sekunde lang enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Mit einer kraftvoll-markanten Stimme und viel Spielfreude gestaltete er diese abendfüllende Opernpartie. Für mich einer der großartigsten Rossini-Figaros die ich in den letzten Jahren in einem Opernhaus erleben durfte. Da stimmte alles. Da sass jeder Ton. Da wünsche ich mir viel mehr Opernabende mit ihm.  BRAVO PETR SOKOLOV!

Welche Freude, über solche Opernaufführungen schreiben zu dürfen! Dortmund – bitte mehr davon!

 

  • Rossinische Eindrücke von Detlef Obens /DAS OPERNMAGAZIN
  • Homepage Theater/Oper Dortmund
  • Titelfoto: Il Barbiere di Siviglia/Oper Dortmund/ Petr Sokolov (Figaro)
    ©Anke Sundermeier, Stage Picture

 

 

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