
Mit Richard Wagners „Tannhäuser“ endet der Premierenreigen der Saison 25/26 im Opernhaus Zürich. Man kann auf eine sehr erfolgreiche erste Saison von Intendant Matthias Schulz zurückblicken und auch die letzte Premiere schliesst sich den vorangegangenen Erfolgen an. (Rezension der Premiere v. 21. Juni 2026)
Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson und die ebenfalls aus Island stammende Künstlerin Erna Mist, bekannt für ihre surrealen Gemälde, schufen für ihr Debut am Opernhaus Zürich ganz schlichte Räume, welche jedoch durch die aufwändig inszenierte Choreografie des Chores und der Statisterie, von Sebastian Zuber und die Kostüme von Teresa Vergho eindrückliche Bilder entstehen ließen. Arnasson schildert in dieser Inszenierung „Tannhäuser“ als einen in seinem eigenen Bewusstsein gefangener Reisender, welcher sich auf der Reise in sein Inneres stets mit permanenter Selbsttäuschung und Scheitern konfrontiert sieht.
Während der durchchoreographierten Ouvertüre sehen wir sich im Kreise bewegende Gestalten und Tannhäuser, der sich im nur durch einen endlosen Tisch mit vielen leeren Gläsern dekorierten Raum, welcher den Venusberg andeutet, verliert. Dies kann wegen der fast 15 Minuten dauernden Ouvertüre etwas erschöpfend wirken.

Venus wird hier als eine Illusion gezeigt und nicht als die verführerische Göttin der Liebe und Anmut. Der Landgraf Hermann mit seinen Freunden erscheint zuerst als riesige Videoprojektion in einem Leichenwagen, welcher dann tatsächlich auf die Bühne rollt. Darin wird eine Statue transportiert, Elisabeth als versteinerte Unnahbarkeit. Eine Idee, die dann in der Sängerhalle im zweiten Bild eine ganz überraschende Magie verströmt, denn die Statue beginnt zu leben. Ein Reigen buntester Kostüme, welche an eine Karnevalsveranstaltung erinnern, zieht ein und der Sängerwettbewerb kann beginnen.
Aber nach und nach verengen sich die goldenen Wände. Tannhäuser wird wegen seines die sinnlichen Genüsse und die anarchische Liebe besingendem Beitrag am Wettbewerb, nach Rom geschickt, um dort beim Papst um Vergebung seiner Sünden zu bitten.
Im letzten Bild sehen wir riesige Eisscherben und Elisabeth welche sich entschieden hat, sich von der Welt zu verabschieden und sich wieder in die Statue zurückverwandelt. Tannhäuser hat sein Ziel in Rom nicht erreicht und berichtet Wolfram von dieser erfolglosen Pilgerreise. Er wendet sich erneut Venus zu. Doch Elisabeth bleibt in seiner Erinnerung weiterhin präsent. Ihr Verschwinden stürzt ihn in Verzweiflung. Da erscheinen Pilger, welche aus Rom zurückkommen und die Begnadigung Tannhäusers verkünden.
Dies alles wird in sehr eindrücklichen Bildern erzählt. Die raffinierte Lichtgestaltung von Martin Gebhardt unterstreicht die bizarre Wirkung.
Musikalisch bewegt man sich auf höchstem Niveau. Man hat ein Ensemble zusammengestellt, welches mit jedem Festival mithalten kann und Wagner-Freunde zweifellos begeistern wird.
Tenor Eric Cutler, welcher an diesem Abend sein Rollendebut als Tannhäuser gab, überzeugt in jeder Hinsicht. Obwohl während der Proben infolge einer Erkrankung nicht immer anwesend gewesen, gelang ihm dennoch, diese sehr herausfordernde Partie zu einem wahren Hörgenuss zu gestalten.
Ihr Debut am Opernhaus Zürich gab die Sopranistin Christina Nilsson. Mit ihr erlebt man eine Elisabeth mit unglaublich leuchtender und kräftiger Stimme, welche keine Wünsche offen lässt.
Ebenfalls sehr eindrücklich war das Rollendebut von Rachael Wilson als Venus. Sie glänzte durch die Intensität, welche diese Partie erfordert und großer Bühnenpräsenz. Christof Fischesser, ein erfahrener Hermann, Landgraf von Thüringen, bot mit seiner Bassstimme ein Porträt, welches die Emotionen dieser Rolle bestens vermittelt. Mit faszinierender Präsenz, stimmlicher Feinfühligkeit und einer unglaublich hohen Textverständlichkeit ist Christian Gerhaher als Wolfram von Eschenbach, zu erleben. Ein weiteres Highlight dieser Besetzung.

An diesem Abend gab es noch fünf weitere Rollendebuts zu verzeichnen.
Andrew Moore als Biterolf, Nathan Haller als Heinrich der Schreiber, Brent Michael Smith als Reinmar von Zweter und mit leuchtendem Tenor Johan Krogius als Walther von der Vogelweide. Außerdem Yewon Han als Ein junger Hirte. Sie alle boten erstklassige Leistungen und man konnte sich über diese jungen Talente freuen.
Ganz besonders erwähnt werden müssen der Chor der Oper Zürich und SoprAlti der Oper Zürich. Das war eine Glanzleistung erster Güte. Die Einstudierung von Klaas-Jan de Groot gelang aufs schönste und forderte von den Sänger/innen viel Agilität. Ein Genuss!
Obwohl hier ganz am Ende aufgeführt, darf die Leistung des Orchesters der Oper Zürich unter dem Dirigenten Tugan Sokhiev nur in höchsten Tönen gelobt werden. Was für ein Klangerlebnis! Hier wurde ein Niveau erreicht, welches man anderswo weit suchen müsste. Man konnte förmlich spüren, wie die Musiker und der Dirigent aufs beste harmonierten und daraus diese grossartige Wiedergabe entstehen konnte.
Ein großer Wagner-Abend, welcher einmal mehr zeigte, auf welchem Level sich das Opernhaus Zürich bewegt und was man auch in der neuen Saison alles erwarten darf. Zurecht endete diese Vorstellung unter großem Jubel des Publikums.
Weitere Vorstellungen 2./5/8. und 11. Juli 2026 und die Wiederaufnahme mit leicht veränderter Besetzung: 26.9. /4.10./9.10/13.10.2026.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Opernhaus Zürich
- Titelfoto: Opernhaus Zürich/ TANNHÄUSER/ Foto: Herwig Prammer