
Mit einem außergewöhnlichen Konzert hat das Kammerorchester Basel zusammen mit dem Sopranist Bruno de Sá und der Sopranistin Emmanuelle de Negri am Stimmen Festival Lörrach teilgenommen. Wahrlich ein Festival der Stimmen! Mit zwei Kantaten von Georg Friedrich Händel, welche an die Solisten sehr hohe Ansprüche stellen, wurde dieser Abend zu einem Hörgenuss erster Güte. (Konzert v. 01. Juli 2026 Burghof Lörrach)
Die erste Kantate „Da quel giorno fatale (Delirio amoroso), welche der junge Händel in der Zeit um 1707 komponiert hatte, zeigt schon sein dramatisches Talent, welches dann in seinen Opern den Höhepunkt erreicht hat. In dieser Kantate, welche nur ganz selten von zwei Sopranstimmen gesungen wird, geht es um eine dramatische Geschichte über Liebe, Trauer und Wahnsinn. Die Nymphe Clori trauert um ihren verstorbenen Geliebten Tirsi. Aus Verzweiflung gerät sie in den Zustand des Deliriums. Sie stellt sich vor, in die Unterwelt abzusteigen, um die Seele von Tirsi aus dem Hades zu befreien. Am Ende muss Sie erkennen, dass seine Seele im elysischen Frieden ruht. So findet sie Trost und hofft, ihn dort einmal wiederzusehen.

Bereits hier wurde dem Publikum bewusst, was für zwei hervorragende Solist/innen hier zu erleben sind. Die Stimmungsschwankungen der Nymphe Clori, welche in virtuosen Arien und Rezitativen durch die überragenden Stimmen des Sopranisten Bruno de Sá und der Sopranistin Emmanuelle Negri vermittelt wurden, liessen einen staunen.
Nach der Pause wurde die Kantate „Arresta il passo (Arminta e Fillide) aufgeführt, welche Händel ein Jahr später 1708 in Rom komponiert hatte. Darin wird die Geschichte erzählt, wie der Hirte Aminta die zuerst abweisende Nymphe Fillide umwirbt und dank seines beharrlichen Werbens erreicht, dass Fillide ihre Kälte verliert und die beiden in einem Happy End ihre Liebe feiern können.

Die Musik ist wegen ihrer großen Energie und den herrlichen Arien und dem Schlussduett einfach hinreißend und wenn man sie obendrein durch eine solch exquisite Besetzung dargeboten erhält, schlichtweg faszinierend. Bruno de Sá ist ein Ausnahmetalent und mit seiner höhensicheren Sopranstimme ein Ereignis. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, mit was für einer Energie und tadelloser Stimmbeherrschung hier auf höchstem Niveau gesungen wird. Emmanuelle de Negri bot eine ebenso überzeugende Leistung und man konnte im großartigen Schlussduett ein wunderbares Zusammenfinden der beiden Stimme genießen.
Das Kammerorchester Basel, welches mit dieser Produktion auf einer kleinen Tournee war, ist wie man es von diesem hervorragenden Orchester gewohnt ist, ein vom Anfang bis zum Schluss äußert konzentrierter Begleiter und sticht immer wieder mit einzelnen solistischen Leistung hervor. An diesem Abend konnte man die Energie und Spielfreude besonders spüren. Eine grosse Leistung.
Das begeisterte Publikum, unter welchem sich an diesem Abend auch der Deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier befand, belohnte die Mitwirkenden mit Standing Ovation und vielen Bravos. Dies führte zu einer Wiederholung des Schlussduetts mit zusätzlichen Verzierungen. Köstlich.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Kammerorchester Basel
- Titelfoto: Kammerorchester Basel: Emmanuelle de Negri & Bruno de Sá beim „Stimmen Festival Lörrach“/Foto: Alexander Fischer