
© Matthias Jung
Bei tropischen Temperaturen im ausverkauften Haus präsentierten am 20. Juni 2026 Moderator Hanno Friedrich, Operndirektor Marcus Carl und Chefdramaturgin Polina Sandler das Programm der kommenden Spielzeit. Sie hatten ihre Abonnenten und die Presse eingeladen und Tickets bei den Bonner Opernfreunden zum Preis von 15 € angeboten. Neben Puccini, Verdi und Mozart gibt es von Anno Schreier die Oper „Turing“ über den britischen Mathematiker Alan Turing, und im Rahmen von Fokus 33 „Der Weltuntergang“ von Wilhelm Zobl. Als Familienoper erscheint Samuel Penderbaynes „Die verzauberte Stadt“, und Peter Konwitschny inszeniert Glucks „Iphigenie auf Tauris“. Man hatte ein schönes moderiertes Konzert mit Hits aus 300 Jahren Oper mit Klavierbegleitung als Werbung für Abonnements am Theater Bonn.
Auftakt der Spielzeit wird am 3. Oktober 2026 eine Neuproduktion der Zauberflöte sein, die man in Versailles eingekauft hat, am 4. Oktober dicht gefolgt von Puccinis La fanciulla del west – Das Mädchen aus dem goldenen Westen mit Yannick-Muriel Noah in der Titelrolle. Sie präsentierte eine Arie der Titelheldin und wird in der Werkstattbühne die Monooper La Voix humaine von Francis Poulenc nicht nur singen, sondern auch inszenieren und das Bühnenbild dazu gestalten, denn sie ist gelernte Architektin.
Die Amerikanerin Kathryn Henry sang Mi chiamano Mimi aus La Bohème und bezauberte damit das Publikum; sie wird Mitglied des Ensembles und hat bereits als Gast die Desdemona gesungen.
Am 31. Oktober feiert das Musical Jesus Christ Superstar von Andrew Lloyd Webber mit dem Jugendchor der Oper Bonn Premiere, am 16. Dezember Comedian Harmonists-Irgendwo auf der Welt, Produktion des Saarländischen Staatstheaters, das Silvester zweimal gespielt wird.

Generalmusikdirektor Dirk Kaftan wird insgesamt drei Puccini-Opern dirigieren. La Bohème kommt in einer Inszenierung von Leo Muscato, passend zur Weihnachtszeit, am 6. Dezember 2026 zur Premiere. Die dritte ist die Wiederaufnahme von Tosca am 17.6.2027. George Oniani begeisterte mit E lucevan le stelle, der Arie des Cavaradossi.
Alan Turing war ein berühmter britischer Mathematiker, der im zweiten Weltkrieg die Turing-Maschine zur Entschlüsselung der deutschen Funkcodes ENIGMA entwickelt und damit vermutlich den Krieg um mehrere Monate verkürzt hat. Diese Maschine war der Vorläufer späterer Großrechner und schließlich der PCs und Smartphones. Ein Arioso zum Thema KI – künstliche Intelligenz – aus der Oper Turing von Anno Schreier in einer Coproduktion mit dem Stadttheater Nürnberg präsentierte Valerie Haunz, in Bonn aufgewachsene Sopranistin. Sie war 2025 Stipendiatin des Bonner Richard-Wagner- Verbands und wird in der nächsten Spielzeit neues Mitglied im Ensemble der Oper Bonn.
Zusammen mit Alicia Grünwald, frisch weg vom Kölner Opernstudio engagierter Mezzosopranistin, die in der Wiederaufnahme von Hänsel und Gretel den Hänsel singen wird, sang Nicole Wacker den Part der Gretel im Abendsegen. Grünberg ist jetzt schon zu sehen in der bezaubernden Produktion Laterna Magica von Oxana Omelchuk in der Werkstattbühne neben der Oper.
Erika Grimaldi wird am 21. Februar 2027 in der Premiere von Verdis Aida in der Titelrolle zu sehen sein. Sie sang die große Arie Ritorna vincitor. Nicole Wacker glänzte mit der Arie der Bertha Il vecchiotto cerca moglie aus Rossinis Barbier von Sevilla, der, wie Verdis Nabucco, wieder aufgenommen wird. Aus Nabucco sang Charlotte Quadt eine Arie der Fenena.
Als Intermezzo mischten Michael Stiehler, Christoph Gummert und Janko Kahle, Schauspieler des Bonner Ensembles in einer rasanten Slapstick-Show die Szene auf, bei der sie in verschiedenen Verkleidungen das Programm des Schauspielhauses in Bad Godesberg vorstellten.
Nach der Pause zeigte Giorgos Kanaris, der einzige Grieche im Ensemble, in der Rolle des Orest, wie die Musik von Gluck in deutscher Sprache klingt. Peter Konwitschny wird Iphigenie auf Tauris in der neuen deutschen Übersetzung von Bettina Bartz und Werner Hintze – ungekürzt und in der richtigen Reihenfolge – inszenieren. Die musikalische Leitung hat Andreas Spering.

Tae Hwan Yun sang einen Song aus der neuen Familienoper Die verzauberte Stadt, eine magische Oper über die Kraft der Fantasie von Samuel Penderbayne, die am 31. Mai 2026 in Essen uraufgeführt wurde. In der Kooperation mit der Deutschen Oper am Rhein und der Oper Dortmund kommt die Inszenierung am 18. April 2027 nach Bonn. Die Familienopern mit Orchester, Chor und Opernsolisten aus dem Ensemble werden in fünf Häusern gezeigt und vom Land NRW gefördert. Diese Oper, die in mehreren Vormittagsvorstellungen für Schulklassen gezeigt wird, erreicht auch Kinder und Jugendliche, die von ihren Familien nicht in die Oper begleitet werden, und führt dazu, dass sie Lust auf mehr bekommen und beim nächsten Opernbesuch ihre Eltern mitbringen.
Johannes Mertes spielt in der vergessenen Oper Der Weltuntergang von Wilhelm Zobl den einzigen Menschen, der weiß, dass ein Komet entsandt wird, die Welt zu zerstören und trug seine Message vor. Auch M.A.R.S. greift am 13. Juni 2027 mit Musik von Jacques Offenbach mit Arrangements von Bettina Ostermeier aus dessen Die Reise zum Mond in einer Revue in der Werkstattbühne die Idee der Raumfahrt und Science fiction wieder auf.
Daneben wird es mit Mitgliedern des Ensembles acht Liedersoiréen geben, bei denen sie sich von ihrer besten Seite präsentieren und Lieder, Chansons oder Schlager aus ihrem Repertoire gestalten.
Schon während der Pause konnte man Abonnements kaufen. Abonnenten eines Festplatzabos haben gegenüber dem Einzelverkauf einen Preisvorteil von 45% und immer die besten Plätze! Gerade bei den drei Plätzen für Rollstuhlnutzende macht das Sinn, denn die sind schnell weg. Bereits bestehende Abos werden automatisch verlängert, und man kann, wenn man verhindert ist, die Karten eintauschen. Daneben gibt es auch Wahlabos mit 35% Preisvorteil bei acht, 30% bei sechs Vorstellungen. Es gab etwas Ärger, weil nicht nur die Preise generell moderat erhöht, sondern auch die Preisgruppen neu zugeschnitten wurden: die Preisgruppe I wurde erweitert, dafür aber Randplätze billiger gemacht. Das führte bei einigen Abonnenten zu Irritation und Verärgerung, aber man hat den Betroffenen Alternativen vorgeschlagen.
Insgesamt ist es ein rundes Programm mit beliebten und bewährten Stücken des Kernrepertoires, aber auch interessanten Opern des 21. Jahrhunderts neben der Tragödie Iphigenie auf Tauris, der vergessenen Oper Der Weltuntergang und der Monooper La voix humaine von Poulenc, die versprechen, spannend zu werden.
- Artikel von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- Theater Bonn
- Titelfoto: VORHANG AUF! DIE SPIELZEITSHOW – Künstlerische Programmvorschau Oper und Schauspiel: Chefdramaturgin Polina Sandler, Operndirektor Marcus Carl und Hanno Friedrich führen durch den Abend/Foto: Matthias Jung
Ein Gedanke zu „Bewährte Publikumsrenner und Oper der Zeit – Vorschau auf eine vielfältige Spielzeit 2026/27 in Bonn“