Eröffnungskonzert der Mozartwoche 2025: ein vielversprechender Anfang

Mozartwoche/Eröffnungskonzert/R. Villazón/Foto: Wolfgang Lienbacher

Die Mozartwoche ist ein Gipfel des klassischen Musikkalenders, weil sie führende Musizierende, Musikkennende und Musikliebende zusammenbringt. Das Programm vom 23. Januar bis 2. Februar 2025 steht unter dem Motto „Destination Mozart“. Ein wesentlicher Vorzug des diesjährigen Programms besteht darin, dass es Werke enthält, die Mozart direkt oder indirekt beeinflusst haben, und dass es Konzerte gibt, die die Verbindungen zwischen den Komponisten aufzeigen. Darüber hinaus bieten die Veranstaltungen eine köstliche Gelegenheit, hochkarätige Musik des achtzehnten Jahrhunderts zu hören, die im heutigen Aufführungsrepertoire nur selten vorkommt.

 

 

Unter der Leitung des neuen Chefdirigenten Roberto González-Monjas hat das Mozarteumorchester eine aufschlussreiche Auswahl an Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und einigen seiner älteren Zeitgenossen am 23. Januar 2025 im Großen Saal des Salzburger Mozarteums dargeboten, die dem Publikum Lust auf mehr bereitete. González-Monjas leitete jedes Werk mit leidenschaftlichem Engagement und lebhaften Tempi, wobei er der Musik immer Zeit zum Nachwirken gab, um sie zu genießen. Ich hatte die Freude, die Aufführung einiger Mozart-Arien für Bariton und einer Beethoven-Sinfonie durch diesen Dirigenten am selben Ort im November 2024 zu erleben.

Das Konzert wurde mit der Ouvertüre zur Oper »Les Danaïdes«, eine Tragédie lyrique in fünf Akten von Antonio Salieri eröffnet. Uraufgeführt am 26. April 1784 in der Opéra de Paris basiert das Libretto von François Bailly du Roullet und Louis Théodore Baron de Tschudi auf einer italienischen Vorlage von Ranieri de’ Calzabigi. Die dramatische Ouvertüre zeigt den stilistischen Einfluss von Christoph Willibald Gluck und ist gleichzeitig ein Vorbote des Musikdramas, das sich im neunzehnten Jahrhundert entwickelt hat.

Das Programm wurde fortgesetzt mit Franz Joseph Haydns Kantate „Arianna a Naxos“ (Hob. XXVIb:2) für Sopran und Klavier aus dem Jahr 1789. Da Haydn die Klavierbegleitung nicht selbst orchestriert hat, wurde für diese Aufführung eine Bearbeitung von Paul Hodges für Sopran und Streichorchester mit Cembalo verwendet. Die lyrische Sopranistin Lauren Snouffer stellte Ariannas wechselnde Gefühlszustände stimmlich und visuell dar: überwältigende Liebe, erwartungsvolles Bangen, verblüfftes Entsetzen, vernichtende Trauer, unbändige Wut.

Glucks Ballett „Don Juan ou Le Festin de pierre“ (Gluck WV 2.1.1), uraufgeführt 17. Oktober 1761 am Burgtheater in Wien, erhielt eine mitreißende Aufführung, die einem Werk gerecht wurde, das den aus Mozarts Oper »Don Giovanni« bekannten Inhalt auf andere Weise behandelt. Intendant Rolando Villazón erzählte die wichtigsten Ereignisse, die in der 31-sätzigen Ballettmusik nach Molières Theaterstück aus dem Jahr 1665 geschildert werden.

Mozartwoche/Eröffnungskonzert /Foto: Wolfgang Lienbacher

Die zweite Hälfte des Konzerts war zwei Werken von Mozart gewidmet. Zunächst erklang eines der beliebtesten Klavierkonzerte Mozarts, das d-Moll-Konzert KV 466, das am 11. Februar 1785 im Wiener Casino „Zur Mehlgrube“ Premiere hatte. Die Pianistin Gabriela Montero und das Orchester boten eine feurige Darbietung, bei der sie durch die Improvisation ihrer eigenen Kadenzen eine gewisse Spontaneität einbrachte. In Monteros Händen hatte die Romanze des zweiten Satzes einen besonders tiefgründigen Charakter, vom wiegenden Beginn des Satzes bis zum stürmischen Mittelteil in g-Moll. Als Zugabe lud Montero das Publikum ein, ein bekanntes Thema vorzuschlagen, über das sie improvisieren sollte. Sie improvisierte zauberhaft über ein Thema von Cherubinos Arietta „Voi che sapete Che cosa è amor“ im zweiten Akt aus »Le nozze di Figaro«, KV 492. Obwohl dieses Konzert Monteros Debüt in der Mozartwoche war, hatte ich bereits das Vergnügen, ihre Improvisationskunst in einem reinen Mozart-Programm im Leipziger Gewandhaus im November 2013 zu erleben. Sie wiederzusehen, weckte Erinnerungen an die einzige Musikerin, die ich je gesehen habe, die das Publikum auffordert, Themen vorzuschlagen, auf denen sie ein Werk aufbauen kann, das nur für einen Moment und einen Ort in der Zeit existiert. Die uns überlieferten Klaviervariationen zeigen, dass Mozart bei seinen eigenen Konzerten über damals beliebte Themen improvisierte.

In Mozarts 23. Februar 1787 im Wiener Kärntnertortheater uraufgeführte Scena „Ch’io mi scordi di te?“ für Sopran, Klavier und Orchester, KV 505, hat Snouffer den Schmerz und die tiefe Traurigkeit über die Aussicht, von einem Geliebten getrennt zu sein, zum Ausdruck gebracht. Als Zugabe führten Snouffer und Montero das Lied „Abendempfindung“, KV 523, von Mozart auf.

Die stehenden Ovationen sind ein sehr positives Vorzeichen für die Mozartwoche. Ich bin gespannt auf die weiteren Aufführungen. Das Konzert wird am 31. Jänner um 19:30 Uhr im Radio (Ö1) und im Fernsehen am 26. Jänner um 20:15 Uhr (ORF III) und am 1. Februar um 20:15 Uhr (3sat) ausgestrahlt.

  • Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Mozartwoche 2025
  • Titelfoto: Mozartwoche/Eröffnungskonzert /Foto: Wolfgang Lienbacher
Teile diesen Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert