Torsten Mosgraber – Direktor des Klangvokal Musikfestival Dortmund – im Gespräch mit dem OPERNMAGAZIN

Klangvokal Dortmund /Logo
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Das Klangvokal Musikfestival Dortmund präsentiert in diesem Sommer bereits zum elften Mal ein Programm, welches einen Querschnitt durch die Musik, wie wir sie alle kennen, bietet. Einen Querschnitt, der einen gemeinsamen Nenner hat: die menschliche Stimme. Sei es im Pop- und Jazzbereich, in der vielfältigen Musik der verschiedenen Weltkulturen, im gemeinsamen Erleben von Singen – der Chormusik, bis hin zur Oper. In diesem Jahr lautet das Motto des Dortmunder Musikfestival kurz und treffend „WIR!“. Drei Buchstaben, aber höchst ambitioniert und stellvertretend stehend für das gemeinsame Erleben von Musik und Gesang. Musikalische Momente, die die Menschen verbinden. Denn wo gemeinsam musiziert und gesungen wird, da ist auch immer ein Ort wo Menschen nach gemeinsamer Harmonie streben. „WIR!“ steht auch für die vielen Künstlerinnen und Künstler, die das Klangvokal Musikfestival aus diesmal 20 Ländern der Erde nach Dortmund eingeladen hat. Auch in seinem elften Jahr dabei ist der Direktor des Klangvokal Musikfestival Dortmund, Torsten Mosgraber. Mit ihm traf ich mich in der Osterwoche, anlässlich der finalen Festivalplanungen, in seinem Büro in der Dortmunder Brückstraße. 

 

Torsten Mosgraber schätzt an Dortmund und den Menschen dieser Stadt die Offenheit, die Direktheit, das füreinander da sein und auch den persönlichen Umgang untereinander. Als Berliner sind ihm alle diese Eigenschaften durchaus nicht fremd. Gibt es doch gerade in diesen charakterlichen Eigenschaften auffallende Ähnlichkeiten zwischen Dortmundern und Berlinern. Und Mosgraber erwähnt auch, und wieder gibt es eine Parallele zur Hauptstadt, dass Dortmund eine regionale Musikmetropole geworden ist, deren Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Selbstverständlich kann Dortmund in diesem Kulturbezogenen Vergleich – Berlin/Dortmund – nicht mithalten. Aber das erwartet auch niemand. Vielmehr sind aber die kulturelle Begeisterungsfähigkeit dieser beiden Städte sehr verwandt. In beiden wird Kultur täglich gelebt.

Mit Torsten Mosgraber hat sich die Stadt Dortmund 2008 einen äußerst versierten und erfahrenen Fachmann in die Stadt geholt, um unter seiner Federführung ein Musikfestival zu etablieren, welches genreübergreifend einmal im Jahr die kulturelle Vielfalt nicht nur der Region, sondern nahezu weltweit, präsentiert. Von Jahr zu Jahr seit seines Bestehens wächst die Popularität dieses alljährlich im Frühsommer beginnenden Festivals und ist schon längst kein reines Dortmunder Kulturevent mehr. Weit über Dortmunds Grenzen hinaus zieht es die vielen Besucher an, die von dem vielfältigen musikalisch-kulturellem Angebot in ständig größerem Maße Gebrauch machen.

Klangvokal 2019 / Logo

Mosgraber ist dabei aufgrund seines bisherigen beruflichen Werdegangs geradezu prädestiniert, jedes Jahr aufs Neue den Bürgerinnen und Bürgern Dortmunds, aber auch den vielen Menschen, die von überall her zum Festival angereist kommen, Musik auf höchstem Niveau zu bieten. Und dies insbesondere im Bereich der Opernmusik. Und darauf wollen wir uns als Opernmagazin vornehmlich konzentrieren. Ohne aber die vielfältigen anderen musikalischen Angebote bewusst zu unterschlagen. Aber es liegt einem Opernmagazin nun mal näher darüber zu schreiben, was es selbst eigentlich ausmacht.

Der gebürtige Berliner Torsten Mosgraber studierte nach dem Abitur zunächst Musikwissenschaft und Germanistik an der Freien Universität Berlin. Schon während des Studiums war er als Regieassistent, u.a.von Götz Friedrich und Giancarlo del Monaco in Berlin, Köln, Stuttgart und bei den Salzburger Festspielen tätig. Von 1990 bis 1992 war er als Referent des Intendanten Udo Zimmermann an der Oper Leipzig verpflichtet, von 1995 bis 2000 wirkte er als Programmdirektor und von 2000 bis 2002 als Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Von 2002 bis 2004 war er als Administrateur artistique an der belgischen Nationaloper Théâtre de la Monnaie in Brüssel engagiert, wo er auch das nationale Opernstudio leitete, bevor er von 2005 bis 2007 als Künstlerischer Geschäftsführer der Deutschen Musikrat Projektgesellschaft tätig war. 2008 folgte dann der Wechsel nach Dortmund und damit der Beginn des Klangvokal Musikfestivals.

Mosgraber, ein Mann, der von sich behaupten kann, mittlerweile über 2000 Opernabende erlebt zu haben, ist ohne Frage jemand, dessen Meinung und Sachkenntnis zählt, wenn es darum geht einzuschätzen, wie sich die Opernszene in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Waren die sängerischen Leistungen tatsächlich in der früheren Zeit besser, wie von vielen geäußert, und wenn ja, warum? Diese Frage stellte ich ihm und seine Antwort darauf war schlüssig: Der internationale Opernmarkt hat sich im Laufe der Jahre sehr verändert. Die Sänger reisen viel mehr, sie haben immer weniger Zeit für Proben. Der Zeitfaktor ist eine ständig wachsende Größe. Darunter leidet natürlich auch mitunter die Vorbereitung. Dafür gibt es Probenvideos, die sich die Künstler vorab online ansehen können. Gute Stimmen haben wir heute, wie damals, viele auf der Welt. Das hat sich nicht verändert. Vielleicht waren die Sänger der früheren Jahre vermehrt auf der Suche nach Emotionalität bei ihren Interpretationen als heutzutage?“.

Torsten Mosgraber / Foto @ Klangvokal MF

Torsten Mosgraber ist in Bezug auf Gesangsstimmen ein äußerst kompetenter Gesprächspartner, was im Verlauf des Gespräches immer deutlicher wird. In diesem Zusammenhang sprachen wir auch über die Beziehungen des Klangvokal Musikfestivals zum Dortmunder Opernhaus, als auch über die persönliche Ebene der beiden Chefs, Mosgraber und Heribert Germeshausen, dem seit 2018 neuen Opernintendanten der Stadt Dortmund. „Zwischen Heribert Germeshausen und mir gibt es eine gute persönliche Beziehung. Wir sehen uns öfter bei verschiedenen Gelegenheiten“, erklärt er auf diese Frage. Und weiter, was die bisher noch eher übersichtliche Zusammenarbeit der beiden Institutionen angeht: „Der Dortmunder Opernchor wird in diesem Jahr beim Fest der Chöre auftreten“. Hier wird es sicher in Zukunft weitergehende Kooperationen zwischen dem Theater Dortmund und Klangvokal Dortmund geben.

Für die Dortmunder Musikszene ist das Zusammentreffen dieser beiden kompetenten und international erfahrenen Männer sicherlich ein Glücksfall, wie die Zukunft ganz sicher belegen wird, da bin ich ohne jeden Zweifel. DAS OPERNMAGAZIN begleitet beide Dortmunder Institutionen, denen Mosgraber und Germeshausen vorstehen, seit Jahren in vielfältiger Weise.

Zum diesjährigen anstehenden Programm stellte ich dem Chef des Klangvokal Musikfestival Dortmund die, – eher rhetorische -, Frage, wofür das „WIR!“ als diesjähriges Motto steht:„ Das „Wir“ steht für den Wunsch nach einem besseren Miteinander. Damit ist jegliche Form gemeint. Menschliches Miteinander, aber auch das kulturelle. Das gemeinsame Erleben von Gesang und Musik ist etwas ganz besonderes. Es verbindet die Menschen.“

Konzerthaus Dortmund / Saalansicht von der Bühne © Yogi Kaja

Das Opernprogramm in diesem Jahr umfasst zum einen die Italienische Operngala, die am 16.5. das Festival im Konzerthaus Dortmund offiziell eröffnen wird, als an gleicher Stelle dann am 31.5. die konzertante Aufführung der „Perlenfischer“ von Georges Bizet – beides in erstklassiger Besetzung – sowie, und das liegt Torsten Mosgraber besonders am Herzen, Opernwerke des Barock. Zu allen anstehenden Terminen hat DAS OPERNMAGAZIN bereits im Vorfeld ausführlich berichtet. Mit den Barockwerken schließt sich eine große Lücke“, sagt Mosgraber hinsichtlich der Zusammensetzung des Programms, „Und ich weise hier besonders auf die Vorstellung am 8. Juni im Orchesterzentrum Dortmund hin. Dort geben wir in Zusammenarbeit mit den Händelfestspielen in Halle die Oper Agrippina in einer Weltklassebesetzung, was die sängerischen Solisten, als auch Orchester und Dirigent angeht. Außerdem gibt es noch eine Aufführung mit Werken von Händel und Zeitgenossen, darunter tolle Raritäten von Hasse oder Traetta oder Hasse, am 30. Mai mit Vivica Genaux und Lawrence Zazzo sowie am 14. Juni einen Abend unter dem Motto „Händels Heroinen“ mit der Sopranistin Carolyn Sampson, welches im Industriemuseum der Zeche Zollern stattfindet“. Neben den Freunden der großen klassischen Oper aus Italien und Frankreich des 19. Jahrhunderts werden damit auch den Fans der Barockoper mehrere großartige Aufführungen innerhalb des Klangvokal Musikfestivals geboten.

Wir sprachen dann auch noch über die Bedeutung der Neuen Medien für die Kulturszene. Immer mehr Onlinemagazine, gerade auf dem Klassiksektor, kommen auf den Markt oder sind dort schon seit geraumer Zeit etabliert. Für Torsten Mosgraber sind diese sehr wichtig, wie er sagt, und er schätzt die Zusammenarbeit mit ihnen ebenfalls sehr. „Ich lese alle Berichte und Artikel, die über das Klangvokal Musikfestival online erscheinen, aber auch regelmäßig viele Berichte aus ganz Europa„, erklärt er mir im Interview und weist im weiteren Verlauf auch auf die immer mehr zunehmende Bedeutung der Online-Berichterstattung hin.

Torsten Mosgraber /Foto ©Jan Schürmann

Das Gespräch mit dem Direktor des Dortmunder Musikfestivals gestaltete sich auf äußerst angenehme Weise und war dabei auch sehr informativ. Hier ist kein reiner Kulturmanager am Werke, vielmehr ein Mann, der die Oper, die Musik, den Gesang und das Theater liebt. Und das spürt man bei fast jedem seiner Sätze. Das Motto „WIR!“ könnte auch auf Mosgraber selbst zutreffen. Denn er sieht sich auch als Teil eines Ganzen, eines Teams, dass alljährlich ein vielbeachtetes musikalisches Kulturprogramm auf die Beine stellt, welches für die Stadt Dortmund und seine Menschen von so großer Bedeutung und Wichtigkeit ist. 

DAS OPERNMAGAZIN wünscht Torsten Mosgraber und seinem gesamten Team ein beeindruckendes und erfolgreiches Klangvokal Musikfestival 2019 und dankt ihm gleichzeitig für dieses höchst angenehme Gespräch.

 

Das Gespräch mit Torsten Mosgraber führte Detlef Obens (Herausgeber DAS OPERNMAGAZIN)

 

Weiterführende Links:

Klangvokal Musikfestival Dortmund (Programm 2019)

Klangvokal-Berichterstattung auf DAS OPERNMAGAZIN

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  • Titelfoto: Torsten Mosgraber / Foto © Jan Schürmann

 

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