
Wolfgang Amadeus Mozart hat Händels Messiah, HWV 56, (dessen Urfassung aus dem Jahr 1741 stammt) auf Wunsch von Baron Gottfried van Swieten bearbeitet, der private Aufführungen von Händels Werken organisierte, die an zeitgenössische Instrumente und stilistische Empfinden angepasst waren. Die Uraufführung von Mozarts Fassung, Der Messias, KV 572, fand am 6. März 1789 in der Wohnung des Grafen Johann Esterházy statt. Mozart verwendete eine deutsche Übersetzung von Christoph Daniel Ebeling des englischen Librettos, das Charles Jennens aus Bibelstellen für Händel zusammengestellt hatte. (Rezension des Konzerts v. 26. April 2026)
Mozart hat Händels Orchestrierung erweitert, die sich stark auf Continuo und Streicher stützte, wobei Trompeten und Pauken für besonders feierliche Momente reserviert waren. Er fügte Klarinetten hinzu, setzte Hörner kontinuierlicher ein, erweiterte die Fagottstimmen und ließ die Chorstimmen von den Bläsern verdoppeln. Dies führt zu einem warmen, harmonischen Orchesterklang. Choräle wie „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn wird offenbaret“ (Nr. 3) erhalten eine symphonische Weite, während Arien von instrumentalen Klangteppichen umhüllt werden. Händel setzte auf rhetorische Klarheit und scharfe dramatische Kontraste; Mozart bevorzugte Geschmeidigkeit und klangliche Schönheit. Mozart respektierte Händels Gesangslinien weitgehend, vereinfachte jedoch einige verzierte Passagen, ordnete bestimmte Arien (beispielsweise Alt für Sopran) neu zu und stellte ein Gleichgewicht zwischen Stimmen und Instrumenten her, um dichte Fugen zu verdeutlichen, während er in homophonen Sätzen wie der Chor „Halleluja“ (Nr. 32) das harmonische Gewicht verstärkte.

Die Aufführung des MDR-Sinfonieorchesters und des MDR-Rundfunkchors unter der Leitung von Dennis Russell Davies mit Solisten aus dem Chor am 26. April 2026 im Leipziger Gewandhaus hat alle Feinheiten dieser selten aufgeführten Fassung hervorgehoben und war durchweg ein pures Hörvergnügen. Der Einsatz von Chormitgliedern für die Arien und Duette sorgte für erfrischende Abwechslung und rückte die Komposition in den Vordergrund, anstatt auf eine bekannte Besetzung zu setzen. Die in schwungvollem Tempo vorgetragene Ouvertüre gab den Ton für die mitreißende, dynamische Aufführung an, die darauf folgte. Davies trieb die Musik mit mehr Schwung voran, als ich es bei diesem Werk je zuvor gehört habe. Ich empfand diesen unsentimentalen Ansatz als äußerst wirkungsvoll, um die Spannung in diesem narrativen Oratorium aufrechtzuerhalten, das implizites Drama enthält, das manche Dirigenten in der Abfolge von Rezitativen, Chören und Arien untergehen lassen.
Was die einzelnen Leistungen angeht, haben mich der Tenor Hwan-Cheol Ahn in Arie Nr. 13 „Erwach’ zu Liedern der Wonne“, der Bariton Tobias Ay in Arie Nr. 29 „Warum entbrennen die Heiden und toben im Zorne“ und die Sopranistin Leevke Hambach in Arie Nr. 33 „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ besonders beeindruckt. Alle Interpreten trugen ihre Partien souverän vor, ohne jemals zu versuchen, sich in den Vordergrund zu drängen oder sich über das Werk selbst zu stellen. Die Beiträge des Chores waren prägnant, präzise artikuliert und von einem lebhaften Rhythmus geprägt, der der Aufführung durchgehend Lebendigkeit verlieh und die Aufmerksamkeit fesselte.
Meiner Meinung nach wirkt Mozarts Messias intimer und nachdenklicher als Händels strenge, eindringliche Deklamation. Sätze wie die Arie für Sopran „Er weidet seine Herde“ (Nr. 14) sind von einer pastoralen Wärme durchdrungen, die durch Mozarts Orchestrierung zur Geltung kommt. Es hat mich immer verwundert, wie wenige Aufnahmen und Live-Aufführungen es von Mozarts Bearbeitungen von Händels Oratorien gibt. Angesichts des Interesses an modernen Bearbeitungen von Werken Johann Sebastian Bachs wird das Publikum, das Mozarts Fassungen von Händel eine Chance gibt, belohnt werden.
- Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- MDR Sinfonieorchester
- Titelfoto: MDR Sinfonieorchester und MDR-Chor/ Foto: MDR-Stephan Flad