Opernhaus Zürich: Glanzvolle Premiere von Jules Massenet’s Oper „MANON“

Opernhaus Zürich/MANON/ Foto @ T+T Fotografie/Toni Suter

Der Oper MANON von Jules Massenet liegt die tragische Geschichte der Manon Lescaut nach dem Roman «Histoire du Chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut» von Abbé Prévost und das Libretto von Henri Meilhac und Philippe Gille zugrunde.Die Oper wurde vor 135 Jahren am 19. Januar 1884 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. In einer Zeit, wo man bestrebt war, den Besuch in den Theatern auch weniger wohlhabenden Bürgern zu ermöglichen, passte diese Geschichte des armen Mädchens, welches ein Opfer des Verlangens nach Ruhm und Ehre wird und gleichzeitig auch die Falschheit der reichen Gesellschaft aufzeigt, bestens. (Rezension der Premiere v. 7.4.2019

 

Manon, ein Mädchen vom Lande, erreicht mit Ihrem Cousin, dem Soldaten Lescaut, die Poststation in Amiens. Sie soll in ein Kloster gebracht werden, da Ihre Familie der Meinung war, dass die Verlockungen des Vergnügens für sie zu gross waren und man sie davor abschirmen müsse. In der Poststation halten sich auch Guillot de Morfontaine und Brétigny, ein Steuerpächter, begleitet von drei Freundinnen auf. Manon, fasziniert von all den Eindrücken, wird in einem unbeaufsichtigten Moment von Guillot angesprochen, welcher Ihr ein Leben im Luxus verspricht, sollte sie ihm folgen. Doch Manon lehnt ab. Auf dem Weg zu seinem Vater trifft auch Chevalier Des Grieux in der Station ein und beim Anblick von Manon verliebt er sich augenblicklich in sie. Manon ist kurzentschlossen bereit, mit Des Grieux nach Paris zu fliehen.

Der zweite Akt spielt in einer bescheidenen Dachwohnung in Paris. Des Grieux will seinen Vater um die Erlaubnis bitten, Manon heiraten zu dürfen. Der mittellose Chevalier kann Manon ausser seiner Liebe nichts bieten. Lescaut und Brétigny überraschen die Liebenden, um den Plan welchen Sie mit dem Vater von Des Grieux geschmiedet haben, umzusetzen. Der junge Des Grieux soll entführt werden, um Manon vergessen zu können. Brétigny nutzt die Gelegenheit, während Lescaut, Des Grieux tadelt, Manon ein Leben in Luxus zu versprechen, sollte sie ihm folgen. Manon solle dem Geliebten nichts von der geplanten Entführung verraten. Geblendet von der Aussicht auf Glanz und Ruhm, nimmt Manon Abschied vom Leben mit Des Grieux und lässt die Entführung geschehen.

Opernhaus Zürich/MANON/ Foto @ T+T Fotografie/Toni Suter

Im dritten Akt erscheint Manon auf der Promenade Le Cours-la-Reine und zieht in Begleitung von Brétigny als elegante Dame sofort alle Blicke auf sich. Während die Bevölkerung ein Fest feiert, erfährt Manon, welche ein Gespräch zwischen Brétigny und dem alten Grafen Des Grieux, mithört, das sein Sohn nun in Saint-Sulpice als Priester amtiert und seine erste Predigt an diesem Abend halte. Manon, welche befürchtet, Des Grieux könnte sie vergessen haben, eilt nach einer Ballettaufführung, nach Saint-Sulpice

Im Kloster von Saint-Sulpice ist Des Grieux ein umschwärmter Prediger. Sein Vater will ihn jedoch von diesem Amt abbringen um ihn standesgerecht zu verheiraten. Doch Des Grieux will sich Gott weihen und seine ehemalige Geliebte vergessen. Da erscheint Manon und bittet Des Grieux verzweifelt um Vergebung. Er kann Ihr nicht widerstehen und lässt sich erneut auf eine Liaison ein.

Im vierten Akt befinden wir uns im Spielsalon des Hotel de Transylvanie, wo um viel Geld gespielt wird. Die verarmten Liebenden Manon und Des Grieux erscheinen. Manon kann den Reizen des Luxus nicht widerstehen und überredet Ihren Geliebten zum Kartenspiel um Geld. Guillot fordert Des Grieux zu einer Partie auf. Diese gewinnt Des Grieux und wird daraufhin von Guillot als Falschspieler bezichtigt. Guillot holt die Polizei und lässt Manon und Des Grieux festnehmen. Als der alte Graf Des Grieux eintrifft, kann dieser die Freilassung seines Sohnes erwirken.

Manon, welche als Diebin von Guillot beschuldigt wird, erfährt die Härte der Justiz. Auf dem Weg nach Le Havre spielt der fünfte Akt. Des Grieux und Lescaut erwarten die verurteilten Straftäterinnen, welche nach Amerika deportiert werden sollen. Es gelingt ihnen, die Wachen zu bestechen. So erhält Des Grieux die Möglichkeit, mit Manon zu sprechen. Diese jedoch ist schwach und gezeichnet von der Haft. Nachdem sie Des Grieux nochmals an die Zeit in Paris erinnert hat, stirbt sie in seinen Armen.

Um es gleich vorweg zu nehmen:

Die Inszenierung von FLORIS VISSER ist eine hervorragende Arbeit. Die Geschichte der Manon wird wie in einem Film erzählt und durch die einfühlsam geleistete Personenführung und detailgetreuen Bühnenbilder und Kostüme von DIEUWEKE VAN REIJ sehr glaubhaft auf die Bühne gebracht.

Opernhaus Zürich/MANON/ Foto @ T+T Fotografie/Toni Suter

Auf der Guckkastenbühne entstehen intime Szenen, aber auch große Tableaus, welche dank der Lichtgestaltung von ALEX BROK eindrücklich gelingen. Eine Fülle von feinen Details, wie kleine Handbewegungen, Blicke oder Ensembles sind hier eingeflossen. Nie kommt es zu Längen, stets fühlt man sich in die Handlung einbezogen und verfolgt das Geschehen aufmerksam. Schon im Vorspiel, stellt ein kleines Mädchen Manon dar, wie sie im Elternhaus beim Betrachten eines Balls von der Welt der Schönen und Reichen träumt. Jäh wird Sie jedoch vom Vater aus diesem Traum gerissen und so kann die Geschichte beginnen.

Manon wird hier nicht nur als eine nach Ruhm süchtige junge Dame, sondern auch als zwischendurch nachdenklich werdende Frau gezeigt, welche von den Geschehnissen überrollt wird.

ELSA DREISIG singt diese äußerst anspruchsvolle Rolle mit einer großen und sehr nuancenreichen Stimme, welche auch die vielen Feinheiten aufs schönste heraushören lässt. Sei es als junges Mädchen, oder als umworbene Dame, immer findet sie den richtigen Ausdruck. Dazu kommt das große Schauspieltalent dieser Sängerin. Ein sehr gelungenes Rollendebüt.

In der Rolle des Chevalier Des Grieux steht mit PIOTR BECZALA ein Liebling des Opernhauses auf der Bühne. Was für ein Erlebnis, diesen herausragenden Tenor in einer für ihn idealen Partie hören zu können. Seine Interpretation des liebenden, leidenden und sehnenden Des Grieux ist großartig. Einen absoluten Höhepunkt erreicht dieser Abend in der großen Szene in Saint-Sulpice mit PIOTR BECZALA und ELSA DREISIG. Die beiden Stimmen finden hier eine dramatische Ebene, welche perfekt in die kühl gehaltene Szenerie passt. Die raffiniert gestaltete Verwandlung der Mönchszelle in ein Kirchenschiff ist verblüffend und trägt zur Spannung der Handlung bei.

Den Cousin Lescaut singt YURIY YURCHUK mit facettenreicher Stimme und überzeugt auch durch sein Spiel.

ALASTAIR MILES, ein sehr erfahrener Bass, singt den Vater Des Grieux edel und mit Eleganz. Auch darstellerisch eine Idealbesetzung. Mit ERIC HUCHET ist die Rolle des Guillot de Morfontaine ebenfalls bestens besetzt. Sein Tenor und seine Spielfreude passen perfekt zu dieser Partie und erlauben es dem Sänger, eine eindrückliche Leistung zu zeigen.

MARC SCOFFONI als De Brétigny ist auch zum ersten Mal am Opernhaus zu hören und man darf auch hier von einem gelungenen Einstand berichten.

Als die drei Freundinnen erleben wir ein stimmlich sehr harmonisches Trio. YULIIA ZASIMOVA als Poussette, NATALIA TANASII als Javotte und DENIZ UZUN als Rosette passen auch schauspielerisch perfekt in diese Inszenierung. CHEYNE DAVIDSON als Wirt, JAMES McCORKLE und OMER KOBILJAK als zwei Gardisten und HENRI BERNARD GUIZIRIAN, RALITZA HANDJIEVA, JUAN ETCHEPAREBORDA ergänzten dieses umfangreiche Ensemble bestens.

Opernhaus Zürich/MANON/ Foto @ T+T Fotografie/Toni Suter

Auch der CHOR DER OPER ZÜRICH war in dieser Inszenierung sehr gefordert und konnte einmal mehr durch seine Qualität überzeugen. Unter der Leitung von ERNST RAFFELSBERGER erklangen die herrlichen Chorpartien.

In der Choreographie von PIM VEULINGS tanzten die Balletteinlage ROMAN CONRAD, RICCARDO DUSE und SINA FRIEDLI, sowie einige Tänzer der Ballettschule des Opernhauses.

MARCO ARMILIATO ein weltweit begehrter Dirigent, leitete die PHILHARMONIA ZÜRICH und brachte seine grosse Erfahrung ein. Die anspruchsvolle Partitur, bestehend aus sich in schnellem Rhythmus abwechselnden leisen bis hin zu sehr energischen musikalischen Abschnitten, verlangt eine grosse Konzentration und viel Einfühlungsvermögen.

Zurecht wurde das ganze Ensemble und die Inszenierung vom Publikum mit jubelndem Applaus bedacht. Wer immer die Möglichkeit hat, diese Oper zu besuchen, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-Schweiz
  • Weitere Termine, Infos und Kartenvorverkauf unter DIESEM LINK
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/MANON/ Foto @ T+T Fotografie/Toni Suter

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