Monteverdi in Salzburg: Frühe Barockmusik mit Marionetten stilvoll inszeniert

Salzburger Festspiele/ Il ritorno d’Ulisse in patria 2026/ Foto © SF/Marco Borrelli

Il ritorno d’Ulisse in patria (SV 325) ist eine Oper, bestehend aus einem Prolog und drei Akten, von Claudio Monteverdi nach einem Libretto von Giacomo Badoaro (1640). Die Handlung, die auf den Büchern 13–23 von Homers Odyssee basiert, erzählt, wie Ulisse, König von Ithaka, nach seiner langen Reise aus dem Trojanischen Krieg nach Hause zurückkehrt und dort drei Freier (Antinoo, Pisandro und Anfinomo) vorfindet, die seine Königin Penelope bedrängen. Mit der Hilfe der Götter, seines Sohnes Telemaco und seines treuen Freundes Eumete besiegt Ulisse die Freier und gewinnt sein Königreich zurück.

 

Vor drei Jahren habe ich eine Aufführung von L’Orfeo im Haus für Mozart genossen, genau an jenem Ort, an dem am 24. Mai 2026 im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele der Monteverdi-Zyklus mit der zweiten seiner erhaltenen vollständigen Opern, Il ritorno d’Ulisse in patria, fortgesetzt wurde. Die Akustik im Haus für Mozart sorgte dafür, dass jede Note dieses intimen Konzerts klar und deutlich zu hören war, und zwar mit einer solchen Offenheit, dass die Musik zwar intim, aber keineswegs beengend wirkte.

Unter der Leitung von Gianluca Capuano hauchten Les Musiciens du Prince – Monaco dieser Partitur Lebendigkeit ein, in der viel von der Handlung und der Charakterentwicklung durch Erzählung erfolgt. In einer Inszenierung von Franco Citterio und Giovanni Schiavolin (Bühne und Licht: Franco Citterio, Kostüme: Maria Grazia Citterio und Cecilia Di Marco) stellt die Compagnia Marionettistica Carlo Colla & Figli die Figuren auf eine Weise dar, die eine barocke Atmosphäre heraufbeschwört und das Publikum dazu einlädt, die Adaptation einer antiken griechischen Legende aus dem 17. Jahrhundert zu erkunden. Dies ist eine Koproduktion mit der Opéra de Monte-Carlo.

Salzburger Festspiele/ Il ritorno d’Ulisse in patria 2026/ Foto © SF/Marco Borrelli

Das Bühnenbild erzeugte eine mythische mediterrane Atmosphäre mit Bildern von der felsigen Küste Ithakas und dem Meer, während die Marionetten und ihre Kostüme an Götter, Seeleute, Bettler und königliche Gestalten erinnerten. Die Bühnenkulissen mit gezielter Beleuchtung sorgten für eine traumhafte und leicht antik anmutende optische Stimmung, die die Vielzahl der Figuren und Ereignisse zum Leben erweckte. Die Bühnenbilder, die die Schauplätze (Räume im Palast und Außenbereiche wie das Ufer) farbenfroh in Szene setzen, sowie die Kostüme, die der im Libretto beschriebenen Persönlichkeit der Figuren entsprechen, schufen eine ganz eigene Art von Realismus. In gewisser Weise haben die Marionetten ein fesselnderes Theatererlebnis geschaffen, das diese komplexe Geschichte wirkungsvoller darstellt, als wenn die Besetzung in modernen Kostümen auftreten würden. Die opulenten Kulissen wechselten zügig und nahtlos im Einklang mit der Handlung häufig. In gewisser Weise erinnerte die Komplexität an Jean-Pierre Ponnelles aufwendige Inszenierungen im Pseudo-Barockstil für Nikolaus Harnoncourt.

Sara Mingardo verfügte genau über die Art von Kontraltstimme, die Monteverdis Partitur für die Rolle der Penelope vorsieht. Mingardo verlieh Penelope eine verletzliche und verzweifelte Klangfarbe, die jedoch von der Entschlossenheit geprägt war, ihrem seit langem vermissten Ehemann treu zu bleiben und den Freiern unter allen Umständen zu widerstehen. Passend zu ihrer herausragenden Leistung verkörperte der Bariton Vito Priante einen ernsten und kraftvollen Ulisse, der Krieg und unzählige Gefahren und Entbehrungen auf dem Heimweg überstanden hatte und dennoch ein liebevolles Herz für seine Frau und seinen Sohn bewahrte.

Salzburger Festspiele/ Il ritorno d’Ulisse in patria 2026/ Foto © SF/Marco Borrelli

Massimo Altieri verwendete seine Tenorstimme, um einen Telemaco zu gestalten, der jung und doch reif und stark genug war, um seine Mutter zu beschützen und seinem Vater dabei zu helfen, sein Königreich zurückzuerobern. Die Sopranistin Arianna Vendittelli sang eine weise, mitfühlende Minerva, ohne deren Hilfe Odysseus es nicht geschafft hätte, nach Hause zurückzukehren und seine Rolle als König wieder aufzunehmen. Den treuen Hirten Eumete interpretierte der Tenor Stefano Gambarino mit Reife und Kraft. Der Tenor Davide Livermore stellte einen angemessen gefräßigen, egoistischen, arroganten und letztlich feigen Iro dar, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass diese Figur auch lächerlich ist.

Die übrigen Rollen wurden von Alessandro Ravasio (Tempo / Nettuno), Raffaele Giordani (Giove / Eurimaco / Anfinomo), Carlotta Colombo (Amore / Melanto), Sandro Rossi (L’Umana Fragilità / Ericlea), Jiayu Jin (Giunone), Francesca Cassinari (Fortuna), Jacopo Facchini (Pisandro) und Giacomo Pieracci (Antinoo) übernommen.

Entsprechend der Art von Ensemble, über das Monteverdi vermutlich verfügte, wirkten zwölf Mitglieder von Les Musiciens du Prince – Monaco an dieser Aufführung mit. Gianluca Capuano bot eine einfühlsame, detailreiche Interpretation der Partitur und belebte die Notenschrift mit großer Kreativität. Unter Capuanos Leitung wurde daraus weit mehr als nur die Nacherzählung einer alten epischen Geschichte – es war fesselndes Theater, das das Publikum dazu inspirierte, diese bekannte Geschichte mit neuen Augen zu sehen. Besonders beeindruckend am Ensemble war die Percussion, die die in der Partitur deutlich angedeuteten Tanzrhythmen zur Geltung brachte und den dramatischen Schwung aufrechterhielt.

 

  • Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Salzburger Pfingstfestspiele 2026
  • Titelfoto: Salzburger Festspiele/ Il ritorno d’Ulisse in patria 2026/ Foto © SF/Marco Borrelli
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2 Gedanken zu „Monteverdi in Salzburg: Frühe Barockmusik mit Marionetten stilvoll inszeniert&8220;

  1. Ein wunderbares Hörstück mit großartigen Interpretinnen und Interpreten.
    Nur leider ist vom (vielleicht Fuchtel-Spiel im – noch dazu hintersten Teil der Bühne angesiedelten Guckkasten mit knapp über Knie hohen Pupperln – für alle ab der fünften Reihe kaum bis nichts zu sehen. Wie eine Sitznachbarin treffend ausrief: Es ist so anstregend mit den kleinen Manderln, da müsste man schon auf der Bühne sitzen, um was zu erkennen. Leider gibt es im Vorhinein keine Warnung, große Feldstecher mitzunehmen – ein Operngucker reicht da nicht aus.
    Wie eine weit größere emotionale Bandbreite möglich ist, zeigen hingegen immer wieder die viel weniger aufwändigen, konzertanten Aufführungen im Theater an der Wien.
    Aber wenigstens bleibt die Musik.

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