Luzerner Theater: „Roméo et Juliette“ – tragische Liebe!

Luzerner Theater/ Romeo et Juliette/ Foto ©Ingo Hoehn

Seit CHARLES GOUNOD in seiner Jugend einer Aufführung von Berlioz’ dramatischer Sinfonie «Roméo & Juliette» beiwohnte, war es für ihn klar, diesen Stoff in einer Oper zu vertonen. Seine beiden Librettisten Jules Paul Barbier und Michel Florentin Carré, hielten sich an Shakespeares Vorlage und so konnte am 27. April 1867 diese romantische Oper in Paris Premiere feiern. (Rezension der Vorstellung v. 4.11.2018)

 

Die Oper war ein sehr großer Erfolg und wurde bis Mitte des 20. Jahrhundert jährlich an vielen Häusern aufgeführt. Dies liegt vor allem an der wunderbaren Musik, welche einzelne Arien und vier Duette zwischen dem wohl berühmtesten Liebespaar beinhaltet. Aber auch große Szenen, wie sie das Pariser Publikum liebte, fehlen nicht. Wer hat nicht schon einmal in seinem Leben diese Geschichte gelesen oder in einem Film mitgelitten. In den letzten Jahren wurde diese Oper wiederentdeckt und an der MET New York, in London und Paris aufgeführt.

Luzerner Theater/ Romeo et Juliette/ Foto ©Ingo Hoehn

Das Stadttheater Luzern wartet nun mit einer Neuinszenierung auf und begeistert die Musikfreunde mit einer auserwählten Besetzung. Die räumlichen Gegebenheiten dieses Hauses lassen keine Bühnenbilder in monumentalem Ausmaß zu. Umso mehr darf man die Inszenierung von Vincent Huguet  und die Bühne von Aurélie Maestre  als sehr gelungen bezeichnen. Die Räume, welche durch die immer neu arrangierten Mauern und Nischen entstehen, schaffen kühle, gruftähnliche Bilder, welche durch die Lichtgestaltung von Bertrand Couderc zusätzlich an Wirkung gewinnen. Statuen und Büsten weisen auf die versteinerten Ahnen hin, welche omnipräsent die Handlung begleiten. Juliette wird nicht als keusches junges Mädchen gezeigt, sondern von Anfang an als junge Frau mit eigenem Willen. Roméo ist ein attraktiver junger moderner Mann, der sich auf Anhieb in die reizende Juliette verliebt.

Die Familienmitglieder der Capulet erscheinen als geschlossene Gesellschaft in Kostümen aus den 1940er Jahren. Während die Montaigu um Roméo eher an Figuren aus der West Side Story erinnern. Für die Kostüme ist Clémence Pernoud verantwortlich.

Auf der musikalischen Seite müssen als erstes die beiden Hauptdarsteller genannt werden.

Regula Mühlemann überzeugt auf der ganzen Linie mit Ihrer großen und flexiblen Stimme und gibt eine liebreizende, jedoch auf selbstbewusste Juliette. Ihr Debüt und Heimspiel darf als sehr gelungen bezeichnet werden. Diego Silva, ein attraktiver junger Mann, singt den Roméo mit vollem Einsatz und Energie. Seine Stimme passt in den Duetten sehr harmonisch zu seiner Geliebten und seine Arien singt er gefühlvoll. Die Stimme ist in den höchsten Regionen manchmal etwas zu leicht für diese Partie.

Luzerner Theater/ Romeo et Juliette/ Foto ©Ingo Hoehn

Was bei diesem Liebespaar aber besonders erwähnt werden muss, ist die Glaubwürdigkeit in Optik und Spiel. Man kann sich wohl kein besseres Paar auf der Bühne vorstellen als diese beiden Liebenden – wundervoll dargestellt von Regula Mühlemann und Diego Silva. Großartig!

Die Begleiter von Roméo überzeugten mit starken Stimmen und Spielfreude. Mercutio wird von Bernt Ola Volungholen mit grossem Bariton und körperlichem Einsatz gestaltet. Abigail Levis ist eine temperamentvolle Darstellerin des Stéphano, welche auch schauspielerisch überzeugt. Vuyani Mlinde als Frère Laurent, sang trotz angekündigter Indisposition, einwandfrei. Sarah Alexandra Hudarew begleitete als Gertrude, Juliette, mit schönem Mezzo. Robert Maszl als Tybald, Jason Cox, Graf Capulet und Flurin Caduff als Graf Paris, ergänzen, zusammen mit Martin Roth (Grégorio) und Kihun Koh (Benvolio) das Ensemble.

Das Luzerner Sinfonieorchester unter der Leitung von Clemens Heil spielte diese sehr anspruchsvolle Musik nicht immer ganz differenziert, jedoch mit viel Gefühl. Es muss jedoch auch erwähnt werden, dass die Akustik im Luzerner Theater für größere Werke nicht optimal ist.

Man kann den Besuch dieser Aufführung nur empfehlen und der Bewunderung Ausdruck verleihen, was dieses Haus geleistet hat. Der große Erfolg, wird dies auch in den kommenden Aufführungen bestätigen.

 

  • Weitere Termine, Infos und Kartenvorverkauf unter DIESEM LINK
  • Rezension der besuchten Aufführung vom 4.11.2018 von Marco Stücklin/DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto (und alle weiteren Fotos): Luzerner Theater/ Romeo et Juliette/ Foto ©Ingo Hoehn

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