Saisonauftakt mit dem Kammerorchester Basel im Stadtcasino Basel – „Traumhaft“

Stadtcasino Basel/Konzert v. 15.8.21/ Foto © Grzegorz Wlodarczyk

Der Start in die neue Saison 21/22 mit dem KAMMERORCHESTER BASEL im Stadtcasino Basel, zeigte einmal mehr die Vielseitigkeit dieses weit über die Grenzen berühmten Orchesters. Als Hommage an den im März in Basel verstorbenen großen Schweizer Komponisten Rudolf Kelterborn wurde zu Beginn dessen Werk „Traummusik“ aufgeführt. Die sechs Stücke für kleines Orchester verdeutlichen musikalisch ein Traumerlebnis. Die Stimmung wandelt sich in einzelnen kurzen Sequenzen von fröhlich, ernst, traurig bis hin zu leise. So, wie ein Traum sich eben in unserer Wahrnehmung abspielt. (Rezension der Aufführung v. 15. August 2021)

 

Für die Umsetzung dieser Musik ist wohl kein anderer besser zuständig, als der mit Kelterborn über viele Jahre befreundete Komponist und Dirigent Heinz Holliger. Bei seinen einführenden Worten waren dessen Bewunderung und Verbundenheit mit Kelterborn deutlich spürbar. Das Kammerorchester Basel spielte dieses filigrane Werk mit viel Feingefühl und hervorragend einstudiert.

Stadtcasino Basel/Konzert v. 15.8.21/ Jan Lisiecki/Foto © Grzegorz Wlodarczyk

Mit dem „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 20 in d-Moll KV 466“ von Wolfgang Amadeus Mozart  gab der junge Pianist Jan Lisiecki sein Début in Basel. Dieses berühmte Werk, welches man schon in vielen Interpretationen erleben durfte, ist nach wie vor faszinierend. Nur zwei Klavierkonzerte hat Mozart in Moll-Tonart komponiert und damit ein damals neues Hörerlebnis für das Publikum geschaffen. Gerade weil dieses Werk als düster, geheimnisvoll und abgründig gilt, ist es besonders spannend, es durch einen jungen Pianisten interpretiert zu hören, welcher fast gleich alt ist, wie damals Mozart, als er das Werk komponiert hatte. Jan Lisiecki  überzeugt mit seinem temperamentvollen lockeren Spiel. Man wird sofort von der Energie dieses großen Talents eingenommen. Ein erfrischende Interpretation. Das Kammerorchester Basel wurde von Baptiste Lopez geleitet und machte diese Aufführung zu einem begeisternden Erlebnis. Das Publikum geizte nicht mit Applaus und Bravorufen und wurde mit dem Rondo „ Alla Turca“, belohnt.

Kurz vor dessen Tod arbeitete Franz Schubert an einer Symphonie in D-dur. Davon sind aber nur gerade zwölf Seiten vorhanden. Es handelt sich um Fragmente einzelner Sätze, teilweise auch nur kurze Hinweise und ohne die üblichen Wiederholungen und auch ohne ein Finale. Die Dokumente blieben lange unbeachtet, bis sie erst 1981 wieder entdeckt wurden. Namhafte Musiker, Komponisten und Dirigenten stellten sich der Herausforderung, dieses Werk spielbar zu machen. Dabei entstanden mehrere unterschiedliche Variationen.

Stadtcasino Basel/Konzert v. 15.8.21/ Foto © Grzegorz Wlodarczyk

Roland Moser hat sich über vierzig Jahre mit dem Werk auseinandergesetzt und sich dabei gefragt, wie man ein unvollständiges Werk dennoch einem Publikum zugänglich machen kann. Das ist ihm hervorragend gelungen. Wenn man das Werk in dieser Version zum ersten Mal hört, fällt die virtuose Zusammenführung der vorgefundenen Fragmente mit den Passagen, welche nachträglich komponiert wurden, auf. Ganz besonders gefällt der Scherzo-Satz, welcher allein durch ein präzise spielendes Streichquintett dargeboten wird. Dazu verlässt der Dirigent sein Podium und hört gemeinsam mit dem Orchester dieser herrlichen Musik zu. Heinz Holliger, ein großer Kenner und Liebhaber der Musik von Franz Schubert, hat auch hier mit dem Kammerorchester Basel eine Aufführung von höchster Qualität ermöglicht. Roland Moser, sowie Dirigent und Orchester wurden vom beeindruckten Publikum gefeiert.

Ein „TRAUMHAFTER“ Start in eine vielversprechende Saison.

 

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