Opernhaus Zürich: „Das Rheingold“ – Premiere am 30. April 2022

Opernhaus Zürich/RHEINGOLD/Foto @ Monika Rittershaus

Richard Wagner und Zürich, zwischen diesen beiden verbindet sich eine ganz besondere Beziehung. Fast 9 Jahre verbrachte Wagner in dieser Stadt und hier entstand auch ein großer Teil seines gigantischen Werkes „Der Ring des Nibelungen“. Es ist überaus interessant, dieser Zeit Beachtung zu schenken. Dazu hat das Opernhaus Zürich auf seiner Webseite und im Programmheft viele Details aufgearbeitet, welche jedem Besucher sehr zu empfehlen sind. Der „Ring“ im Opernhaus Zürich wird in den kommenden Spielzeiten mit den weiteren dazugehörenden Werken „zusammengeschmiedet“. (Premierenbericht v. 30.04.2022)

 

 

Mit diesem Großprojekt erfüllt sich Intendant Andreas Homoki einen Traum. Mit dem Generalmusikdirektor und Dirigenten Gianandrea Noseda hat er dafür den passenden Partner gefunden. Andreas Homoki und sein Ausstatter Christian Schmidt haben eine Drehbühne gestaltet, welche verschiedene Einblicke in die Welt der Rheintöchter und Götter vermittelt und so eine raffinierte Inszenierung ohne übertriebene Effekte erreicht. Die großen Räume wirken erhaben und vermitteln dem Auge eine spannende Ästhetik. Jede Figur und deren ganz persönlicher Charakter werden präzise und ohne Überzeichnung dargestellt. Die Handlung wird erfreulich textgenau, aber dennoch gespickt mit humoristischen Elementen erzählt. So amüsieren der Drache oder die Kröte bei der Verwandlungsszene des Alberichs. Dabei zeigt der Regisseur auch seine außerordentlich gute Kenntnis des Stoffes.

Opernhaus Zürich/RHEINGOLD/Foto @ Monika Rittershaus

Dieser Abend war auch wegen der vielen Debuts und Rollendebuts an diesem Hause besonders interessant. Mit Tomasz Konieczny, welcher zum ersten Mal im Opernhaus Zürich zu hören war, hatte man einen starken Wotan, welcher mit seiner kräftigen Stimme überzeugte. Matthias Klink als Loge, in dieser Inszenierung wie ein Zauberer gekleidet, überzeugte bei seinem sehr gelungenen Hausdebut. Dies nicht zuletzt wegen seiner starken Bühnenpräsenz. Sogar ein Rollendebut als Alberich war zu erleben. Christopher Purves bot in dieser sehr anspruchsvollen Partie eine eindrückliche Leistung.

Als Mime war mit Wolfgang Ablinger-Sperrhacke ein Sänger mit großer Wagnererfahrung zu hören, welcher immer wieder begeistert. David Soar als Fasolt und Oleg Davydov als Fafner stellten die beiden Riesen dar, welche in dieser Inszenierung nicht allzu angsteinflößend wirkten. Beide konnten mit ihren Bassstimmen beeindrucken. Jordan Shanahan, Donner und Omer Kobiljak, Froh ließen ebenfalls aufhorchen. Die Rheintöchter Woglinde, Uliana Alexyux, Wellgunde, Niamh O‘Sullivan und Flosshilde, Siena Licht Miller, als drei in weißen Seidenpyjamas herumtollende Frauen, harmonisierten bestens zusammen.

Die anderen Frauenpartien waren mit Patricia Bardon als Fricka, Kiandra Howarth als Freia und Anna Danik als Erda besetzt. Alle waren zum ersten Mal auf der Opernhaus Bühne zu erleben und fügten sich bestens ins Ensemble ein.

Opernhaus Zürich/RHEINGOLD/Foto @ Monika Rittershaus

Sehr beeindruckend war die Leistung der Philharmonia Zürich unter der Leitung von Gianandrea Noseda. Von Beginn an fühlte man sich in diese Magie des Klanges einbezogen. Alle Feinheiten dieser Partitur, genauso wie die enorme Energie bei den effektvollsten Szenen, wurden farbenreich herausgearbeitet und ließen einen Hörgenuss zu, welcher nicht durch zu laute und zu wuchtige Effekte gestört wurde. Die Aufführung im Opernhaus Zürich  erfordert eine wohl abgestimmte akustische Interpretation. Dies ist dem Dirigenten und dem Orchester hervorragend gelungen und so wurde es auch durch das Publikum empfunden, welches die Leistungen aller Mitwirkenden mit starkem Beifall belohnt hat.

Man darf sich also auf die Weiterführung dieses Zyklus mit „Die Walküre“ im September und „Siegfried“ im März 2023 freuen und gespannt sein, wie dieses Regiekonzept diese Herausforderungen bewältigt.

 

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