Märchenhaftes Drama – „Pelléas et Mélisande“ an der Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg/ Pelléas et Mélisande/Rolando Villazón und Anna Prohaska/Foto @ Jörn Kipping

Willy Deckers Inszenierung von Claude Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“  ist seit dem 15. November in hochkarätiger Besetzung wieder auf dem Spielplan der Hamburgischen Staatsoper. Mit Rolando Villazón als Pelléas, Anna Prohaska als Mélisande und Simon Keenlyside in der Rolle des Golaud. Die Hamburger Wiederaufnahme wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. (Besuchte Vorstellung: Wiederaufnahme am 15.11.2019

 

An einem Brunnen im Wald trifft Golaud auf Mélisande. Sie heiraten und kehren auf das Schloss seiner Familie zurück. Dort lernt Mélisande Pelléas, den Bruder Golauds kennen. Mélisande verliert den Ring, den ihr Golaud geschenkt hat, im Wasser. Sie fühlt sich zu Pelléas hingezogen. Er erwidert ihre Gefühle. Doch Pelléas will das düstere Schloss verlassen und sich von Mélisande verabschieden. Nachts im Park wollen sie sich ein letztes Mal sehen. Hinter ihnen schließen sich die Tore des Schlosses. Doch die beiden sind nicht allein. (Drama in 5 Akten, 13 Bildern, nach dem Schauspiel v. Maurice Maeterlinck /Textquelle Staatsoper Hamburg)

 

Staatsoper Hamburg/ Pelléas et Mélisande/Anna Prohaska/Foto @ Jörn Kipping

In der Hamburger Inszenierung von Willy Decker, in aufwändigen Bühnenbildern von Wolfgang Gussmann, (die Premiere fand im Jahre 1999 statt, daher hier nur ein kurzer Umriss) beginnt auch die Handlung der 1902 in Paris uraufgeführten Oper märchenhaft: Mélisande am Brunnen, mit einer goldenen Krone, die ihr ins Wasser fällt. Später dann auch ihr Ehering, der nicht mehr gefunden werden kann. Auf dem Schloßturm später, steht sie oben an den Zinnen, das überlange Haar (Schleier) herabgefallen in die Hände von Pelléas, ganz nach Rapunzels Vorbild. Pelléas will sich von ihr trennen. Doch sie sind nicht allein. Das Drama nimmt seinen Lauf.  Eine fast leicht anmutende, mit der wunderbaren, klang-und farbenreichen und introvertiert wirkenden Musik Debussys versehene Inszenierung, trotz der düsteren Handlung. 

Anna Prohaska war eine betörend – schöne Mélisande, immer ein wenig geheimnisvoll anmutend und mit wunderbar geführter Stimme, einzigartig ihr Gesang vom Turm herab. Eine großartige Leistung!  

Staatsoper Hamburg/ Pelléas et Mélisande/Anna Prohaska und Simon Keenlyside/Foto @ Jörn Kipping

Simon Keenlyside zeigte in der Partie des eifersüchtigen Golaud eine vom Publikum völlig zu recht gefeierte Leistung. Stark in Gesang und eindrucksvoll in der Darstellung dieses schwierigen Charakters.

Rolando Villazón – trotz Erkältung auf der Bühne – zeigte seine ganze jahrelange Professionalität. Fast mühelos stand er bravourös den Abend durch und gab alles mit seiner Stimme und seinem Spiel! Aktiv, lebhaft und überzeugend in der Darstellung, agierte er als Pelleas, eine tolle Leistung!

Diese wurde dann auch entsprechend vom Publikum honoriert – ebenso die der anderen Interpreten Tigran Martirossian, Renate Springer, David Minseok Kang und dem jungen Maximilian Leicher, der Solist des Tölzer Knabenchors.

Der deutliche und starke Schlußapplaus galt allen Solisten und ganz besonders dem Musikalischen Leiter des Abends, Hamburgs GMD Kent Nagano, der Debussys musikalischen Impressionismus mit dem Philharmonischen Staatsorchester so ausdrucksstark erklingen liess.

Während der jeweiligen und teilweise längeren Akt-Umbauarbeiten war es mitunter ziemlich unruhig im Zuschauerraum. Was aber auch zu einem gewissen Teil der jetzt üblichen Erkältungswelle geschuldet sein dürfte, deren Widrigkeiten auch Rolando Villazón Tribut zollen musste.

Eine großartige Leistung des gesamten Ensembles, ein schwerer, dunkler Stoff aber voll mit wunderbarer Musik. Ein Erlebnis war es allenthalben! Empfehlenswert!

 

  • Artikel von Marion Nevoigt /Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Staatsoper Hamburg / Stückeseite
  • Titelfoto: Staatsoper Hamburg/ Pelléas et Mélisande/Rolando Villazón und Anna Prohaska/Foto @ Jörn Kipping

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