„In neuem Glanz erstrahlt“ – Eröffnungskonzert im Stadtcasino Basel

Sinfonieorchester Basel/Eröffnungskonzert Stadtcasino Basel/Foto @ Benno Hunziker

Eröffnungskonzert im Stadtcasino Basel am 22.08.2020

Sinfonieorchester Basel / Ivor Bolton, Dirigent

Lange war das Bangen groß, ob dieser Abend unter den gegenwärtigen Umständen überhaupt stattfinden kann. Entsprechend spürbar war die Erleichterung und Freude, als bekannt wurde, dass nach vierjähriger Umbauphase das total erneuerte Stadtcasino Basel termingerecht und feierlich seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

 

Den bestens bekannten Architekten Herzog & de Meuron ist es hervorragend gelungen, diesen wegen seiner Akustik zu den besten Konzertsälen der Welt gehörenden Bau mit viel Einfühlungsvermögen und interessanten baulichen Ideen als elegantes Gesamtkunstwerk zu erhalten. Es entstand eine stilvolle Verbindung zwischen der vorhandenen geschützten Bausubstanz und einer harmonisch angepassten Erweiterung der Räumlichkeiten. Dabei wurde kein Aufwand gescheut und auf keine Kompromisse eingegangen, was an unzähligen Details gut erkennbar ist. Der Erweiterungsbau überzeugt auch durch das elegante Foyer und durch die kreative Wahl der verwendeten Materialien.

Foyer UG | © Stadtcasino Basel | Fotografie: © Roman Weyeneth

Beim Betreten fällt als erstes die Interieurfarbe rot auf, welche man überall im Haus antrifft und bei vielen klassischen Theater- und Konzertsälen gerne gesehen wird. Beim Besuch des Hauses muss man sich auf Details achten, wie z.B. den wunderschönen Parkettboden, oder die roten Tapeten mit prunkvollen Ornamenten. Die Foyergestaltung ist eine Überraschung für sich. Viele Spiegel vermitteln Leichtigkeit und Weite. Gewiss wird jeder aufmerksame Besucher noch viele andere Details entdecken.

So sehr der erste Eindruck beim Betreten des Hauses überraschte, so gab es auch beim Eröffnungskonzert einige unerwartete Hörerlebnisse, denn auf dem Programm standen nebst klassischen Musikwerken gleich drei Uraufführungen, welche unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Domenico Melchiorre hat als Auftragswerk des Sinfonieorchesters Basel mit der Komposition „Sphaira“ eine mit neuartigen Tönen gestaltete Klangkulisse erschaffen. Mit einem eigens für diese Komposition erfundenen Instrument – vom Aussehen her darf man es auch eine „Klangskulptur“ bezeichnen – können damit Töne erzeugt werden, welche man zuvor noch nie gehört hatte.

Die Komponistin Helena Winkelmann, eine „Artist in Residence“ beim Sinfonieorchester Basel, ging ebenfalls neue Wege und benutzte für ihr Werk „Einkreisung“ mehrere auf dem Balkon platzierte Alphörner. Das Zusammenwirken der Alphörner mit weiteren klangverwandten Blasinstrumenten ergibt dabei ein neuartiges musikalisches Erlebnis. Das „Hornroh Modern Alphorn Quartet“ und weitere Solisten wurden von Ivor Bolten dirigiert.

Andrea Lorenzo Scartazzini schuf mit seinem Auftragswerk „Salve“ für das Orchester teils lautstarke und kraftvolle Momente welche den Saal und seine Akustik auf die Probe stellten.

Treppenhaus | © Stadtcasino Basel | Fotografie: © Roman Weyeneth

Nebst den genannten Uraufführungen kamen aber auch zwei klassische Werke zum Erklingen. So hörte man die Ouvertüre zu Mozart‘s „Zauberflöte“, welche übrigens schon beim Eröffnungskonzert des alten Stadtcasinos Basel gespielt wurde. Damit schaffte man eine sinnvolle Verbindung zwischen Alt und Neu.

Ferner kam das von Rolf Liebermann 1958 komponierte und besonders das Basler Publikum ansprechende Werk „Geigy Festival Concerto“ zur Aufführung. Zwei ausgezeichnet trommelnde Tambouren ergänzten das Sinfonieorchester Basel. In dieser Kombination erhalten die dem Werk zugrundeliegenden Basler Fasnachtsmärsche einen gekonnt authentischen Charakter. Das Publikum war begeistert.

Den Abschluss machte das durch den Dirigenten Ivor Bolton energisch geführte Sinfonieorchester Basel mit dem 3. und 4. Satz Allegro aus der Sinfonie Nr. 5 von Ludwig van Beethoven. Mit diesen festlichen Klängen endete das erfolgreich gelungene Eröffnungskonzert im neuen Stadtcasino Basel.

Selbstverständlich durften auch Ansprachen nicht fehlen, galt es doch, allen Beteiligten an diesem Gesamtkunstwerk und insbesondere auch den großzügigen privaten Sponsoren, ohne die dieses ehrgeizige Unternehmen gar nicht möglich gewesen wäre, herzlichst zu danken. Der Moderator Hans-Georg Hoffmann begrüsste u.a. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, sowie Christoph Gloor, den Präsidenten der Casinogesellschaft, welcher das ganze Projekt seit Anbeginn begleitet und eine Herkulesarbeit geleistet hat. Ferner gaben die beiden Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron einen kurzen Einblick in ihr Wirken rund um die Entwicklung dieses Projekts.

Nach der wegen Covid-19 notwendig gewordenen musikalischen Zwangsabstinenz spürte man förmlich die Erleichterung sowohl des Publikums, als auch der Musiker, dass wieder Life gespielt werden kann. So wünschen wir diesem in neuem Glanz erscheinenden Hause die erfolgreiche Fortsetzung von außerordentlichen Musikveranstaltungen und dass der geleistete Aufwand durch möglichst viele treue Musikfreunde und Besucher belohnt wird.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Stadtcasino Basel
  • Titelfoto: Aussenansicht | © Stadtcasino Basel | Fotografie: © Roman Weyeneth

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