Ein vorweihnachtlicher „Rigoletto“ am LICEU in Barcelona

Liceu-Ramblas/Foto @ Josef Fromholzer

Rigoletto grüßt schon auf den Ramblas:  Opern-Transparente schmücken den vorweihnachtlich beleuchteten Boulevard in der Nähe des Liceu. Das Opernhaus  spielt Verdis Rigoletto in drei unterschiedlichen Besetzungen 15 mal, von 28. November bis zum 19.Dezember. Drei gleichwertige Besetzungen, es gibt auch keine Abstufungen bei den Ticketpreisen:  drei Ducas, zwei Rigolettos und zwei Gildas  —  schnell zusammengefasst. Diese Art des Spielbetriebs hat dann Vorteile, wenn man anreist, und die gleiche Produktion innerhalb kurzer Zeit öfters sehen möchte (mit unterschiedlichen Sängern, eben). Die niederländische Regisseurin Monique Wagemakers hat das Werk inszeniert. (Besuchte Vorstellungen am 2. und 3. 12.2021)

 

 

Der Einlass findet hier so statt, wie es vor Corona war: keine G-Nachweise, auch kein Fiebermessen (wie in anderen spanischen Häusern) und selbst die im November hier  noch geltenden Einlass-Zeitfenster für die unterschiedlichen Ränge gibt es nun im Dezember nicht mehr. Nur die gültige Eintrittskarte interessiert, sonst nichts. Die Gastronomie im Haus ist jedoch noch geschlossen; dafür sind vor Beginn der Aufführung die umliegenden Cafes und Bars voll. Der prachtvolle Christbaum im Einlassbereich des Hauses sorgt für Stau: viele wollen damit ein „Selfie“ machen, manche sogar ein Gruppenfoto, dicht gedrängt staut es sich um den Baum herum. Es ist Advent! Programmbücher und – zettel gibt es leider keine. Sie sind  an vielen Häusern mit Corona verschwunden.

Liceu/RIGOLETTO/Christopher Maltman, Olga Peretyatko/Foto © David Ruano

Die Regisseurin Monique Wagemakers hatte mit Harry Kupfer zusammengearbeitet, und mit Herbert Wernicke. Und das sieht man, im besten Sinne. Dieser zeitlose Inszenierungsstil, zu dem ich auch Peter Mussbach oder Luc Bondy zähle, ist heute leider weitgehend verschwunden. Eine leere Bühne mit einer schiefen Ebene, in unterschiedliche  Rot- und Blautöne getaucht, sehen die Zuschauer. In der Mitte dieser Ebene eine Treppe, die ins Nichts führt. Dabei wird es auch bleiben. Hier steht die Musik im Mittelpunkt. Verdi! Der Mailänder Dirigent Daniele Callegari leitet das Orchester des Liceu souverän, versucht aber vielleicht etwas zu oft, gegen aufkommenden Szenenapplaus anzudirigieren. Der Szenenapplaus – das ist doch die Freude über Rigoletto!

Die beiden Rigolettos könnten unterschiedlicher nicht sein: Markus Brück der zerbrechliche, anrührende – Christopher Maltman der dominante und kräftige. Als Duca wird hier natürlich der Katalane Josep Bros groß gefeiert. Abwechselnd mit ihm singen der albanische Tenor Saimir Pirgu und der französische Shooting-Star Benjamin Bernheim den Duca. Bernheim, der auch die Rigoletto Premiere am Liceu gesungen hat, habe ich leider nicht gesehen. Bros und Pirgu meistern den Duca mit Leichtigkeit.

Olga Peretyatko (als Gilda) hat mit ihrer anmutigen Sopranstimme  das Publikum sogleich für sich eingenommen. Bei Aigul Khismatullina, der zweiten Gilda, dauert dies etwas länger. Am Ende hat aber auch sie das zu vier Fünftel volle Liceu erobert. Der Saalplan des Opernhauses wird voll und ganz verkauft.

Eigentlich ist Verdis Rigoletto auch eine Weihnachtsoper. Es müssen nicht immer die Zauberflöte oder Hänsel und Gretel sein.

Und wie immer in Barcelona: die Freude über die milde Nachtluft beim Verlassen des Hauses. Gerade im Winter.

Bilderimpressionen

* Artikel und Bilderimpressionen von Josef Fromholzer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
* Titelfoto: Josef Fromholzer
                                   

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