Augsburg: Mit Leidenschaft für ein vielfältiges Kultur-Erleben

Augsburg/The Show must go on / Foto @ Jan-Pieter Fuhr

Die Kulturszene in Augsburg geht teils neue, virtuelle Wege 

Schon im Frühjahr und im nun zu Ende gehenden Sommer ließ man sich in der schwäbischen Kultur-Hochburg von der bald alles dominierenden Pandemie betont nicht unterkriegen. “The show must go on” – der Titel der in kurzer Frist aus dem Boden gestampften Musical-Gala war in dieser Hinsicht absolut Programm.

 

Verschiedenste große wie kleine Bühnen-Stars, welche sich ohne “C.” eventuell niemals “on stage” begegnet wären, arbeiteten für dieses gelungene Flickwerk zusammen. Dem Ergebnis sah man – etwa in der teils spartanischen Bühnendekoration – zwar an, dass es nicht von langer Hand geplant werden konnte. Dennoch begeisterte das Herzblut, mit dem die vom Staatstheater aus ganz Deutschland engagierten Darsteller wie Chris Murray oder die namhafte Sängerin Katja Berg ihre Partien meisterten. Jeweils maximal 550 Zuschauer tauchten für einen Abend in eine bunte Musical-Mischung mit Auszügen aus “Jesus Christ-Superstar“, dem Fugger-Denkmal “Herz aus Gold”, “Kiss me Kate” oder “Chicago” ein. So konnte man für ein paar Stunden vergessen, dass die Virus-Krise in wenigen Wochen das weltweite Kulturleben überrollt und in eine Art Wachkoma versetzt hat. In Augsburg wurde die Kultur zum Glück vielfältig aus ihrem Dornröschen-Schlaf erweckt – stets unter Einhaltung aller pandemiebedingten Auflagen. 

Akzente, an denen man sich in Nach-Corona-Zeiten erinnern wird, setzten auch die Sinfonie-Konzerte der Augsburger Philharmoniker, auf deren Fortsetzung man sich nun erneut freuen darf. So machte man in Augsburg das Beste aus einer völlig unerwarteten Situation, mit der in dieser Weise keiner gerechnet hätte. Das hiesige Theater setzte selbst in Zeiten des Virus bemerkenswerte Zeichen für die deutsche Kulturlandschaft. Dabei ging und geht man teils völlig neue Wege, etwa mit dem “VR-Theater”, welches man völlig autonom zu Hause auf dem Sofa genießen kann. Nach der Online-Bestellung liefert ein Fahrrad-Kurier die eigens produzierten Theater-Inszenierungen im Stadtgebiet frei Haus. Mit Hilfe einer VR-Brille bietet sich dann eine faszinierende 360-Grad-Perspektive in Kombination mit einer angenehmen Entspannung in den eigenen vier Wänden.

Derzeit befinden sich mehr oder weniger bekannte Stücke wie der Monolog “Judas”, ein Ballettabend mit Ravel`s “Bolero” oder “Der Mitarbeiter – Tagebuch eines Wahnsinnigen”, eine für die Mehrheit noch zu entdeckende Erzählung von Gogol, im Repertoire. Wer möchte, kann selbstverständlich auch eine eigene virtuelle Brille benutzen. Der Lieferservice rund um das innovative digitale Angebot ist nicht ganz billig, dafür aber außergewöhnlich und extrem zeitgemäß. Gewissenhaft wird rund um dieses “Theater fürs Wohnzimmer” auf die Einhaltung der aktuellen Hygiene-Vorschriften gedrungen. Ein sehr individuelles Erleben abwechslungsreicher Inhalte – die Auswahl wird in Zukunft deutlich wachsen – und garantiert ohne Ansteckung! Auf diese Weise ist das nun auch für Personen möglich, die in besonderer Weise ihre Gesundheit im Blick behalten müssen. 

Logo @ Staatstheater Augsburg

Ansonsten ist es ab Sonntag, dem 20. September, in der Fuggerstadt endlich vorbei mit der kulturellen Karenzzeit. Die neue Spielzeit 2020/21 startet mit dem informativ-unterhaltsamen “Theatertag”, zu dem alle Interessierten kostenfrei ins Textilviertel eingeladen sind.  Der “Blick durchs Schlüsselloch” in das anstehende Herbst-/ Winter-Programm bietet sich auf verschiedenen Open-Air-Bühnen im Parkgelände sowie im Theatergebäude des martini-Parks. Aus den vier Sparten Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Konzert präsentiert das Ensemble spannende Auszüge, die man sich als (schwäbischer) Kulturliebhaber nicht entgehen lassen sollte. Einige neue Mitglieder des Staatstheaters Augsburg werden sich dem hiesigen Publikum vorstellen und kleine Kostproben ihrer Fähigkeiten geben. Wer möchte, kann sich zudem umfassend über die erwähnten VR-Produktionen informieren, die ja besonders aufwändig produziert werden müssen.  

Für die kleinen Kulturliebhaber ab vier Jahren beginnt der “Theatertag” um 10 Uhr mit einer zweimaligen Aufführung der “Drei kleinen Schweinchen – Ein Orchestermärchen für Groß und Klein”. Wie der Titel schon besagt, sind auch Erwachsene herzlich eingeladen, die Vertonung des beliebten englischen Märchens über Porky, Rosa, Rüssel und dem alten Wolf anzusehen, der seine Jagd nach einem wohlschmeckenden Schnitzel schließlich aufgeben muss, weil er keine Puste mehr hat. Der Text des Stücks stammt von Jörg Schade, die Musik von Andreas N. Tarkmann. Am frühen Nachmittag folgt im martinipark dann ein Ballett, unter anderem enthalten sich darin einige Auszüge aus der baldigen Premiere “Winterreise”. Auf dem Kunstrasen, der Grünen- sowie der Orchesterbühne des Parks mitten im Stadtgebiet werden neben anderen zahlreichen Darbietungen übrigens auch Lesungen und Kammerkonzerte dargeboten. Ein Highlight ist das “Sunset Clubbing” ab 20 Uhr – allerdings ist hier ein (kostenloses) Ticket erforderlich.  

Staatstheater Augsburg/Ofenhaus/ Foto@ Jan Pieter Fuhr

“Richtig los” geht das Kulturprogramm des Augsburger Theaters dann am 25. September mit der Inszenierung von “Nacht ohne Sterne”, einem Theaterstück von Bernhard Studlar auf der Brechtbühne im Gaswerk. Die Zuschauer können außerdem einen echten Klassiker, “Die Physiker” von Friedrich Dürrenmatt, wiedertreffen. Im Oktober folgt die Premiere der Gluck-Oper “Orfeo et Euridice”. Mit “Tintenherz” ist noch in diesem Jahr auch ein bearbeiteter Roman von Cornelia Funke mit von der Bühnen-Partie. “Fliegende Bauten” lautet der Titel eines Liederabends mit der Regisseurin Elsa Vortisch, die sich damit auf sehr eigene Weise der für manche echt brennenden Frage “Kaufen oder mieten von Wohnraum?” widmet. Außerdem sind bis Ende 2020 die Kammeroper “In der Strafkolonie”, das bereits erwähnte Tanztheater “Winterreise”, Sinfoniekonzerte oder etwa das Weihnachtskonzert “Der Nussknacker” zu erleben. Ziemlich viel Normalität für eine außergewöhnliche Situation also. 

Auch im Parktheater im Kurhaus Göggingen startet man engagiert in die neue Saison. Geschäftsführer Stefan Weippert und sein Team bastelten bis Mitte März am für 2020/21 geplanten Programm. Durch Corona ergab sich dann aber ein völlig neues Szenario mit großen Unsicherheiten, denen man sich bestmöglich stellte. So setzte das Parktheaters alles in Bewegung, um trotz geltender Einreise- und Quarantänevorschriften auch Verträge mit international aktiven Künstlern zu schließen – schließlich ist man in Augsburg durchaus auch an große Namen gewöhnt. Wie immer war das Haus also rege darum bemüht, die Stars der deutschen Comedy-Szene auf die Bretter des historischen Gebäudes aus der Gründerzeit zu zaubern. Eine bemerkenswerte Leistung, die es durchaus verdient, hervorgehoben zu werden.  

Freuen durfte man sich in der letzten Woche bereits auf bekannte TV-Gesichter wie Django Asül oder Sissi Perlinger, mit denen das Parktheater unter anderem die nun aktuelle Spielzeit eröffnet hat. Weitere sofort ins Auge stechende Namen, mit denen man sich in den folgenden Monaten hervortun will, sind beispielsweise David Kebekus, das lange schon bekannte Duo “Herbert & Schnipsi” oder Lisa Fitz. Auf ihrer “Echtzeit-Tour 2020” wird man daneben der “Pop-Poetin“ Anna Depenbusch begegnen oder in einen Abend lang in Musical-Momente eintauchen. Auch an Werktagen wartet man in der kleinen Kultur-Perle im Süden des Augsburger Stadtgebiets mit erstaunlich vielen Highlights auf, so dass sich ein Blick ins Programmheft wohl jederzeit lohnt.  

 

  • Artikel von Dr. Daniela Egert / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Staatstheater Augsburg
  • Titelfoto: Staatstheater Augsburg/ martini-park/ Foto@ Jan-Pieter Fuhr

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