Anna El-Khashem und Long Long sind die „NEUEN STIMMEN 2019“

NEUE STIMMEN 2019/ Finalisten/

Die russische Sopranistin Anna El-Khashem und der Tenor Long Long aus China sind die Sieger des Internationalen Gesangswettbewerbs NEUE STIMMEN 2019. Sie konnten die Jury aus hochkarätigen Experten für sich überzeugen. Für die jeweils drei Bestplatzierten bei den Damen und den Herren gab es Preisgelder im Gesamtwert von 65.000 Euro. Zudem gewann Vladislav Buyalskiy aus der Ukraine den erstmals vergebenen Brian Dickie Young Singers Award. (Bericht des Finales vom 26.10.2019)

 

Hier die Namen der Preisträger im einzelnen:

Damen

1. Preis 15.000 Euro: Anna El-Khashem, Sopran (Russland, *1996)

2. Preis 10.000 Euro: Natalia Tanasii, Sopran (Moldawien, *1991)

3. Preis 5.000 Euro: Slávka Zámečníková, Lyrischer Sopran (Slowakei, *1991)

Herren

1. Preis 15.000 Euro: Long Long, Tenor (China, *1991)

2. Preis 10.000 Euro: Domen Križaj, Bariton (Slowenien, *1989) und Bongani Kubheka, Bariton (Südafrika, *1991)

Brian Dickie Young Singers Award: Vladislav Buyalskiy, Bassbariton (Ukraine, *1997)

 

DAS OPERNMAGAZIN gratuliert allen Preisträgern und auch allen weiteren Finalisten herzlich!

Durch den Abend führte Holger Noltze als Moderator und spickte seine Anmoderationen mit vielen, teilweise recht amüsanten, Details zu den einzelnen Arien der 10 Finalisten. In zwei Blöcken zu je 10 Arien, unterbrochen von einer Pause, stellten sich die Finalisten dem anwesenden Publikum vor. Im Publikum viele branchenbekannte Gesichter, aber auch sehr viele „nur“ opernbegeisterte Zuschauer, die von den dargebotenen Leistungen der jungen Sängerinnen und Sänger sehr angetan waren. Zwar standen am Ende nur die Bestplazierten im Rampenlicht, aber Gewinner waren sie alle. Allein das Erreichen dieses weltweit anerkannten und renommierten Gesangswettbewerbs ist für die meisten schon ein Sprungbrett in die weitere Karriere. Für viele ist es auch der Beginn einer Weltkarriere, wie die Veranstalter der NEUEN STIMMEN 2019 in einem Video vor Beginn der Juryberatung im Saal ausstrahlten.

Die dann erfolgte Entscheidung war, wie der Vorsitzende der Jury, Dominique Meyer (Noch-Intendant der Wiener Staatsoper und designierter Chef der Mailänder Scala) kurz vor den entscheidenden Namensnennungen erklärte, gar nicht einmal so schwierig. Man sei sich in der Jury relativ zügig auf die dann von ihm ausgerufenen Preisträger einig geworden.

Sicher gab es im Publikum auch die ein oder andere enttäuschte Reaktion. Aber das ist nun mal bei einem solchen Wettbewerb nie auszuschliessen. Am Ende kann nur einer oder eine gewinnen und er oder sie verweist die Mitkonkurrenten auf die Plätze. Für viele zählte die jüngere Schwester der südafrikanischen Starsopranistin Pretty Yende, Nombulelo Yende zum Kreis der engen Favoriten. Zumal sie im Semifinale eine beachtliche Leistung hingelegt hatte. Am Ende war auch sie, wie der charismatische amerikanische Tenor Jamez McCorkle, der so überzeugend bereits im Halbfinale die Arie des Macduff aus Macbeth interpretiert hatte, unter den Platzierten. Aber, und das sei ausdrücklich erwähnt: beide waren sie auch unter den Top Ten von ursprünglich 1500 Bewerbern aus 80 Ländern! Sie dürfen, wie auch ihre Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Finalleistung voll und ganz zufrieden sein. Ganz sicher werden wir von allen noch hören.

Für alle, die nicht dabei sein konnten, hält NEUE STIMMEN 2019 auf Youtube die Mitschnitte der einzelnen Sängerinnen und Sänger des Finales bereit. Unter DIESEM LINK können Sie alles noch einmal miterleben.

Detlef Obens /DAS OPERNMAGAZIN

Gestatten Sie mir aber eine persönliche Meinung zu Gesangswettbewerben im allgemeinen:

Eine Jury aus Fachleuten stellt natürlich auch immer eine im Vorfeld getroffene Auswahl von Persönlichkeiten mit ihren jeweiligen Meinungen, Kenntnissen und Überzeugungen dar. Vielleicht wäre es auch einmal überlegenswert, da ja Oper für alle da ist und in erster Linie für das Publikum, – welches erfreulicherweise auch aus vielen jungen Opernfans besteht, die vieles aus heutiger „Onlinesicht“ heraus sehen -, solche Jurys meinungsmäßig zu erweitern und zu ergänzen. Denn Künstler, die wie beim gestrigen Finale auf so hohem Niveau singen, unterliegen natürlich neben der fachkundigen Bewertung, – und das ist sicher für die spätere Karriere von nicht zu unterschätzender Bedeutung: -, immer auch dem persönlichen Geschmack des so ganz unterschiedlich zusammengesetzten Opernpublikums. Und vielleicht auch dem individuellen Geschmack des einen oder anderen Intendanten? Denn auch da hat nicht jeder ein Gesangs- oder Musikstudium absolviert um sich selbst an dieser Kunst zu erfreuen, für sie zu arbeiten und bestenfalls oft erleben zu dürfen, dass der Künstler auf der Bühne mit seinem/ihrem Gesang sogar sein Herz erreicht. Auch dann, wenn ein Ton mal nicht so saß wie er sollte. Denn auch das macht eine Sängerpersönlichkeit aus.  

Und doch sind Wettbewerbe dieser Art auch wichtig für die jungen Opernsänger. Sie zeigen ihnen zum einen wo sie stehen, wo sie hinwollen und was sie vielleicht noch verbessern oder ändern können. Sie sind offenbar auch wichtig für spätere Engagements und berufliches Weiterkommen und sicher sind sie im Idealfall auch dazu angetan das persönliche Selbstbewusstsein zu stärken. Bei dem Wettbewerb NEUE STIMMEN kommt natürlich noch hinzu, dass hier auch gezielt Karrieren gefördert werden sollen, wie das Wettbewerbs-Motto „Creating careers“ zum Ausdruck bringt. In diesem Falle sind die Mitglieder der Gütersloher Jury sicher nicht ganz unwichtig.

Liz Mohn ist wirklich zu danken für ihr jahrelanges Engagement um den Opernnachwuchs dieser Welt. Ihre eigene Freude über das selbst gerade auf der Bühne Erlebte und Gehörte war ihr auch am gestrigen Abend in der Gütersloher Stadthalle wieder deutlich anzumerken. Und damit  ist sie eine von sehr vielen Menschen rund um unseren Globus, die diese Kunstform ebenso so lieben wie sie. Und das macht sie so authentisch. Ihre Meinung zählt, da sie die Musik und die Oper auch mit dem Herzen hört. Sie ist im besten Sinne ein echter Opernfan! Wie wir alle! Das sie ihre gesellschaftliche Stellung dazu nutzt um auf vielerlei Weise kulturfördernd mit- und einzuwirken sollte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. Als Beispiel dafür sei ihre Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung genannt.

Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der NEUEN STIMME 2019 alles Gute auf ihrem weiteren künstlerischen Weg und dass sich viele Türen für sie öffnen. Auch dann, wenn gerade mal eine zu klemmen scheint. Es geht immer weiter. Im Leben und in der Oper.

 

  • Detlef Obens / DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto: Liz Mohn (Mitte) mit den Gewinnern der NEUEN STIMMEN 2019, Long Long (l.) und Anna
    El-Khashem/Foto: Besim Mazhiqi

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