Zürich: Konzert mit Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla

Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla/Foto @ M. Stücklin-DAS OPERNMAGAZIN

Barockkonzert

Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla, Leitung Riccardo Minasi

Opernhaus Zürich, 9. Juli 2020

Was für eine Freude, im Opernhaus Zürich im Rahmen des Festivals «Finale» der sympathischen Sopranistin Julie Fuchs, welche sich an diesem Haus grosser Beliebtheit erfreut, wieder zu begegnen. 

 

Welches Opernhaus kann sich rühmen, eine eigene Barockformation von Weltruf zu pflegen? Das Orchestra La Scintilla ist eine herausragende Institution in der Welt der klassischen Musik und wenn diese Musiker noch durch einen so erfahrenen Dirigenten und Geiger wie Riccardo Minasi geleitet werden, dann ist Gewähr geboten, dass ein besonderer Konzertgenuss bevorsteht.

Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla/Foto @ M. Stücklin-DAS OPERNMAGAZIN

Den Auftakt machte das Orchester mit Händels «Concerto grosso» HWV 325, mit welchem das Publikum sofort in die richtige Stimmung für die herrliche Musik des Barocks versetzt wurde.

Gleich beim ersten Auftritt mit der Händel-Arie «Da Tempeste» aus «Giulio Cesare in Egitto» konnte man die hervorragende Verfassung der Stimme von Julie Fuchs erkennen. Virtuos meisterte Sie diese sehr anspruchsvolle Arie.

Mit dem «Concerto für Violoncello a-Moll” RV421 von Antonio Vivaldi erhielt man den Genuss, Claus Herrmann, den langjährigen Solocellisten des Orchesters, zu hören. Meisterhaft brachte er sein Instrument zum Klingen.

Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla/Foto @ M. Stücklin-DAS OPERNMAGAZIN

Mit zwei weiteren Arien von Georg Friedrich Händel, «Verso già l’alma col sangue» aus «Aci, Galatea e Polifemo» HWV 72 und «Non potrà» aus «Orlando» HWV 31, erlebte man Julie Fuchs mit voller Stimme und herrlichen Piani.

Nach der Pause erklang als erstes die Arie «Sposa, son disprezzata» aus der Oper «Bajazet», welche Antonio Vivaldi der Oper «Merope» von Geminiano Giacomelli entnommen hatte. Julie Fuchs konnte hier alle Facetten der Verzweiflung grossartig vermitteln.

Ebenfalls von Antonio Vivaldi erlebte man zwischen den weiteren Arien zwei Konzerte für Streicher RV 152 und RV 123. Da zeigte sich die herausragende Qualität des Orchestra La Scintilla, welches durch Maestro Riccardo Minasi temperamentvoll geführt wurde.

«Piangerò la sorte mia» von Händel, ein berühmtes Lamento aus «Giulio Cesare in Egitto», vereinte die traurige Klage und hasserfüllte Rache, welche Julie Fuchs mit den vielen Facetten Ihrer Stimme darbot.

Den Abschluss des offiziellen Programms machte die Bravourarie «Tornami a vagheggiar» aus der Oper «Alcina». Zusammen mit Maestro Minasi bot Julie Fuchs eine humorvolle Darbietung. Das Publikum amüsierte sich köstlich und belohnte die Künstler mit viel Applaus.

Als erste Zugabe erklang dann aus der Oper «Platée» von Rameau das Kabinettstück «Aux langueurs d’Apollon». Damit konnte Julie Fuchs auch Ihre schauspielerische Qualität beweisen und mit flexibler Stimme und feinsten Nuancen und mit viel Schalk das Publikum begeistern.

Julie Fuchs & Orchestra La Scintilla/Foto @ M. Stücklin-DAS OPERNMAGAZIN

Eine ganz andere Stimmung entstand bei der zweiten Zugabe. Bei gedämpftem Licht und begleitet von den Stimmen aller Orchestermusiker sang Julie Fuchs a Capella ein berührendes Wiegenlied von Jóhann Sigurjónsson. Ein sehr ergreifender Moment. Mit einer weiteren Arie von Georg Friedrich Händel endete dieses begeisternde Konzert.

Wenn man die Freude des Publikums und die Dankbarkeit der Künstler, nach monatelang geschlossenen Sälen wieder auf der Bühne stehen zu können erleben durfte, dann wird jedem kulturverbundenen Menschen bewusst, wie gerade die klassische Musik in der Lage ist, Emotionen zu wecken und Energien freizusetzen. Deshalb wird diese Kunstsparte gewiss auch widrige Umstände wie die derzeitigen überleben. Mögen auch die Verantwortlichen dies erkennen und die vielen Talente unterstützen.

 

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