
Nach seiner allerletzten Zugabe mit „On the Street where You Live“ aus „My Fair Lady“ endete die umjubelte Operngala mit dem amerikanischen Tenor Jonathan Tetelman im Konzerthaus Dortmund. Hier zeigte der smarte Weltstar noch einmal besonders eindrückliche Publikumsnähe, in dem er die Bühne verlies und die Blumen aus seinem Strauss an die anwesenden Damen in der ersten Reihe verteilte. Für so manche Dame sicher ein unvergesslicher Augenblick. Aber zuvor begeisterte er das ausverkaufte Haus mit seiner kraftvollen und höhensicheren Stimme in ausgesuchten Arien und Duetten aus Opern von Verdi und Puccini. Ihm zur Seite für die Duette der türkische Bariton Önay Köse, der auch im Verlauf der Operngala einen Einzelauftritt mit der großartig vorgetragenen Arie des Vater Germont aus „La Traviata“ „Di Provenza il mar, il suol“ hatte. Constantin Orbelian leitete die glänzend aufspielende Nordwestdeutsche Philharmonie sehr engagiert durch den Abend. (Rezension der Operngala vom 10. Mai 2026)
Die Operngala mit Jonathan Tetelman begann zunächst mit der populären Nabucco-Ouvertüre und stimmte das Publikum auf den ersten Teil des Abends ein, der Giuseppe Verdi gewidmet war. Direkt im Anschluss hatte Tetelman dann sein erstes beeindruckendes Solo mit der Arie des Jacopo Foscari „Dal più remoto esilio“ aus der Oper I due Foscari. Hier konnte Tetelman schon zu Beginn zeigen, dass er zu Recht zu den besten Tenören der Welt gezählt wird. Erster großer Jubel für ihn!
Anschließend dann Önay Köse mit der bereits erwähnten Arie des Vater Germont aus La taviata. Bravorufe auch für diese sehr emotional vorgetragene Arie. Direkt nach ihm dann eine der berühmtesten Tenorarien überhaupt: „La donna e mobile“ aus Verdis Rigoletto. Klar, dass Tetelmann auch hiermit das Publikum begeisterte. In Folge dann wieder ein Orchesterstück. Die sehr gefühlvolle Ouvertüre zur Oper Luisa Miller.
Der Verdi-Teil endete dann mit dem großen Duett des Rodrigo und Don Carlo „E lui desso! L’infante“ aus Don Carlo in dem Jonathan Tetelman und Önay Köse ihre Stimmen in absoluter Höchstform verschmelzen ließen. Das Publikum war begeistert!
Nach der Pause standen Arien und Szenen von Giacomo Puccini auf dem Programm.
Mit dem tragisch-schönen Duett des Marcello und Rodolfo aus der Oper La Boheme „In un coupé? – Oh Mimì, tu più non torni“ begann der zweite Teil des Abends. Tetelman und Köse interpretierten dieses Duett sehr emotional und ergänzten sich beide großartig. Anschließend spielte die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Leitung von Constantine Orbelian das wunderschöne „Intermezzo sinfonico“ aus Puccinis Meisterwerk Madama Butterfly. Ebenfalls dann aus dieser Oper die Arie des Pinkerton „Addio, fiorito asil“, die Tetelman sehr gefühlvoll interpretierte.

Nach dem Intermezzo aus der Oper Manon Lescaut dann der nächste Höhepunkt. Tetelmann sang die Arie des Cavaradossi aus Tosca „Recondita armonia“ und erntete wahre Jubelstürme dafür. Ebenfalls aus Tosca folgte dann das Duett des Cavaradossi und des Carceriere „Mario Cavaradossi! A voi…“ dass beide Solisten wieder gemeinsam auf der Bühne zeigte. Das offizielle Programm endete dann mit der großen Arie „E lucevan le stelle“ des Cavaradossi (Tosca). Tetelmann legte all seine sängerische Klasse und seine Emotionen in diese berühmte Arie und riss damit das Publikum förmlich von den Stühlen. Das war absolute Weltklasse und beendete das offizielle Programm des Abends.
Natürlich ließ ihn das Dortmunder Publikum nicht ohne Zugaben gehen. Und Tetelman gab sie gern. Natürlich schmetterte er das berühmte „Vincero“ aus der Arie „Nessun dorma“ aus Turandot in den imaginären Abendhimmel des Konzerthauses und brachte das Publikum zum jubeln und mit dem hinreißenden Duett der beiden Freunde aus der Oper Die Perlenfischer (Les Pêcheurs de perles) von Georges Bizet zeigte er sich dann auch noch einmal mit seinem Bühnenpartner Köse dem restlos begeisterten Publikum, bevor es mit dem Song aus My Fair Lady dann wirklich zu Ende ging.
Ein großartiger Opernabend mit einem phantastisch aufgelegten Startenor ohne Allüren. Als Rezensent dieses Abends gebe ich gern zu, dass mich dieser Tenor mit seiner enormen Qualität, seinen exakten Spitzentönen und seinem Gesamtauftritt absolut überzeugt hat. Ein Weltstar zu Gast in Dortmund – Kommen Sie bald wieder, Jonathan!
- Rezension von Detlef Obens / DAS OPERNMAGAZIN
- Website Jonathan Tetelman
- Konzerthaus Dortmund
- Titelfoto: Operngala mit Jonathan Tetelmann/Önay Köse, Constantine Orbelian/Konzerthaus Dortmund/ Foto: Bjoern Woll