LIEDBasel: Eröffnungsabend „Alles nur geklaut“

LiedBasel/Eröffnungsabend/Silke Gäng, Annette Dasch und Wolfram Rieger/Foto: Benno Hunziker

Das alljährlich stattfindende Festival LIEDBasel hat diesmal das Motto „Alles nur geklaut“ ausgewählt. Im sehr gut gestalteten Programmheft wird dies wie folgt beschrieben: „Damit ist eine Auseinandersetzung mit künstlerischer Aneignung gemeint. Wo beginnt Inspiration, wo wird sie sichtbar? Wann wird aus Übernahme eine eigene Stimme? In einem vielseitigen Programm werden diese Fragen gestellt. Das Motto beschreibt für das Festival nicht einen Zustand, sondern eine Arbeitsweise. Es richtet den Blick darauf, wie wir mit dem umgehen, was schon da ist – und was daraus entsteht, wenn wir es weiterdenken.“ Der Eröffnungsabend bietet die schöne Gelegenheit, die Mitwirkenden des diesjährigen Festivals kennenzulernen. (27.Mai 2026 Musik und Kulturzentrum Don Bosco)

 

Mit der international bekannten Sopranistin Annette Dasch und dem weltweit gefragten Klavierpartner Wolfram Rieger ist es einmal mehr gelungen, zwei großartige Persönlichkeiten für das Festival zu gewinnen.

Das Duo in Residence, welches mit den vier Liedduos die ganze Woche in Meisterkursen zusammen arbeitet und dann im großen Schlusskonzert das gemeinsam erarbeitete Programm präsentiert, wird noch mit einem extra gestalteten Liederabend auftreten.

Der Abend begann mit einer ganz speziellen Version von Franz Schuberts „Im Frühling“. Im abgedunkelten Raum begann Annette Dasch das Lied, gefolgt von Silke Gäng und den Sänger/innen der LIEDAkademie, bis am Ende alle Interpreten zusammen dieses herrliche Lied, bestens passend zum sonnigen Frühlingsabend, sangen. Auch das Publikum kam zum Zug, indem es aufgefordert wurde, „Veronika der Lenz ist da“ gemeinsam zu singen, was eine lockere Stimmung im Saal erzeugte.

Silke Gäng moderierte ein interessantes Gespräch mit Annette Dasch und Wolfram Rieger. Mit zwei ausgewählten Liedern gaben die beiden eine kleine Vorschau auf ihren Liederabend.

LiedBasel/Eröffnungsabend/Foto: Benno Hunziker

Dann wurden die vier Duos der LIEDAcademy, welche aus über 90 Bewerbern ausgewählt worden waren, vorgestellt und präsentierten jeweils ein ausgewähltes Lied.

Gregor Reinhold, Tenor und Honoka Komoda, Klavier, machten den Anfang mit Clara Schumann „Liebst du um Schönheit“ und dem auf Japanisch gesungenen Lied „Oborozukiyo“ von Teiichi Okano.

Emmi Kauppinen, Sopran und Jelena Pešić, Klavier, präsentierten ein finnisches Lied „Hymyi Hypnos“ von Leevi Madetoja.

Jakob Schad, Bariton und Parvis Hejazi liessen Hugo Wolfs „Abschied“ aus den Mörike Liedern erklingen.

Maryam Jalalikandy, Sopran und Kie Kojima boten mit dem Iranischen Volkslied „Shabam Tarik“ eine erlesende Kostprobe ihres Könnens.

Man konnte schon nach dieser kurzen Präsentation erkennen, was für Talente sich hier eingefunden haben.

Gerade die Vielfalt der Herkunft der Mitwirkenden macht das besondere Flair dieses Festivals aus. Mit einer Scharade, in welcher die Mitwirkenden Lieder von Schubert und Schumann pantomimisch darstellen durften, ging das Programm seinem Ende entgegen.

Noch einmal wurde das Publikum aufgefordert, mitzusingen und dazu hatte man „Die Moritat von Mackie Messer“ ausgewählt. So entstand ein weiterer Moment der Gemeinsamkeit.

LiedBasel/Eröffnungsabend/Gerda Iguchi/Foto: Benno Hunziker

Mit einer Performance der preisgekrönten Mezzosopranistin Gerda Iguschi, welche mit der eigenen Version des Songs „Alles nur geklaut“ von der Gruppe Die Prinzen mit großem Soundeffekt und Lichtprojektion, diesen vielfältigen Abend beschloss.

Man kann allen Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen nur gratulieren, mit was für einer Energie und unglaublichem Einsatz es ihnen immer wieder gelingt, dieses Festival zu gestalten und auf einem derart hohen Niveau zu präsentieren.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGZIN-CH
  • LiedBasel
  • Titelfoto: LiedBasel/Eröffnungsabend/Foto: Benno Hunziker
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