Opernhaus Zürich: „La Damnation de Faust“ (konzertant)

Opernhaus Zürich/ La Damnation de Faust/ Elīna Garanča/ Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Mit der konzertanten Aufführung von Hector Berlioz „La Damnation de Faust“ ist dem Opernhaus Zürich wieder ein großer Erfolg gelungen. Anfänglich kam diese faszinierende Komposition beim Publikum nicht gut an. Die Uraufführung in konzertanter Form am 6. Dezember 1846 und die zweite Aufführung am 12. Dezember 1846 in Paris waren beide desaströs und das Werk verschwand in der Versenkung. Hector Berlioz litt sehr unter diesem Misserfolg, welcher ihm zudem hohe Schulden hinterließ. Danach wurde das Werk zu Lebzeiten des Komponisten nie mehr in Paris aufgeführt. (Rezension der Premiere v. 10. Mai 2026)

 

Erst 1893, 24 Jahre nach seinem Tod, erlebte diese Komposition eine erste szenische Aufführung in der Salle Garnier, Monte Carlo. Heutzutage wird meistens diese konzertante Version aufgeführt, welche diese überaus reiche Musik besonders intensiv vermittelt.

Im Opernhaus Zürich erlebte man ein Zusammenspiel von Orchester, Chor und Solisten auf höchstem Niveau.

Opernhaus Zürich/La Damnation de Faust/ Yves Abel/ Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Yves Abel dirigierte mit großem Einfühlungsvermögen und ließ genügend Platz für die freie Entfaltung aller Emotionen dieser Partitur. Durch die Interpretation des Werks mit dem Orchester der Oper Zürich wurde man von Anfang bis Ende in den Sog dieser Musik hineingezogen. Eine hervorragende Leistung.

Die vier Solisten dieser Aufführung überzeugten in jedem Moment.

Saimir Pirgu als Faust ließ seinen strahlenden Tenor gleich zu Beginn aufleuchten und zeigte sich als beeindruckende Besetzung für diese Partie. Mit kleinen Gesten vermochte er das Hin- und hergerissensein gut auszudrücken. Die Szenen mit Méphistophélès waren von besonderer Spannung.

Opernhaus Zürich/La Damnation de Faust/Saimir Pirgu und Stanislav Vorobyov/Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Das Rollendebut von Bass Stanislav Vorobyov, als Méphistophélès war ein weiteres Highlight. Es gelang ihm, das hinterlistig Dämonische und die Falschheit mit Raffinesse für das Publikum erlebbar zu machen. Seine großartige Stimme ließ keinen Wunsch offen und überzeugte mit bester Stimmführung.

Elīna Garanča als Marguerite gewann das Publikum gleich bei ihrem ersten Auftritt mit Ihr Ausstrahlung und besonderen Stimme für sich. Sowohl als wunderschöne Erscheinung im zweiten Teil und dann mit ihren großen Szenen, der Ballade „Der König von Thule“ und der Romanze im vierten Teil, sowie gemeinsam mit Faust, ein Hörgenuss erster Güte.

Opernhaus Zürich/La Damnation de Faust/Amin Ahangaran/Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf

Amin Ahangaran, welcher als Brander ebenfalls sein Rollendebüt gab, vervollständigte dieses erlesene Solistenquartett aufs beste. Die szenische Einrichtung von Natascha Ursuliak erlaubte den Solisten, die jeweiligen Stimmung mit kleinen Gesten und anderen Finessen zu unterstreichen.

Der Chor der Oper Zürich und SoprAlti der Oper Zürich, beide einstudiert durch Klaas-Jan de Groot, zeigten eine beeindruckende Leistung. Sei es im Wirtshaus, als Bauern oder Kirchgänger, oder beim Ritt von Faust und Méphistophélès zur Hölle, stets entstand das für die Szene passende Stimmungsbild. Der Schlusschor der himmlischen Geister und Seraphinen mit zusätzlich vom zweiten Rang erklingenden Stimmen war tief berührend.

Dies manifestierte sich am Ende der Aufführung beim großen Applaus für alle Mitwirkenden.

Einmal mehr erlebte man im Opernhaus Zürich eine konzertante Aufführung, die begeisterte und zeigte, in welcher Liga dieses herrliche Opernhaus mitspielt.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Opernhaus Zürich
  • Titelfoto: Opernhaus Zürich/La Damnation de Faust/Saimir Pirgu und Stanislav Vorobyov/Foto: T+T Fotografie / Toni Suter + Tanja Dorendorf
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