Wiederaufnahme von „I Capuleti e i Montecchi“ am Opernhaus Zürich – „Grausames Schicksal“

Rosa Feola u. Jana Kurucová / Opernhaus Zürich/I Capuleti e i Montecchi/Foto @ Opernhaus Zürich

Vor sechs Jahren hatte die Inszenierung von CHRISTOF LOY ihre Premiere gefeiert. Nun wurde die Oper von Vincenzo Bellini mit gänzlich neuer Besetzung wieder aufgenommen. (Rezension der Wiederaufnahme am 19. September 2021

 

In seiner Interpretation der Geschichte führen uns der Regisseur Christof Loy und der Bühnen- und Kostümbildner Christian Schmidt in das etwas heruntergekommene Haus der Capuleti. In der Enge des Hauses begegnen wir der dort eingeschlossenen Giulietta, welche ganz im Banne Ihres Vaters steht, der an ihr mehr Interesse zeigt, als erlaubt ist. Trotz ihrer Liebe zu Romeo kann sie den Mauern des Hauses nicht entfliehen. Die Szene wirkt düster und beklemmend. Die verschiedenen auf der Drehbühne aufgebauten Räume vermitteln die herrschende trostlose Atmosphäre und man spürt förmlich, wie bedrückend dort Giuliettas Leben gewesen sein musste. In dieser Inszenierung wird bewusst auf jegliche Romantik verzichtet, dafür aber das Augenmerk auf die tragische Auseinandersetzungen der Familien gerichtet, welche bereits viele Opfer gefordert hat.

Opernhaus Zürich/I Capuleti e i Montecchi/Foto @ Monika Ritterhaus

Lorenzo, der Arzt und Vertraute der Familie, muss der Entwicklung machtlos zusehen. Um die Absichten der Familie zu durchkreuzen, verabreicht er fatalerweise Giulietta einen Trank, der sie in einen todesähnlichen Zustand versetzten und die Familie glauben lassen sollte, sie sei tot. Weder Tebaldo, welcher Giulietta heiraten will, noch Romeo wissen etwas davon. In seiner Verliebtheit will Romeo seiner Giulietta in den vermeintlichen Tod folgen. Während der ganzen Handlung der Tragödie ist ein mysteriöser stummer Todesbote allgegenwärtig.

Interessant an dieser Aufführung war die Besetzung, denn von den fünf Sänger/innen gaben vier ihr Rollendebut und zwei gleichzeitig das Hausdebut.

Die in Zürich bereits bestens bekannte Rosa Feola als Giulietta präsentierte ein beeindruckendes Rollenportrait und konnte einmal mehr beweisen, über was für eine wunderschöne, facettenreiche Stimme sie verfügt. Ein hervorragendes Debut, welches einen berührte.

Jana Kurucová / Foto @ Opernhaus Zürich

Als Romeo konnte man zum ersten Mal in Zürich die slowakische Mezzosopranistin Jana Kurucová erleben. Mit großer Stimme erbrachte sie eine überzeugende Leistung. Schon in der Auftrittsszene konnte man erkennen, dass man hier eine außergewöhnlich flexible und bestens disponierte Sängerin erlebt. Großartig!

Die Harmonie der beiden Stimmen in den Duetten und Szenen, sowie die ans Herz gehende Schlussszene, waren an Wohlklang nicht zu überbieten.

Omer Kobiljak als Tebaldo ist seit 2019/20 Mitglied des Ensembles. Auch sein Rollendebut hat überzeugt und ließ seine große Stimme erstrahlen. Hier wächst ein wirkliches Talent heran. Maxim Kuzmin-Karavaev als Capellio und Brent Michael Smith als Lorenzo rundeten dieses Quintett aufs Beste ab. In der stummen Rolle als Todesbote sah man den Tänzer und Choreografen Dominik Wiecek. Eine in jeder Hinsicht stimmige Ensembleleistung.

Die Philharmonia Zürich wurde von Fabio Biondi geleitet. Mit feinfühliger, sicherer Hand führte er das Orchester durch die Dramatik und Gefühlswelt dieser bezaubernden Musik. Der von Janko Kastelic einstudierte Chor der Oper Zürich nimmt in diesem Werk eine zentrale Rolle ein. Auch hier kann man eine tolle Leistung hervorheben.

Wohlverdienter Applaus und Bravorufe beendeten diese gelungene, berührende Aufführung.

 

 

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