Eröffnungskonzert Tonhalle Zürich – „Wenn eine Sternstunde neunzig Minuten dauert“

Tonhalle Zürich/Eröffnungskonzert am 15.9.21/ Foto Foto: Gaëtan Bally

Eröffnungskonzert der Tonhalle Zürich

Tonhalle Orchester Zürich

Paavo Järvi, Dirigent

Wiebke Lemkuhl, Alt/ Damen der Zürcher Sing Akademie/ Zürcher Sängerknaben 

15. September 2021

 

 

 

 

 

 

Als vor 5 Jahren das Zürcher Stimmvolk der großen Sanierung der Tonhalle zugestimmt hatte, war der Weg frei, um das enorme Projekt in Angriff zu nehmen und in die Tat umsetzen. Zwischenzeitlich waren unzählige Menschen – Planer, Architekten, Ingenieure, Techniker, Kunsthandwerker und Bauarbeiter – damit beschäftigt, kreative Ideen umzusetzen und das Haus in den jetzigen prunkvollen Musiktempel zu verwandeln. Am vergangenen Mittwoch fand das Eröffnungskonzert statt und damit war der Tag gekommen, als die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch die Fertigstellung des Projekts offiziell mit einer kurzen Rede würdigte und ihre Begeisterung über das gelungene Werk zum Ausdruck brachte.

Tonhalle Zürich/Eröffnungskonzert am 15.9.21/ Foto Foto: Gaëtan Bally

Schon vor Konzertbeginn wandelte das Festpublikum durch die Räumlichkeiten und bewunderte das großzügige Foyer mit Sicht auf den See und die feinen Detailarbeiten, welche dem Saal atemberaubenden Glanz und Vornehmheit verleihen und man war gespannt darauf, was die Akustik bieten würde. Paavo Järvi hat für das Eröffnungskonzert mit seinem Tonhalle Orchester Zürich die „Sinfonie Nr. 3 d-Moll“ von Gustav Mahler ausgewählt. Dieses in den Jahren 1895/96 komponierte Werk wurde 1902 in Krefeld uraufgeführt. In der Tonhalle Zürich genießt es eine besondere Tradition, denn im Jahre 1904 war dies die erste Sinfonie welche in der Tonhalle von Gustav Mahler aufgeführt wurde.

Allein schon durch die riesige Orchesterbesetzung, 6 Sätzen, zwei Chören, einer Sängerin und einer Spieldauer von 90 Minuten beeindruckt diese Sinfonie und erfreut sich großer Beliebtheit. In Zürich war sie seit 2006 nicht mehr zu erleben.

Nun war man natürlich gespannt, wie sich ein solch monumentales Werk im renovierten Saal anhört. Bereits nach dem ersten Satz „Kräftig Entschieden“, mit der gewaltigen Klangfülle des großen Orchesters und einer Länge von mehr als 30 Minuten war klar, dass man sich hier in einem der besten Konzertsälen der Welt befindet. Insbesondere der gewaltige Schluss des ersten Satzes ist eine Herausforderung an die Akustik und diesen „Test“ hat der Saal aufs beste bestanden.

Tonhalle Zürich/Eröffnungskonzert am 15.9.21/ Foto Foto: Gaëtan Bally

Der zweite Satz „Tempo di Menuetto, sehr mäßig“ ist der Beginn der zweiten Abteilung dieser Sinfonie und besticht durch seine zarte Stimmung und seine tänzerischen Momente, welche immer wieder durch kurze Verfremdungen und Nebentöne begleitet werden. Der Schluss dieses Satzes löst sich langsam in Triolen auf. Im dritten Satz „Comodo, Scherzando“, in welchem das Wunderhorn-Lied „Ablösung im Sommer“ verwendet wird, ertönt eine teilweise groteske Sicht auf die Natur. Neben einer Polkamelodie sticht hier besonders das wunderbare Hornsolo heraus, welches an diesem Abend großartig gespielt wurde. Der vierte Satz „Sehr langsam. Misterioso“ lässt dann das Lied „O Mensch! Gib acht“ aus „Also sprach Zarathustra“ erklingen und bot der Altistin Wiebke Lehmkuhl Gelegenheit, ihre wunderschöne warme Stimme zu präsentieren. Eine ganz andere Stimmung kam im fünften Satz „Lustig im Tempo und keck im Ausdruck“ auf, wo die Stimmen der Damen der Zürcher Sing-Akademie und die der Zürcher Sängerknaben zusammen im Lied „Es sungen drei Engel“ auf herrlichste Weise verbunden waren und mit der Solistin perfekt harmonierten.

Im abschließenden „Adagio“ kommt man nochmals in den Genuss einer romantisch-melodiösen Stimmung, welche sich innerhalb von zwanzig Minuten zu einem grandiosen Finale steigert und mit einer Serie von mächtigen Paukenschlägen endet. Damit dieses monumentale Werk seine volle Entfaltung erleben kann, bedarf es eines hochkarätigen Orchesters und eines Dirigenten, welche ideal harmonieren. Dass das Tonhalle Orchester Zürich mit dem Musikdirektor Paavo Järvi einen Glücksgriff gemacht hat, ist nicht erst seit diesem Konzert bekannt. Was wir hier erleben durften, war ein Zusammenwirken von höchster Qualität und Virtuosität. Man wurde durch die Leistung des Orchesters in den Bann dieser großartigen Musik gezogen. Jede Instrumentengruppe bot höchstes Niveau und machte diesen Abend nicht nur zu einem Konzerterlebnis, sondern zu einem Ereignis. Die Standing Ovations und Bravorufe des Publikums waren mehr als verdient und brachten die Freude der begeisterten Besucher, an diesem außergewöhnlichen Abend mit dabei gewesen zu sein, zum Ausdruck.

Paavo Järvi / Foto @ Gaëtan Bally

Das Konzert wird am 25. September um 20.15h auf 3sat, sowie am 26. September um 20.30h auf Mezzo Live HD und am 30. September um 20.00h auf SRF2 Kultur „Im Konzertsaal“ nochmals zu erleben sein. Alle weiteren Informationen unter www.tonhalle-orchester.ch. Aus Anlass der Eröffnung der Tonhalle Zürich ist auch ein sehr schöner Bildband mit vielen Informationen erschienen. Das Buch kann in der Tonhalle direkt, oder im Buchhandel ( ISBN 978-3-7618-2608-9 ) erworben werden.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Titelfoto: Tonhalle Zürich/Eröffnungskonzert am 15.9.21/ Foto Foto: Gaëtan Bally

 

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