LiedBasel: Liederabend Annette Dasch/Wolfram Rieger – „It‘s raining women“

LiedBasel 2026/Liederabend Annette Dasch/Foto: Benno Hunziker

Im Rahmen des Festivals LIEDBasel ist es Tradition, einen Liederabend des Duos in Residence, speziell für das Festival gestaltet, aufzuführen. Mit Annette Dasch und Wolfram Rieger erlebte man zwei bestens harmonierende Persönlichkeiten mit einer interessanten Auswahl von Liedern.  (Liederabend v. 28. Mai 2026 im Irene Zurkinden-Saal, Basel)

 

Der Liederzyklus von Robert Schumann aus dem Jahre 1840 mit den Gedichten von Adalbert von Chamisso beschreibt den Weg einer Frau von der ersten Liebe bis zum Tod des Ehemanns. Man muss diese Texte unter dem Eindruck der Moral des 19. Jahrhunderts verstehen, einer Zeit, als die treu ergebene Ehefrau als Selbstverständlichkeit galt.

Annette Dasch interpretierte in 8 Liedern die Emotionen einer von Freude und Liebe überwältigten Frau bis hin zur trauernden Witwe. Sie vermittelte die wechselvollen Stimmungen mit grosser Präsenz, klarer Stimme und bester Textverständlichkeit. Die vier Lieder des österreichischen Komponisten und Pianisten Viktor Ullmann aus dem Jahre 1941 zu Texten von Louize Labé aus „Six Sonnets de Louize Labé“, fordern von der Sängerin eine intensive Interpretation, was Annette Dasch sehr überzeugend gelungen war.

LiedBasel 2026/Liederabend Annette Dasch/Wolfram Rieger//Foto: Benno Hunziker

Mit dem brachialen Song „Unbeschreiblich weiblich“ von Manfred Praeker, welcher 1978 durch die Sängerin Nina Hagen bekannt geworden ist, wurde man in eine ganz andere Stimmung versetzt. Auch heute noch provoziert dieser Text. „Il pleut“ von Kaija Saariaho aus dem Jahre 1986, mit einem Text von Guillaume Apollinaire ist ein kurzes und ungewöhnliches Stück. Ein komplexer Fluss von Tönen, welcher dem Zuhörer um die Ohren zu fallen scheint.

Es folgten weitere Lieder in französischer Sprache, „L‘heure exquise“ von Régine Poldowski mit dem Text von Verlaine und „Si tout ceci n‘est qu‘un pauvre rêve“ von Lili Boulanger, Text Francis Jammes. Selten hört man ein Lied von der großen Sängerin, Komponistin und Pianistin Pauline Viardot-García. „In der Frühe“ aus dem Jahr 1870, Text von Eduard Mörike ist ein Kleinod, gefolgt von einer Komposition Ihrer Tochter Louise Héritte-Viardot aus dem Jahr 1900 „Saphiren sind die Augen dein“ ebenfalls eine Entdeckung.

Den Abschluss bildeten die 1907 komponierten „7 Lieder op 23“ von Dora Pejačević. Die Lieder basieren auf Gedichten der österreichischen Dichterin Wilhelmine Gräfin Wickenburg-Almasy. Ein reizender Reigen, schalkhaft von Annette Dasch interpretiert.

Dieser Liederabend bot ein mit vielen Überraschungen gespicktes, sehr kurzweiliges Programm, ergänzt durch gesprochene Beitrage verschiedener Dichterinnen.

LiedBasel 2026/Liederabend Annette Dasch/Wolfram Rieger/Foto: Benno Hunziker

Wenn man, wie in diesem Konzert, in den Genuss kommt, einen Klavierpartner vom Format Wolfram Rieger zu hören und einmal mehr die Einfühlsamkeit, die in jedem Moment präsente Konzentration und das perfekte Zusammenspiel mit der Sängerin erleben darf, so bleiben keine Wünsche offen.

Annette Dasch hat den anwesenden Stipendiaten auf eindrückliche Weise vorgeführt, wie vielseitig ein so anspruchsvolles Programm sein kann.  Das Publikum folgte sehr aufmerksam diesem spannenden Programm und bedankte sich mit viel Applaus, welcher mit der Zugabe „Ihr Bildnis“ von Clara Schumann, verdankt wurde.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • LiedBasel
  • Titelfoto: LiedBasel 2026/Liederabend Annette Dasch/Foto: Benno Hunziker
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