
Das Parkett der Oper Bonn war am 2. Juni 2026 voll mit Kindern aus Grundschulen und weiterführenden Schulen, 3. bis 7. Schuljahr, die vermutlich fast alle zum ersten Mal in ihrem Leben in der Oper waren. Die Vormittagsvorstellungen um 11:00 Uhr sind eingerichtet worden, damit ganze Schulklassen mit ihren Lehrer:innen die Oper zusammen besuchen und das Gesehene im Unterricht besprechen können. Anhand der Weltraum-Reise einer Dreiergruppe aus König, Minister und Prinzessin zu einem Planeten, auf dem sie wider Erwarten atmen können und völlig ähnliche außerirdische Lebewesen, die Ninurianer, antreffen, die zwar etwas anders aussehen und magische Kräfte haben, mit denen sie sich jedoch auseinandersetzen müssen, um zu überleben, spricht das Libretto in kindgerechter Form Probleme der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen an. Der lebhafte Beifall der Schulkinder zeigte, dass es ihnen gefallen hat. (Besuchte Vorstellung: Schulvorstellung am 2. Juni 2026)
Man erlebte ein Spiel mit Pappkartons und mit Figuren, die im Stil von Playmobil-Männchen gestylt sind: Am Anfang nehmen sich die Darstellenden ihre Kostüme und Requisiten aus den herumstehenden Kartons, und das Spiel beginnt. Der Chor der Bürger von Abholzhausen beklagt lebhaft die Unzufriedenheit mit den Zuständen, vor allem damit, dass ihre Löhne nicht gezahlt sind, weil der Staat pleite ist. König Krax und sein Minister Megapfiffikus wollen nur noch weg, aber Prinzessin Lunatick hat das Passwort der Raketenbasis geknackt und fliegt mit. In schlichter Animation mit einer Rakete aus Pappkartons, die erstaunlich gut funktioniert, legen sie die Reise zu Planet 9 zurück, wo sie auf Königin Ikuma und König Quyobo und deren Sohn, Prinz Quyokuma treffen. Der Papagei Oropax als Sprachgenie spricht alle Sprachen, und so können sie die Bewohner des Planeten davon abhalten, sie in Wasser zu sieden oder auf andere Art zu vernichten. Natürlich verlieben sich Prinzessin Lunatick und Prinz Quyokuma – man unterstellt der Prinzessin, sie habe die gefährliche Krankheit Amoritis mitgebracht und steckt sie in Quarantäne, um eine Pandemie zu verhindern. Der Minister Megapfiffikus erweist sich als machtgieriger Bösewicht, den man jedoch dingfest machen und einsperren kann, und dank der Tatsache, dass gerade Kindertag auf Planet 9 ist, kann Prinz Quyokuma mit Prinzessin Lunatick alles zu einem Happy End führen.
„Die Reise zum Mond“ war eine Oper von Jacques Offenbach, die am 26.10.1875 im Théâtre de la Gaîté in Paris uraufgeführt wurde. Sie inspirierte den Librettisten Paolo Madron und den Komponisten Pierangelo Valtinoni zur Jugendoper „Die Reise zu Planet 9“, die von Paula Fünfeck ins Deutsche übertragen wurde und in Dortmund am 20. März 2024 uraufgeführt. Es war ein Auftragswerk der Oper Dortmund im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ mit der Deutschen Oper am Rhein und mit der Oper Bonn, die vom Land NRW gefördert wird.

Die Musik von Pierangelo Valtinoni ist für Musik der Zeit ungewöhnlich zugänglich. Er verbindet moderne Kompositionstechnik wie Klangcluster mit klaren Melodien, farbiger Orchestrierung und einer leicht verständlichen musikalischen Sprache. Mitunter hat man den Eindruck, es handle sich um ein Musical oder um Filmmusik, vor allem, wenn der Start in den Weltraum musikalisch beschrieben wird. Die Handlung wird eingeleitet durch sehr anrührend von Kindern gesprochenen Wünsche für die Zukunft, ansonsten ist die ca. 80-minütige Oper durchkomponiert, wobei mitunter zu Klängen des Orchesters gesprochen wird. Avishay Shalom dirigiert das Beethoven Orchester, das die farbige Melodik wunderbar ausspielt. Die Regisseurin Cordula Däuper vereinfacht im Bühnenbild von Friedrich Eggert kindgerecht und arbeitet mit einfachen Mitteln wie beschrifteten Pappkartons, die Kostüme von Sophie du Vinage lassen die Darstellenden aussehen wie Playmobil-Figuren mit Papp-Accessoires und grünen Brillen für die Bewohner von Planet 9. Allen voran Christopher Jähnig als König Krax mit umgeschnallten Wohlstandsbauch, Tae Hwan Yun als Megapfiffikus und Marie Heeschen als Prinzessin Lunatick, die schwerelos im Weltraum schweben, agiert das Ensemble sehr spielfreudig. Natürlich ist Prinz Quyobo ein Tenor, Santiago Sánchez, Sono Yu als Papagei Oropax arbeitet mit einer Handpuppe, und Kristin E. Mantyla als Ikuma und Mark Morouse als Quyobo sind typgerecht besetzt. Der Chor der Oper Bonn unter der Leitung von André Kellinghaus agiert sowohl als irdische Gewerkschaftsmitglieder als auch als Bürger des Planet 9.
Es ist ein kindgerechter Einstieg in das Format Oper, der einen ersten Eindruck vermittelt und zahlreiche Anknüpfungspunkte für die Erarbeitung wesentlicher Aspekte des Genres bietet. Ideal für Kinder der Klassen 5 bis 7, aber auch ab dem 3. Schuljahr sehenswert. Erwachsene haben ihren Spaß dabei, denn es werden Probleme wie Klimawandel, Pandemie, Inflation und Kriege auf kindgerechte Weise behandelt. Und natürlich sind Kinder die Helden! Es gibt noch Karten für die weiteren Vorstellungen, auch für ganze Schulklassen zum Preis von 8,00 € pro Kind.
- Rezension von Ursula Hartlapp-Lindemeyer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- Theater Bonn
- Titelfoto: Theater Bonn/ DIE REISE ZU PLANET 9/Christopher Jähnig, Mark Morouse, Sono Yu, Tae Hwan Yun, Santiago Sánchez, Marie Heeschen, Kristin E. Mantyla/Foto:
© Matthias Jung