
Dass in Basel nach vielen Jahren eine Zarzuela zu sehen ist, verdankt das Theater Basel der Initiative von Christof Loy, welcher sich seit Jahren mit dieser einzigartigen spanischen Tradition befasst und sich zum Ziel gesetzt hat, diesen Musikstil einem breiteren Publikum in Europa vertrauter zu machen. Schon zwei Wochen vor der Premiere konnte das Theater Basel mit der Zarzuela-Gala einen riesigen Erfolg feiern. Selten hat man das aus allen Altersklassen bestehende Publikum derart von dieser Musik förmlich elektrisiert und mitgerissen gesehen, wie bei diesem Anlass. (Rezension der Premiere v. 27. September 2025)
Christof Loy ist es gelungen, großartige Sänger/innen zu finden, mit denen er das Ensemble „Los Paladines“ gegründet hat. Mit diesen hervorragenden Solisten und dem Dirigenten José Miguel Pérez-Sierra kam nun die in Spanien äußerst beliebte Zarzuela „El barberillo de Lavapiés“ auf die Bühne. Vor Beginn der Aufführung kam Regisseur Christof Loy vor den Vorhang und erklärte, was für einen ganz speziellen Abend voller spanischem Temperament die Zuschauer erleben werden. Die Musik des „El barberillo de Lavapiés“ zählt in Spanien zu den Hauptwerke dieser Gattung, wird aber außerhalb Spaniens leider nur selten aufgeführt.

Was dann auf der Bühne zu sehen war, ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Eine fulminante Inszenierung voller Ästhetik und leuchtender Bildkraft. Vor dem Hintergrund politischer Unruhen um König Carlos III dreht sich die Handlung um den Barbier Lamparilla, welcher im Madrider Stadtteil Lavapiés wie ein Volksheld gefeiert wird und in einige tumultreiche Situation gerät. Die mitreißende Musik und lebhaften Bilder vermitteln das spanische Temperament aufs schönste und sind ein Genuss für Auge und Ohr. Die Bühne von Manuel La Casta, die Kostüme von Robby Duiveman, das Lichtdesign von Valerio Tiberi und die rassige Choreographie von Javier Pérez bilden eine Einheit von schlichter, ästhetischer Schönheit.
Die musikalische Seite der Aufführung kann man nur als sensationell bezeichnen. Die Solisten dieser Aufführung dürfen allesamt als hervorragend bezeichnet werden und konnten vom ersten Moment an das Publikum für sich einnehmen.
Bariton David Oller als Lamparilla gestaltete seine Rolle umwerfend mit spielerischer Energie und perfekt sitzender Stimme. Mezzosopran Carmen Artaza als Paloma verfügt über eine in allen Lagen glanzvolle Stimme. Cristina Toledo als Estrella, la Marquesta del Bierzo, bezaubert in Ihren Arien und den Duetten mit höhensicherster Sopranstimme.

Santiago Sánchez als Don Luis de Haro verfügt über eine warme Tenorstimme und konnte ebenfalls in jeder Hinsicht überzeugen. Alejandro Baliñas Vieites als Don Juan de Peralta überraschte mit seiner angenehmen Bassbaritonstimme und fügte sich perfekt in dieses einzigartige Ensemble ein. Tenor Joselu López in der Rolle des Don Pedro de Monforte und der Gitarrist Marcelino Echeverría bereicherten diese musikalischen Highlights aufs schönste.
Wann ist es das letzte Mal im Theater Basel vorgekommen, dass im zweiten Akt gleich zwei Duette wegen des nicht enden wollenden Applauses wiederholt wurden?

Zur umwerfenden Stimmung im Haus haben auch die acht Tänzer/innen Iván Amaya, Giuseppe Bencivenga, Laura García Aguilera, Pascu Ortí, Davide Pillera, Giulia Tornarolli, Amparo Uhlmann und Chiara Viscido beigetragen, welche das spanische Ambiente mit ihren Darbietungen noch betonten. Ergänzt wurden sie durch die Statisterie des Theaters Basel.
Das Sinfonieorchester Basel unter dem temperamentvollen Dirigenten José Miguel Pérez-Sierra hat die vielen Stimmungen dieser Zarzuela grandios aufblühen lassen. Der Chor des Theaters Basel, einstudiert von Michael Clark, begeisterte mit perfektem Klang und großer Spielfreude.
Am Ende der Aufführung wollte das Publikum den Zuschauerraum kaum mehr verlassen. Man kann dieser grandiosen Produktion noch viele begeisterte Besucher wünschen. Eine Aufführung, die man nicht verpassen sollte.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Theater Basel / Stückeseite
- Titelfoto: Theater Basel/El barberillo de Lavapiés/Foto: Ingo Höhn
Ein in jeder Beziehung sensationeller Abend