Staatsoper Hamburg/ La Belle Hélène/ Foto @ Klaus Lefebvre

Staatsoper Hamburg: „La belle Helene“ – Spaß an Bord!

Staatsoper Hamburg/ La belle Helene/ Foto © Klaus Lefebvre

Fatalitäten und griechische Tragödien an Deck einer Zeitreise in 3 Akten – Opera bouffe von Jaques Offenbach „La belle Helene“ –

 
An Bord der JUPITER STATOR, die in der  STAATSOPER HAMBURG vor Anker liegt, gehen:
 
die Schöne Helene (Kate Aldrich), ihr Gatte Menelas (Peter Galliard), Neffe Oreste (Max Emanuel Cencic) Sohn desAgamemnon (Viktor Rud), Achille, der mit der Ferse (Ziad Nehme),  Ajax premier (Sungho Kim) und Ajax deuxieme (Dongwan Kang), Bacchis (Na´ama Shulman), Leoena (Renate Spingler), Parthoenis (Gabriele Rossmanith) und   natürlich Paris (Oleksiy Palchykov), es bemüht sich alles zusammen zu halten: Calchas (Christian Miedl)                                       
                                                                                                                                                        

 
Handlung:  (Das Regieduo André Barbe und Renaud Doucet verlegt die Handlung in seiner Inszenierung auf ein Kreuzfahrtschiff der 60er-Jahre)
 
In kurzen Sätzen die Originalhandlung dazu:
 
Die schöne Helene mit Mann Menelas und Anhang, ihre Klageweiber sowie Neffe Oreste mit dessen Gespielinnen und Agamemnon, sein Vater und Griechenkönig treten eine kurzweilige Schiffsreise an, die sich zu einer dramatischen und lebhaften Geschichte entwickelt, an dessen Ende die (freiwillige) Entführung Helenes steht.
 
Nach einer launigen Wette hatte Paris (der Mann mit dem Apfel) seinerzeit Venus diesen überreicht gegen das Versprechen, dafür der schönsten Frau der Welt vorgestellt zu werden. Eine Brief-Taube überbrachte dem „Kapitän“ Calchas die Bitte der Hilfe bei der Einlösung des Versprechens der Venus, sodaß Paris, als Schäfer verkleidet, Zugang zur Reise fand. Somit schwebte also eine enorme (menschliche) Taube mit ordentlicher Spannbreite quer über die Bühne, warf einen Brief ab und das Schicksal nahm seinen Lauf.
 
FATALITÄT eben….
 
Unglücklich in ihrer Ehe mit dem ältlichen König Menelas sehnt sich Helene, die schönste Frau der Welt, nach Leidenschaft. Bei einem Wettkampf weckt der als Schäfer verkleidete Paris ihre Aufmerksamkeit. Es kommt wie es soll: Der Gatte wird ausgeschifft, zu einem kleinen Ausflug und so sucht Paris dann Helene in der Nacht auf und sie geben sich ihrer Leidenschaft hin. Menelas überrascht die beiden Ehebrecher, doch Paris  gelingt die Flucht in den Kleiderschrank. Helene streitet alles ab, gibt sogar ihrem Gatten die Schuld, es sei alles eingebildet – ein Traum nur!
Staatsoper Hamburg/ La belle Helene/ Foto © Klaus Lefebvre

Unter dem Deckmantel der Parodie konnte Offenbach zahlreiche erotische Anspielungen und freizügige Darstellungen in seine Operetten einbauen, die ansonsten von der Zensur nicht erlaubt worden wären. „La Belle Helene“ nimmt als Satire auf das Spießbürgertum die gesellschaftliche Borniertheit aufs Korn, was hier besonders gut zu sehen war.

Die Kulisse und Kostüme waren in Einzelheiten mit viel Liebe gestaltet, Ajax und Ajax zum Beispiel trugen zu ihrem Brustnamenlogo die dazu gehörigen Toiletten- und Handwaschbürsten auf dem Helm, Menelas Brustpanzer war ausgeprägt seiner Statur angepasst und Agamemnons Kleidung ebenso, mit eigenen Cheerleadern und Puscheln hatte in jeder seiner Szene einen heldenhaften Auftritt. Oreste war ein fescher bunter Jüngling der Power Flower Zeit, erinnerte ein bisschen an die frühen Jahre des Elton John. Ebenso Achille, als junger Elvis an der Gitarre – ein Augenschmaus. Egal wie bunt und schillernd die Kostüme waren, immer und überall sah man griechische bekannte Elemente, Verziehrungen, die auf dem eigentlichen Thema beruhten und den Zuschauer immer an den eigentlichen Standort transportierten. Alles war absolut bunt und stimmig, launig, laut und voller Erotik im Spiel.
 
Die Stimmen erklangen harmonisch abgestimmt im Chor, Tänze und immer wieder auch kleine Einlagen aktuellen Geschehnissen angepasst, brachten die Zuschauer zum Szenenbeifall und lauten Lachen. Man mochte den Augen kaum trauen, als „Angela Merkel“ im bekannten grünen Blazer über die Bühne schlich, mit einer Schubkarre voll mit Geldscheinen, an der Seite einen EU Aufkleber……  Es kam in der Szene gerade die Frage auf, wer das Opfer der hundert weissen Kühe bezahlen solle um die Venus im Groll zu besänftigen… Die Frage war somit geklärt und die Überbringer sollten Paris und die schöne Helena sein! Dies war nun die Gelegenheit, seine Liebste zu entführen und beide schwebten hoch in der Luft davon in die Ferne.
 
102 Partituren umfasst das Bühnenwerk Jacques Offenbachs – seine Opéra bouffe „La Belle Helene“ zählt zu seinen größten Erfolgen.
 
Staatsoper Hamburg/ La Belle Hélène/ Foto @ Klaus Lefebvre
Staatsoper Hamburg/ La Belle Hélène/ Foto @ Klaus Lefebvre

Die Stimmgewalt der Darsteller wurde mit Begeisterung aufgenommen und beklatscht. Helene betörte in der Schlafzimmerszene nicht nur ihren Paris, ihr Soli erreichte Höhen ohne Ende, sogar eine „Königin der Nacht“ wurde draufgelegt- Der Hölle Rache von Mozart um die Coloratur auszureizen, wunderbar! 

 
Kate Aldrich (Helena) ist eine amerikanische Mezzosopranistin. Eine großartige kreative Stimme mit unendlich viel Ausdruck, Gesten und Lebhaftigkeit. Voll Gefühl und Spaß in der Stimme, eine großartige Bereicherung für die Hamburger Staatsoper.
 
Oleksiy Palchykov  (Paris) ist erst seit wenigen Monaten (2017) Mitglied des Opernensembles in Hamburg und hat schon eine Menge Fans, ein junger ukrainischer Tenor mit großer vielseitiger Stimme, der auch noch etwas Jodeln kann, ein Erlebnis für Herz und Seele
 
Peter Galliard (Menelas) ist ein Schweizer Opernsänger. Er ist seit 1986 an der Hamburgischen Staatsoper engagiert. Sein voller Tenor, sein kraftvoller Ausdruck wird weit über Hamburg hinaus hochgeschätzt. Viktor Rud (Agamemnon) ist ein ukrainischer Opernsänger. Er ist seit 2009 an der Hamburgischen Staatsoper engagiert. Ein vielseitiger Bariton mit Größe und Verwandlung, der seine Rolle als „Aga“ mit Humor ausfüllt und er begeistert dort nicht nur seine Cheerleader..
 
Max Emanuel Cenčić (Oreste) ist ein österreichischer Opernsänger und einer der erfolgreichsten Countertenöre der Gegenwart. Schon als Sechsjähriger trat er im Fernsehen auf und als Wiener Sängerknabe – eine ganz besondere Stimme die hier über die Bühne schwingt! Ziad Nehme (Achille) Der in Tripoli (Libanon) geborene Tenor studierte Klavier und Gesang am Nationalen Musikkonservatorium in Beirut. Auch war Ziad Nehme bereits auf diversen Konzertbühnen in seinem Heimatland und in Europa zu hören. Christian Miedl (Calchas) ist ein vielbeachteter Bariton aus Passau, zahlreiche Fachpartien der klassischen Opern gehören zu seinem Repertoire.
 
Und natürlich die vielen weiteren Akteure auf der Bühne, wie auch der Chor der Staatsoper Hamburg und die Komparserie und Kinderkomparserie der Staatsoper Hamburg sollen hier ebenfalls genannt werden. Es war insgesamt eine tolle Ensembleleistung!
 
Die musikalische Leitung des Abends hatte Nathan Brock, der das Philharmonische Staatsorchester Hamburg durch alle Höhen, Tiefen  und Brandungen führte und maßgeblich mit am großen Erfolg des Abends beteiligt war.
 
Noch ein letztes Mal ist dieser musikalische Spaß zu erleben. Am 24.5.2019 zum vorerst letzten Mal. Informationen dazu unter DIESEM LINK
 
 
Eindrücke des Abends vom 21.5.19 von Marion Nevoigt /RED. DAS OPERNMAGAZIN 
 
Titelfoto: Staatsoper Hamburg/ La Belle Hélène/ Foto @ Klaus Lefebvre
 
 

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