
Mit einem glanzvollen Konzert wurde die neue Saison des Tonhalle-Orchesters Zürich eröffnet. Nach kurzen Gruß und Dankesworten der Präsidentin der Tonhalle Gesellschaft, Hedy Graber und der Intendantin Ilona Schmiel begann das Konzert mit einer Komposition von Thomas Adès, des diesjährigen Creative Chair beim Tonhalle-Orchester Zürich. (Rezension des Konzerts v. 18. September 2025)
Das Werk ist während der Corona-Pandemie 2020 unter dem Titel „Dawn“ Chaconne für Orchester „at any distance“ entstanden, also während der Zeit, als die Corona-Pandemie alles beherrschte und überall „social distancing“ herrschte. Vielerorts waren deshalb nur Konzerte für ein reduziertes Publikum erlaubt. Daher rührt auch der Name dieses Werks, welches nebst der idealen Orchesterbesetzung auch für Kleinstbesetzung spielbar ist. Wie eine immerwährende Morgendämmerung, welche die Welt umspannt, erklingen die Instrumente zuerst in einem leisen Dialog, bis sie sich zu einem gewaltigen Strahlen steigern. Ein eindrückliches Klangerlebnis.
Das Programm wurde mit dem „Cellokonzert Nr 2 g-Moll op 126“ von Dmitri Schostakowitsch fortgesetzt, welches anlässlich seines 60. Geburtstags bei einem Festkonzert im Moskauer Konservatorium durch Mstislaw Rostropowitsch seine Uraufführung erlebte. Schostakowisch komponierte kein jubelndes Werk, sondern es entstand ein düsteres Konzertstück, welches durch seine Stimmung und seine Erlebnisse in schwierigen Zeiten und auch gesundheitliche Probleme geprägt ist. Die Befürchtung, dass sein Geburtstag zu politischen Zwecken missbraucht werden könnte, war im zutiefst zuwider.
Für ein so schwieriges Werk ist eine hervorragende Solisten-Persönlichkeit erforderlich. Diese hat man mit Sol Gabetta, der gegenwärtig wohl virtuosesten Cello Musikerin, gewonnen, welche zusammen mit dem Tonhalle-Orchester unter Paavo Järvi alle Herausforderungen dieser Komposition mit Bravour meisterte. Dabei entstand eine Wiedergabe dieses Werks auf höchstem Niveau. Das Publikum wurde für den grosse Applaus mit einer reizenden Zugabe belohnt: „Nana“ aus Manuel de Fallas „Siete Canciones Españolas“.

Nach der Pause kam die „Sinfonie Nr. 2 e-Moll op 27“ von Sergej Rachmaninow zur Aufführung. Dieses Werk entstand in den Jahren 1906-1908 in Dresden, weit ab von den Unruhen in seiner Heimat. Der Komponist verbracht dort mit seiner Familie eine gute Zeit. Nachdem seine 1. Sinfonie im Jahre 1897 bei der Uraufführung durchgefallen war, verstrichen beinahe 10 Jahre, bis er sich wieder an die Arbeit für eine weitere Sinfonie machte. Die Uraufführung im Januar 1908 in St. Petersburg wurde schnell zu einem großen Publikumserfolg, welcher bis heute andauert. Die Sinfonie wurde oft in einer gekürzten Version aufgeführt, obwohl diese nie durch Rachmaninow beglaubigt wurde.
Die Aufführung der rund eine Stunde dauernden Sinfonie mit dem Tonhalle-Orchester unter der Leitung von Paavo Järvi war ein besonderer Hörgenuss. Was für eine grossartige Wiedergabe durch das grandios spielenden Orchester! Bis in die feinsten Solos sass jeder Ton perfekt und man wurde von dieser Musik in Bann gezogen. Da zeigte sich erneut das Weltklasse Niveau dieses Orchesters und seines Music Directors. So schien auch das Publikum es empfunden zu haben, welches sich mit Ovationen bedankte.
Man darf sich auf viele weitere Konzerte in dieser Saison freuen.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Tonhalle-Orchester Zürich
- Titelfoto: Tonhalle Orchester Zürich/Sol Gabetta und Paavo Järvi/Foto: Gaëtan Bally