Lucerne Festival: „Les Adieux“ – Ein Abschiedsfest für Michael Haefliger

Michael Haefliger/Foto ©️Priska Ketterer/Lucerne Festival

Wie ehrt man einen derart erfolgreichen Intendanten wie Michael Haefliger, welcher über ein Viertel-Jahrhundert die Geschicke des Lucerne Festival, einem der größten Musikfestivals der Welt, mit größtem Engagement, mutigen neuen Ideen und Energie zu großem Erfolg geführt hat? Das haben sich seine Mitarbeiter, Freunde und Wegbegleiter sicher lange überlegt und an diesem Abschiedsfest ein Programm voller Musik, Performance und Reden, welches genau so vielseitig war, wie die Persönlichkeit des Gefeierten. (KKL Luzern am 14. September 2025)

 

Mit dem Lucerne Festival Orchestra und dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra, welche Michael Haefliger zusammen mit Claudio Abbado und Pierre Boulez gegründet hat und damit weltweit für Aussehen in der Musikwelt gesorgt hat, sind nur die zwei größten Erfolge seiner Intendanz genannt. Die Einführung eines Festivalmottos, welches konsequent in die Programmgestaltung umgesetzt wurde, die über 450 Uraufführungen welche in diesen Jahren stattgefunden haben und die Projekte zur Öffnung des Festivals für ein breites, junges Publikum sind weitere Facetten dieses enormen Einsatzes für das Lucerne Festival.

Nach der von Riccardo Chailly mitreißend dirigierten Ouvertüre von Gioachino Rossini zu „Il signor Bruschino“ zusammen mit dem Lucerne Festival Orchestra, begrüßte Michael Haefliger das Publikum und bedankte sich sehr emotional für die unglaubliche Unterstützung seiner Arbeit durch das großartige Team, die Förderer und Sponsoren, Musiker/innen, Solisten und unendlich vielen Helfern, welche nicht in den Programmheften auftauchen aber wertvollste Arbeit hinter den Kulissen leisten. Und natürlich dem treuen Publikum welches sich stets offen für seine Projekte gezeigt hat. Das West-Eastern Divan Ensemble mit Michael Barenboim, Violine, Hisham Khoury, Violine, Sindy Mohamed, Viola und Izak Nuri, Violoncello, spielte das „Streichquartett Es-Dur“ von Fanny Mendelssohn-Hensel mit großer Hingabe.

Patricia Kopatchinskaja/Sol Gabetta/Foto:©️Priska Ketterer/Lucerne Festival

Mit Sol Gabetta, Violoncello und Patricia Kopatchinskaja, Violine, waren zwei Stars der Klassikszene zu erleben, welche beim Lucerne Festival Ihre großen Karrieren begannen. Mit temperamentvollem Spiel und höchster Virtuostät spielten sie Werke von Jean-Marie Leclair, Jörg Widmann, Iannis Xenakis, Carl Philippe Emanuel Bach und Zoltan Kodály. Hier konnte man einmal mehr die herausragende Akustik dieses wunderbaren Konzertsaals erleben, waren doch gerade beim für Violine und Violoncello bearbeiteten „Presto c-Moll“ aus den Kurzen und leichten Klavierstücken mit veränderten Reprisen Wq 114, die allerfeinsten Töne wahrnehmbar bis in die vierte Galerie.

Mit der Uraufführung von Winnie Huangs „nexus of now“ für gestische Performerin und Video, erlebte man eine Performance der diesjährigen Artiste Étoile, welche eine weitere Facette des Festivals aufzeigte und den Programmteil mit zeitgenössischer Musik eröffnete.

Regierungspräsidentin Michaela Tschour überbrachte die Grüße und den Dank der Stadt und betonte in ihrer sehr persönlichen Rede die Wichtigkeit und Leuchtkraft dieses Festivals für Luzern und die überragende Arbeit von Michael Haefliger und seiner stets engagierten Ehefrau. Stiftungsratspräsident Markus Hongler, überreichte eine Nachbildung des Sitzes welcher Michael Haefliger in all den Jahren im Konzertsaal einnahm und sicher auch in Zukunft immer für ihn zur Verfügung steht.

Johanna Malangré und Maximilian Hornung/Foto: ©️Manuela Jans/Lucerne Festival

Unter Leitung der Dirigentin Johanna Malangré spielte das Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra „Initiale für sieben Blechbläser“ aus dem Jahre 1987 von Pierre Boulez, welcher in diesem Jahr, seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Mit einer weiteren Uraufführung, dem Stück „Nachtbild mit Blausternen“ für Horn Solo, brillierte Stefan Dohr, Solist und erster Hornist der Berliner Philharmoniker, von der Empore der großen Orgel im Saal und aus verschiedenen Seitengängen. Ein eindrückliches Hörerlebnis.

Mit einem weiteren Auftritt des Ensembles unter der Leitung von Johanna Malangré und Maximilian Hornung, Violoncello, welche das Werk „Violation für Violoncello und Ensemble“ von Dieter Ammann aufführten, endete der zweite Teil des Programms. Einen weiteren Höhepunkt folgte mit der unglaublich gefühlvollen Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klaviersonate „Der Sturm“ durch den Meisterpianisten Igor Levit. Ein Genuss. Die Laudatio auf den Gefeierten hielt die Dirigentin und Musikpädagogin Graziella Contratto. Es gelang ihr die Person Michael Haefliger aus diversen Blickwinkeln zu beleuchten und mit sehr humorvoller Art die Zuhörer zum schmunzeln zu bringen.

Les Adieux/Foto: ©️Manuela Jans/Lucerne Festival

Zum Abschluss des über 4 Stunden dauernden Anlasses, war eine Überraschung mit dem Lucerne Festival Orchestra angekündigt. Was man dann von diesen einmaligen Orchester zu hören bekam war ein grandioses Medley, welches von Boulez, Bruckner, Mahler über Filmmusik reichte und einen sensationellen Schlusspunkt unter diesen denkwürdigen Anlass setzte.

Das Publikum, welches sich aus viel Prominenz, Wegbegleitern und vielen Freunden zusammensetzte bedankte sich noch einmal mit einer stehenden Ovation. Man kann Michael Haefliger auf seinem weiteren Weg nur das allerbeste Wünschen und sich vor seiner Leistung in den vergangenen 26 Jahren verbeugen.

 

  • Artikel von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Lucerne Festival
  • Titelfoto: Lucerne Festival Orchestra/Foto ©️Manuela Jans/Lucerne Festival

 

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