Saarländisches Staatstheater: Der neue Spielplan für die Saison 2022/23

Saarländisches Staatstheater/Außenansicht/ Foto ©Martin Kaufhold
Saarländisches Staatstheater/Außenansicht/ Foto ©Martin Kaufhold

Endlich wieder großes Theater mit der Hoffnung auf ein Theaterleben wie vor der Corona-Pandemie! So jedenfalls hat das Saarländische Staatstheater das erste Mal seit zwei Spielzeiten die kommende Saison geplant. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können sich auf eine mitreißende Spielzeit 2022/2023 freuen, die dem Motto »Anders! In welcher Welt?« folgt. Von September 2022 bis Anfang Juli 2023 kommt die große Anzahl von 28 Neuproduktionen sowie sechs Wiederaufnahmen auf die Bühnen von Großem Haus, Alter Feuerwache und sparte4. Neun Uraufführungen sowie eine deutschsprachige Erstaufführung sind geplant. Das renommierte Festival Primeurs für frankophone Gegenwartsdramatik findet vom 16. bis 19. November 2022 wieder an den drei Spielorten Le Carreau, Alte Feuerwache und Saarländischer Rundfunk statt.

 

»Unsere Zuschauerinnen und Zuschauer können einen spannenden neuen Spielplan voller innovativer Impulse erwarten«, sagt Generalintendant Bodo Busse und fügt hinzu: »Wir bieten eine große Programmvielfalt zwischen Vertrautem und ganz Neuem, bisher unbekannten Klang und Sprachwelten, gleich mehreren Hamlet-Bearbeitungen, klassischen und modernen französischen Stoffen. Aber auch eine wunderbare Diversität an Menschen, Stimmen und Sprachen auf unseren Bühnen – und vor allem grundsätzlich einen wachen, offenen Blick über Grenzen hinaus.« Zum Spielzeitmotto erklärt Bodo Busse: »›Anders! Aber in welcher Welt?‹ ist auch das große zentrale Thema von Wagners ›Ring des Nibelungen‹, den wir in der neuen Spielzeit endlich zu schmieden beginnen.« Das Motto bedeute aber auch, dass wir in diesen Zeiten mehrere globale Krisen gleichzeitig erlebten, so der Generalintendant, »und uns wird bewusst, wie viel wir selber davon existenziell betroffen und ursächlich darin verwickelt sind. Es ist eine Zeit des großen Erwachens. Kultur ist Wachheit und Kritik und der Inbegriff von Freiheit.«

Mit dem neuen Spielplan wird auch wieder zeitgleich das neue Konzertprogramm des Saarländischen Staatsorchesters vorgestellt: Mit über 50 Konzertterminen im Saarland und Gastkonzerten in Frankreich ist der Konzertkalender des Klangkörpers prall gefüllt.

 

Saarländisches Staatstheater/Großes Haus-Zuschauersaal/ Foto ©Martin Kaufhold
Saarländisches Staatstheater/Großes Haus-Zuschauersaal/ Foto ©Martin Kaufhold

MUSIKTHEATER
Gleich zum Auftakt der Musiktheatersaison 2022/2023 heißt es »Ring frei!« – und das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Mit der Premiere von RHEINGOLD (Sonntag, 18. September 2022, 18:00 Uhr) startet endlich der lang ersehnte »Ring des Nibelungen«. Die Tetralogie wird in den nächsten Jahren fortgeführt, sodass der Zyklus 2025/2026 vollendet ist. Inszeniert wird Wagners Monumentalwerk von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Und für die Saarländer*innen gibt es ein Wiedersehen und -hören mit Werner van Mechelen: Der Bass-Bariton, der an renommierten Häusern von Bayreuth bis Hamburg gefragter Gast ist, sorgte bereits 2017 im »Tannhäuser« für Begeisterung – und kehrt nun als Alberich zurück auf die Saarbrücker Bühne.

Aber auch das italienische Opernrepertoire wird gepflegt: von der schwungvollen Opera buffa DON PASQUALE (Samstag, 8. Oktober 2022, 19:30 Uhr) über LA FORZA DEL DESTINO DIE MACHT DES SCHICKSALS (Samstag, 4. Februar 2023, 19:30 Uhr) bis hin zur Wiederaufnahme von LA TRAVIATA (Samstag, 17. Juni 2023, 19:30 Uhr).

Fans der leichten Muse dürfen sich auf einen unsterblichen Operettenklassiker freuen: DIE FLEDERMAUS (Samstag, 10. Dezember 2022, 19:30 Uhr). Und ab Februar heißt es wieder »Let the Sunshine in«: Das Kultmusical HAIR (Samstag, 18. Februar 2023, 19:30 Uhr) kommt zurück auf den Spielplan!

Ganz besonders freut sich Generalintendant Bodo Busse auf die Fortsetzung des von ihm initiierten Shakespeare-Zyklus` zeitgenössischer Opern: »Was wir in den letzten Spielzeiten mit Frank Martins ›Sturm‹ und Pascal Dusapins ›Macbeth Underworld‹ begonnen haben, findet nun mit der Uraufführung von Sarah Nemtsovs OPHELIA (Samstag, 13. Mai 2023, 19:30 Uhr) seine Fortsetzung«, so Busse. »Sarah Nemtsov ist eine der führendsten Komponistinnen der jungen Generation. Mich begeistert ihre Art, zu komponieren, ihr theatralisches Denken. Ich freue mich, dass sie diese Oper quasi für unser Haus und unser Ensemble ›maßgeschneidert‹ hat. Mit den integrierten Live-Elektronik-Einspielungen wird das eine große musikalische Herausforderung, auf die ich sehr gespannt bin.« Die Oper ist, gefördert von der Ernst von Siemens Musikstiftung, als Kompositionsauftrag des Saarländischen Staatstheaters entstanden.

Ein weiterer Höhepunkt der Saison verspricht ORFEO ED EURIDICE (Samstag, 18. März 2023, 19:30 Uhr) zu werden: Glucks Werk wird als aufwändige, spartenübergreifende Produktion von Ballett- und Opernensemble gemeinsam auf die Bühne gebracht. »Ich bin stolz, dass wir für die Umsetzung dieses Projekts einen so renommierten Choreographen wie Abou Lagraa gewinnen konnten. Der französisch-algerische Choreograph will den klassischen Stoff aus der poetischen Perspektive seiner persönlichen kulturellen Herkunft interpretieren«, so Bodo Busse.


KONZERT
Auf einen prall gefüllten Terminkalender freuen sich Generalmusikdirektor Sébastien Rouland und die Musikerinnen und Musiker des Saarländischen Staatsorchesters: Neben Oper, Operette und Musical stehen über 50 Konzerte auf dem Programm. Auf das 5. Sinfoniekonzert (Sonntag, 5. März 2023, 11:00 Uhr und Montag, 6. März 2023, 19:30 Uhr) freut sich Sébastien Rouland dabei besonders, steht doch ein Werk auf dem Programm, das er schon immer mal dirigieren wollte: Rachmaninows 2. Sinfonie e-Moll op. 27. »Die Klangfarben, die Kraft dieser Musik haben mich seit jeher fasziniert«, so Rouland. »Das Werk ist eine echte Herausforderung für das Orchester, aber auch für mich als Dirigent.«

Bei dreien der insgesamt acht Sinfoniekonzerte steht der GMD selbst am Pult, für die anderen hat er renommierte Kolleginnen und Kollegen eingeladen, unter anderem Corinna Niemeyer, die Directrice Artistique und Chefdirigentin des Orchestre de Chambre du Luxembourg, und Stefan Vladar, GMD und Operndirektor des Theaters Lübeck. Und auch Christopher Ward kommt fürs 2. Sinfoniekonzert (Samstag, 16. Oktober 2022, 11:00 Uhr und 19:30 Uhr) nach Saarbrücken: Bevor er als GMD ans Theater Aachen berufen wurde, war er bis 2018 als 1. Kapellmeister am Saarländischen Staatstheater engagiert. Dem Besuch eines Kollegen fiebert Sébastien Rouland ganz besonders entgegen: dem von Marc Minkowski, seinem langjährigen Freund und Mentor. Sieben Jahre stand er Minkowski als Assistent zur Seite und leitete dabei auch dessen Chœur des Musiciens du Louvre. »Marc Minkowski hat mir immer viel Freiraum gegeben, mich auszuprobieren«, so Rouland. »Dank ihm habe ich den Theater- und Orchesterbetrieb von der Pike auf kennengelernt und durfte mit einigen der besten Sänger*innen der Welt arbeiten. Bei ihm habe ich auch meine erste große Oper dirigiert, Wagners ›Fliegenden Holländer‹ in Maastricht.« Minkowski ist im 7. Sinfoniekonzert (Sonntag, 21. Mai 2023, 11:00 Uhr und Montag, 22. Mai 2023, 19:30 Uhr) zu Gast in Saarbrücken und dirigiert neben Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16 auch Anton Bruckners »Nullte« (Sinfonie d-Moll WAB 100).

Nicht nur in Saarbrücken, auch in Paris sind das Saarländische Staatsorchester und Sébastien Rouland zu erleben – und das gleich zwei Mal: Gemeinsam mit dem Saarbrücker Opernensemble wird eine konzertante Version von Wagners »Rheingold« aufgeführt – am Montag, 29. Mai 2023, 15:00 Uhr in der Opéra Royal du château de Versailles. Und in Kooperation mit den Musikfestspielen Saar geht es am Samstag, 15. Juli 2023 gleich nochmal nach Paris: Gemeinsam mit dem Vokalensemble 83 erklingt Gabriel Faurés Requiem op. 48 – am Ort seiner Uraufführung: der Église de la Madeleine. Wer nicht nach Paris reisen kann, muss nicht traurig sein: Das Fauré-Requiem ist zuvor auch im 8. Sinfoniekonzert am Sonntag, 2. Juli 2023, 11:00 Uhr und Montag, 3. Juli 2023, 19:30 Uhr in der Saarbrücker Congresshalle zu hören.

Artist in Focus 2022/2023 ist der junge Tenor Benjamin Bernheim, der unter anderem im 1. Showcase-Konzert »Magic of Opera« (Samstag, 17. Dezember 2022, 19:30 Uhr) zu erleben ist. »Ich verfolge Benjamin Bernheims Entwicklung seit Beginn seiner Karriere, kenne ihn schon seit meiner Assistenzzeit bei Minkowski«, so Rouland. »Als ich letztens an der Hamburger Staatsoper die ›Manon‹ dirigiert habe, hat Benjamin dort für ›Hoffmanns Erzählungen‹ geprobt – und so haben wir uns wiedergesehen. Benjamin ist für mich einer der talentiertesten Tenöre seiner Generation, quasi der junge Roberto Alagna«, so Rouland augenzwinkernd. Weitere Projekte mit Benjamin Bernheim sind in Planung.


BALLETT
Das Saarländische Staatsballett bietet dem Publikum auch in der neuen Spielzeit ein sehr attraktives Programm.

Die erste Premiere mit dem Titel »Bella Figura« (Samstag, 29. Oktober 2022, 19:30 Uhr, Großes Haus) ist ein Abend mit drei Choreographien, die die Bandbreite des zeitgenössischen Ballettrepertoires widerspiegeln. »Ich bin sehr glücklich darüber, dass uns der große Jiří Kylián sein Meisterwerk BELLA FIGURA überlassen wird, sagt Ballettdirektor Stijn Celis. Dieses 1995 entstandene Werk zählt zu den populärsten des tschechischen Choreographen. Ergänzend dazu tanzt die Kompanie zwei Stücke: FAUN(E) von David Dawson aus dem Jahr 2009 und die Uraufführung ANTIKHTHON von Stijn Celis zur gleichnamigen Komposition von Iannis Xenakis.

Die zweite Premiere im Großen Haus, die am Samstag, 18. März 2023, um 19:30 Uhr stattfinden wird, verbindet das Ballett mit der Oper. Christoph Willibald Glucks Oper ORFEO ED EURIDICE wird nämlich choreographiert und inszeniert vom französischen Choreographen Abou Lagraa, dessen Wurzeln zwar im Hip-Hop liegen, der aber über die ganze stilistische Bandbreite des modernen Tanztheaters verfügt. »Wir können ein mitreißendes Fest für die Sinne erwarten«, prophezeit Stijn Celis.

Der Ballettdirektor präsentiert dann am Freitag, 12. Mai 2023, um 19:30 Uhr in der Alten Feuerwache ein neues Werk zu einer Komposition des Schlagzeugers Martin Hennecke, Mitglied des Saarländischen Staatsorchesters. Die elektronische Partitur zu THE PRIVACY OF THINGS wird sich speisen aus privaten Angaben von ausgewählten Zuschauern, die mittels einer speziellen Software zur Live-Musik umgewandelt werden.

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KARTEN
Der Kartenvorverkauf für die Spielzeit 2022/2023 beginnt am Freitag, 1. Juli 2023, 10:00 Uhr.
Abonnements für die neue Spielzeit sind bereits ab Samstag, 7. Mai 2022, 10:00 Uhr an der Theaterkasse und auch online erhältlich.

 

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