
Im November 2024 hatte ich eine Aufführung von Gioachino Rossinis Il viaggio a Reims, ossia L’albergo del giglio d’oro (1825) im Salzburger Landestheater rezensiert. In vollen Zügen habe ich die Gelegenheit genossen, das Werk im Rahmen der Salzburger Pfingstfestspiele am 22. Mai 2026 erneut besprechen zu dürfen.
Seit seiner Wiederbelebung im Jahr 1984 an ist das Interesse an diesem einaktigen „Dramma giocoso“ nach einem Libretto von Giuseppe Luigi Balochi, eigentlich eine szenische Kantate anlässlich der Krönung des französischen Königs Karls X., wieder gestiegen. Die Handlung spielt im Madama Corteses „Hotel zur goldenen Lilie“ in Plombières-les-Bains, wo eine Gruppe Gäste gestrandet ist, weil es an Pferden fehlt, um die Reise zur Krönung von Karl X. in Reims fortzusetzen. Die Ungewissheit und das Warten ermöglichen es den 14 Teilnehmenden, bestehend aus drei Sopranen, einem Alt, zwei Tenören und vier Baritonen und Bässen, sich zu profilieren.

© SF/Monika Rittershaus
Die Neuinszenierung des Regisseurs Barrie Kosky im Haus für Mozart inszeniert das Geschehen als Farce im Stil des Dramatikers Georges Feydeau, die darauf abzielt, einen Rausch aus Musik und Handlung zu erzeugen. Die von Rufus Didwiszus entworfene Bühne zeigte das Innere eines Hotels: eine Lobby, einen Flur mit Türen und schließlich einen Bankettsaal. Die Kostüme von Victoria Behr waren farbenfroh und erinnerten vage an die Aristokratie des frühen 19. Jahrhunderts. In den meisten Szenen sahen die Figuren so aus, als würden sie sich auf den Weg zu einem königlichen Fest machen – außer wenn sie sich angeblich für die Nacht in ihre Gemächer zurückgezogen haben; in diesem Fall rennten sie in Unterwäsche von Zimmer zu Zimmer.
Die minimalistische Handlung lässt dem Regie ungewöhnlich viel kreativen Spielraum, da sich sie auf die Interaktionen zwischen den Menschen unterschiedlicher sozialer Schichten und europäischer Nationalitäten konzentriert. Kosky kontrastiert die statische Handlung, indem er die Figuren in fast ständiger Bewegung hält. Der sich nur selten verändernde Hintergrund könnte als Ausdruck der Ausweglosigkeit gedeutet werden, während die Bewegung Unruhe und das Verlangen nach Unterhaltung suggeriert, um sich die Zeit zu vertreiben. Kosky gelang es, die Handlung in Schwung zu halten, doch sie verfiel bisweilen in Effekthascherei, wie lautes Pistolenknallen, Türenschlagen und Hin- und Herrennen. In kleinen Dosen ist das in Ordnung, doch etwas mehr Tiefe und das Bewusstsein, dass Rossinis Parodien von Emotionen auch ernste Momente enthalten, würden das Erlebnis bereichern.

Was die Besetzung betrifft, so übernahm die künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele Cecilia Bartoli die Rolle der Madama Corinna. Bartoli überzeugte in allen Arien, insbesondere in der von der Solo-Harfe begleiteten Arie „All’ombra amena“ in der letzten Szene. Die Mezzosopranistin Tara Erraught war eine witzige Madame Cortese, die ihre Arie „Di vaghi raggi adorno“ am Anfang der Oper mit Leidenschaft sang. Gesanglich gesehen war die Koloratursopranistin Mélissa Petit der eigentliche Star des Abends. In Contessa di Follevilles Arie („Ahimè! sta in gran pericolo“ – „Il mio male capir voi non potete“) ähnelte Petits koloraturische Akrobatik fast derjenigen, die in der Arie der Königin der Nacht „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ gefordert wird. Als Marchesa Melibea war die Mezzosopranistin Marina Viotti unterhaltsam und faszinierend.
Der Bariton Misha Kiria stellte Barone di Trombonok, ein sympathischer deutscher Major und Musikliebhaber, dar. Der Tenor Edgardo Rocha war Cavalier Belfiore, ein französischer Offizier. Der Tenor Dmitry Korchak war Conte Libenskof, ein russischer General, der in die Marchesa Melibea verliebt ist. Der Bass Ildebrando D’Arcangelo verkörperte Lord Sidney, der heimlich in Corinna verliebt ist. Florian Sempey, ein Bariton, spielte Don Profondo, einen Literaten, und trug seine Arie „Medaglie incomparabili“ über die nationalen Typen vor. Der Bass Peter Kellner war Don Alvaro, ein in Marchesa Melibea verliebter spanischer Admiral. Die andere Rollen wurden von Giovanni Romeo (Don Prudenzio), Salvatore Taiello (Don Luigino), Rodolphe Briand (Zeffirino), Galia Bakalov (Delia), Helena Rasker (Maddalena), Federica Spatola (Modestina), Nicolò La Farciola (Gelsomino) und Rafał Pawnuk (Antonio) übernommen.
Unter der Leitung von Gianluca Capuano hat sich der Chœur de l’Opéra de Monte-Carlo sowie Les Musiciens du Prince — Monaco mit frischem Tempo und Rhythmus eingesetzt. Capuanos energiegeladener Stil zeichnete sich durch klare, transparente Klangbilder und emotionale Ausdruckskraft aus, die Rossinis reichhaltiges Orchestergefüge zum Leben erweckten.
- Rezension von Dr. Daniel Floyd / Red. DAS OPERNMAGAZIN
- Salzburger Pfingstfestspiele 2026
- Titelfoto: Salzburger Festspiele/Il viaggio a Reims 2026: Helena Rasker (Maddalena), Mélissa Petit (Contessa di Folleville), Tara Erraught (Madama Cortese), Tänzer·innen, Ensemble/ Foto © SF/Monika Rittershaus
Ein Gedanke zu „Premiere in Salzburg: „Il viaggio a Reims“ als zeitlose Komödie inszeniert“