La Cetra Barockorchester: „L‘Olimpiade“ – Goldmedaille für diese Wiederentdeckung

La Cetra Barockorchester/ L‘Olimpiade/ Foto: Jenny Islinger/La Cetra Basel

Es ist seit langem bekannt, dass mit dem La Cetra Barockorchester immer wieder ganz besondere Trouvaillen zur Aufführung kommen und dies stets auf einem sehr hohen Niveau. Dieses Mal kam man in den Genuss einer Schweizer Erstaufführung. Die Wiederentdeckung von Domenico Cimarosas „L‘Olimpiade“ nach dem Libretto von Pietro Metastasio war ein musikalisches Highlight erster Güte. Das Libretto von Metastasio wurde von über 70 der namhaftesten Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts vertont. (Rezension der Schweizer Erstaufführung v. 29. Januar 2026)

 

Domenico Cimarosa, geboren 1749, kam bereits als zwölfjähriger Junge an ein renommiertes Konservatorium in Neapel, wo er eine 11 Jahre dauernde Ausbildung genossen hat. Er war erfolgreich und wurde in ganz Italien geschätzt. Über Wien kam er an den Hof von Katherina der Großen in St.Petersburg, wo er vier Jahre lang weilte. Zurück in Neapel, holte ihn ein politisch motiviertes Todesurteil ein, welches dann aber in eine Verbannung umgewandelt wurde. Erneut machte er sich auf dem Weg zurück nach St. Petersburg doch zwang ihn seine schlechte Gesundheit zu einem Aufenthalt in Venedig, wo er im Januar 1801 im Alter von nur 51 Jahren verstarb.

Viele seiner zahlreichen Werke sind auch heute noch beliebt. Die 99 Bühnenwerke sind hauptsächlich dem Genre komische Oper zugehörig. Die an diesem Abend aufgeführte Opera seria ist jedoch kaum bekannt. Das Werk wurde 1784 anlässlich der Eröffnung des neuen Theaters in Vicenza komponiert. Dank des großen Erfolgs der Premiere wurde das Theater bald in ganz Italien berühmt.

Obwohl man beim Titel sofort an sportliche Wettkämpfe denkt, ist die Handlung vor allem mit Liebe, Hass, Eifersucht, großen Verwechslungen und Intrigen durchsetzt, endet dann aber doch noch überraschend mit einem Happy End, so wie das damals in großen Opern üblich war. Cimarosas Musik bezaubert durch wunderbare Arien und Duette, welche von den Solist/innen große Virtuosität verlangen.

La Cetra Barockorchester/ L‘Olimpiade/ Foto: Jenny Islinger/La Cetra Basel

Es ist einmal mehr gelungen, ein Solistenensemble zusammenzuführen, welches diesen Herausforderungen gewachsen war und zusammen mit dem exzellenten La Cetra Barockorchester unter der Leitung von Andrea Marcon vom Anfang bis zum Ende begeisterte.

Die baskische Sopranistin Jone Martinez als Aristea verfügt über eine bis in die höchsten Lagen perfekt sitzende Stimme und meistert virtuos die Koloraturen. Ihre Arie im zweiten Akt, begleitetet von Bettina Simon, Oboe, riss das Publikum zu einem spontanen Zwischenapplaus hin. Mit Daniela Mack als Megacle konnte man eine Mezzosopranistin erleben, welche das Publikum mit ihrer faszinierenden Stimme und überzeugenden Gestaltung dieser schwierigen Partie verblüffte. Das Duett von Aristea und Megacle am Ende des ersten Aktes war ein ganz besonders Highlight. An diesem Abend war sie eine überraschende Entdeckung und gewiss wird man von dieser sympathischen Sängerin noch viel hören.

Die Schweizer Sopranistin Chelsea Zürflüh konnte in der Rolle der Argene ebenfalls mit einer überzeugenden Leistung brillieren. Sie verfügt über eine helle und perfekt geführte Stimme und fügte sich wunderbar in dieses Ensemble ein. Aus den Niederlanden stammt die Mezzosopranistin Olivia Vermeulen. Sie sang die Rolle des Dieners Licida. Auch sie war eine Entdeckung erster Güte.

Mit den beiden Tenören Jorge Franco als Clistene, eine helle, sehr ansprechende und höhensichere Stimme und Marcello Nardis als Aminta, mit voller Energie vorgetragen, wurde ein Ensemble präsentiert, welches in jeder Hinsicht begeisterte.

Zurecht wurde am Ende des Konzerts allen Sänger/innen, für die an diesem Abend erbrachte Leistung symbolhaft eine Medaille verliehen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • La Cetra Barockorchester
  • Titelfoto: La Cetra Barockorchester/ L‘Olimpiade/ Foto: Jenny Islinger/La Cetra Basel
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