Konzert des Kammerorchester Basel am 3.9.2022: „Seelenverwandt“

Konzert Kammerorchester Basel/3.9.22/ Foto @ Guido Merki

Bei seiner Begrüßungsrede anlässlich des ersten Konzerts der Saison mit dem  Kammerorchester Basel konnte Geschäftsführer Marcel Falk dem Publikum erfreuliches verkünden. Nämlich, dass der Konzertsaal an diesem Abend komplett ausverkauft sei und dass auch die kommenden Konzerte bereits jetzt auf reges Interesse stoßen. Eine frohe Botschaft angesichts der noch immer schwierigen Zeit und ein starkes Zeichen der Wertschätzung, welche das Kammerorchester Basel nicht nur bei der lokalen Bevölkerung, sondern auch weit über die Landesgrenze hinaus genießt. Das liegt natürlich an der hohen Qualität des Orchesters. Aber ebenso ist es die Programmgestaltung, welche den Wünschen des anspruchsvollen Publikums entspricht.

 

Der Konzertabend stand unter dem Motto „Seelenverwandt“ und es kamen drei Werke von ganz unterschiedlichen Komponisten zur Aufführung. Den Anfang machte „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel. Dieses 1919 als Orchesterfassung uraufgeführte Werk wollte Ravel nicht nur als eine Hommage an François Couperin verstanden sehen, sondern an die gesamte französische Musik des 18. Jahrhunderts. Es waren seine Erlebnisse während der Kriegsjahre, welche den Komponisten zu diesem Werk inspiriert hatten. Obwohl das Wort „tombeau“ für Trauermusik steht, erklingen in diesem Werk durchaus auch fröhliche tänzerische Elemente, welche vom Einfallsreichtum des Komponisten zeugen. Bereits hier zeigte sich die große Spielfreude des Orchesters unter der Leitung des weltweit gefragten Dirigenten und Cembalisten Trevor Pinnock.

Kammerorchester Basel/3.9.22/ Foto @ Guido Merki

Ein wunderbares Wiedersehen/hören gab es mit der portugiesischen Pianistin Maria João Pires, welche auf eine große Karriere zurückblicken kann und heute nur noch selten im Konzertsaal zu erleben ist. Dass Wolfgang Amadeus Mozart ihr Lieblingskomponist ist und sie sich mit ihm seelenverwandt fühlt, ist bekannt. Daher überraschte nicht, dass sie für diesen Abend Mozart‘s „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 23 in A-Dur“ ausgewählt hatte. Für den großen Applaus des Publikums bedanktes sie sich mit dem 2. Satz aus dem Klavierkonzert Nr. 5 von Johann Sebastian Bach. Die Künstlerin beeindruckte nicht nur wegen ihres brillanten Klavierspiels und ihrer sensiblen Interpretation des Werkes, sondern auch wegen ihrer sympathischen Bescheidenheit. Ein berührender Auftritt.

Nachdem Charles Gounods Opern anfangs wenig Erfolg beschieden war, komponierte er zwei Sinfonien. An diesem Abend erklang die „Sinfonie Nr. 2 in Es-Dur“. Dieses bei der Uraufführung im Jahre 1855 von Publikum gut aufgenommene Werk erscheint heute zu unrecht eher selten auf den Konzertprogrammen. Das Werk besteht aus vier Sätzen. Dabei erleben wir Gounod‘s mitreißende Frische und Leichtigkeit. Wenn diese Sinfonie, wie an diesem Abend, mit derart viel Herzblut und Können wiedergegeben wird, dann wünscht man sich ein baldiges Wiederhören. Das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Trevor Pinnock bot eine Darbietung auf höchstem Niveau.

Mit der Zugabe von Rameaus amüsantem „La Poule“, arrangiert von Ottorino Resphighi, endete dieser vorzügliche Konzertabend.

 

Kammerorchester Basel

Maria João Pires, Klavier 

Trevor Pinnock, Leitung

Stadtcasino Basel, 3. September 2022

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Kammerorchester Basel
  • Titelfoto: © Guido Merki

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