GEFÜHL UND TEMPERAMENT – Konzert im Festspielhaus Bregenz

Orchesterkonzert Symphonieorchester Vorarlberg/Enrique Mazzola, M. Petit/
© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Konzert im Festspielhaus Bregenz Festtage

Symphonieorchester Vorarlberg Melissa Petit, Sopran

Enrique Mazzola, Dirigent

Sonntag, 16. August 2020

 

Leider waren auch die Festspiele in Bregenz von der Covid-19 Krise und den weltweiten Veranstaltungsabsagen betroffen. Alle Aufführungen auf der Seebühne und auch die Opernproduktion im Festspielhaus mussten annulliert werden. Umso erfreulicher ist, dass es gelungen ist, dennoch für eine Woche wieder Musik in die Stadt zu bringen. Trotz strengen Vorsichtsmaßnahmen haben sich viele Musikfreunde ermuntern lassen, die Vorstellungen zu besuchen.

Das heutige Konzert am Morgen im Festspielhaus Bregenz zeigte einmal mehr sehr deutlich, wie wichtig es für die Künstler ist, vor Publikum auftreten zu können. Kein Video, keine Tonaufnahme kann das Gefühl einer Liveaufführung ersetzen.

Orchesterkonzert Symphonieorchester Vorarlberg/Enrique Mazzola, M. Petit/© Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

Für die „Chants d‘Auvergne“ hätte man wohl keine bessere Sopranistin auswählen können, als Melissa Petit. Die junge in Südfrankreich geborene Sängerin ist mit der dortigen von den Vorfahren gesprochenen Provenzialisch-Okzitanischen Sprache vertraut. Wie aus einem Guss und dennoch nuancenreich erklang der Reigen von gefühlvollen Melodien. Ihre warme Stimme passte ausgezeichnet zu den Liedtexten. Man spürte förmlich, dass jedes Wort und jeder Ton von der Interpretin gelebt wurde. Dieser schönen Stimme hätte man gerne noch länger zugehört. Melissa Petit wurde durch das Symphonieorchester Vorarlberg unter der einfühlsamen Führung durch Enrique Mazzola begleitet.

Danach folgte die 7. Symphonie von Ludwig van Beethoven, welche schon bei der Uraufführung einer seiner grössten Erfolge war. Sie beinhaltet tänzerische Elemente und Lebensfreude, zugleich aber auch einen stilisierten Trauermarsch.

Unter Enrique Mazzola hat das Symphonieorchester Vorarlberg eine großartige Aufführung präsentiert. Jedes Detail wurde minutiös herausgearbeitet und es war ein Vergnügen, dem Dirigenten und seinen Musikern nicht nur zuzuhören, sondern auch zuzusehen. Das Orchester reagierte auf den kleinsten Fingerzeig. Dies fiel vor allem beim zweiten Satz auf, wo der Dirigent die Streicher zu feinsten Pianissimi hinführte. Die Freude über das musizieren vor Publikum war bei allen Ausführenden zu spüren und füllte den Saal mit viel positiver Energie.

Das Publikum bedankte sich mit Bravorufen und wurde beglückt in den sonnigen Tag entlassen.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / RED: DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Bregenzer Festtage im Festspielhaus
  • Titelfoto: Orchesterkonzert Symphonieorchester Vorarlberg/Enrique Mazzola, Dir./
    © Bregenzer Festspiele/Dietmar Mathis

 

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