Europäische Kulturpreisgala 2022 / Tonhalle Zürich

Paavo Järvi/Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Die Verleihung des Europäischen Kulturpreises ist stets ein sehr festlicher Anlass und ehrt mit dieser Auszeichnung Persönlichkeiten, Initiativen, Künstler und Institutionen für herausragende Verdienste und Leistungen zum Erhalt unseres europäischen Kulturerbes. Dieses Jahr fand die Gala zum ersten Mal in der Schweiz statt. In der neu renovierten Tonhalle Zürich hätte der Rahmen nicht glanzvoller sein können. Das festliche Publikum kam in den Genuss einer drei Stunden dauernden Show, die dank der vielen prominenten Gewinner und Gäste zu einem Highlight wurde. Durch das Programm mit Videoeinspielungen, Laudationes und Darbietungen der Gewinner führten charmant und professionell Sandra Studer und Axel Brüggemann. (Gala v. 24.09.2022)

 

 

Den Auftakt machte das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung seines Music Director Paavo Järvi mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper „Guillaume Tell“.

Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Der erste Preisträger des Abends war der Walisische Bassbariton Sir Bryn Terfel, welcher mit der Laudatio von Andreas Homoki, dem Zürcher Opernhaus Direktor, gelobt wurde und sich mit Wagners „Oh du, mein holder Abendstern“ für die Auszeichnung bedankte.

Mit der Cellistin Sol Gabetta wurde eine der vielseitigsten und begabtesten Musikerinnen unsere Zeit ausgezeichnet. Nicht nur als Solistin, auch als Lehrerin, Festivalgestalterin und Moderatorin erfreut sie sich größter Beliebtheit. Prof. Stephan Schmidt, seines Zeichens Direktor der Musikakademie Basel, fand viele lobende Worte für diese außergewöhnliche Persönlichkeit.

Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Sol Gabetta und das Tonhalle-Orchester erfreuten das Publikum mit der Fassung für Violoncello der Arie des Lenski aus der Oper „Eugen Onegin“.

Mario Adorf, welcher 1930 in Zürich geboren wurde und auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken kann, ist wohl niemandem ein Unbekannter. Iris Berben hielt eine emotionale Laudatio mit welcher die außerordentliche Vielseitigkeit und Karriere des Künstlers hervorgehoben wurden. Die Energie und Präsenz dieses großen Schauspielers sind beeindruckend.

Das Duo Dieter Meier und Boris Blank ist seit über 40 Jahren weltbekannt unter dem Namen „Yello“. Auch als Perfomance-Künstler und Filmemacher ist Dieter Meier ein Begriff. Der Pop-Pabst Hanspeter Kunzler fand genau die richtigen Worte, um diese beiden Künstler zu loben. Sie boten eine eigentümliche kurze Performance mit einer auf einem Handy spontan programmierten und bearbeiteten Tonfolge und unterhielten das Publikum bestens.

Niclas Castello gilt als Vordenker der plastischen Kunst, der mit seinem „Castello Cube“, einem 186 Kilo schweren Würfel aus 24 Karat Gold, große Aufmerksamkeit gewonnen hat. Die Laudatio für diesen Künstler hielt der Kunsthistoriker Dieter Buchhart.

Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Mit Camilla Nylund wurde eine Sopranistin geehrt, welche seit mehr als 25 Jahren die Opernwelt mit Ihrer beeindruckenden Stimme begeistert. Sie ist eine Künstlerin, die mit Herzblut agiert und sich stets gerne auch neuen Herausforderungen stellt. Gegenwärtig ist sie im Opernhaus Zürich in der Oper „Die Walküre“ als Brünhilde zu erleben. Ein Glück für das Haus, dass man sie auch für die weiteren Teile des Rings engagieren konnte. Matthias Schulz, der designierte Intendant des Opernhauses Zürich und ein großer Bewunderer der Sängerin, war der ideale Laudator. Mit launigen Worten bedankte sich Camilla Nylund und liess mit dem Richard Strauss-Lied „Morgen“ ihre Stimme im festlichen Saal erklingen.

Ein großer Star des Kinos und ein Schönheitsideal der 1960-er Jahre, Claudia Cardinale, wurde ebenfalls geehrt. Eine beeindruckende Persönlichkeit, welche auch in hohem Alter noch über eine starke Ausstrahlung verfügt. Sie hat mit allen Größen des Films gearbeitet und ist den Annalen des Films nicht wegzudenken. Maria Furtwängler lobte die Schauspielerin auch als Pionierin für die Rechte der Frauen. Sie ist bis heute als Unesco-Botschafterin aktiv. Gerührt bedankte sich Claudia Cardinale für die Ehrung.

Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Für seine stets exzentrischen Auftritte und seinen kompromisslosen Kampf für Freiheit der Musikkunst auf dem Europäischen Podium ist der Geiger Nigel Kennedy berühmt. Es gibt wohl keinen anderen Klassikkünstler, der mit seinem Auftrittsstiel, seine eigenständige Identität und Virtuosität so vehement zu verbinden versteht, wie dieser Musiker. Nach der Laudatio von Max Moor, welcher mit viel Humor die richtigen Worte fand, spielte Nigel Kennedy zusammen mit dem Tonhalle-Orchester eine Komposition von Ryuichi Sakamoto zum Film „Merry Christmas, Mr. Lawrence“. Das Orchester und Paavö Järvi boten eine großartige Interpretation dieses Stückes und begeisterten das Publikums aufs höchste.

Barbara Meier, die letztjährige Preisträgerin für Nachhaltigkeit, fand mit alarmierenden Zahlen zur Umweltverschmutzung die richtige Überleitung zum Preisträger Hannes Jaenicke. Er gehört zu den wichtigsten Aufklärern zu diesem Thema. Mit großem Engagement will er mit seiner Arbeit uns Zeitgenossen die Augen auf die katastrophalen Folgen unseres täglichen Tuns öffnen. Ein wichtiger Botschafter für die Rettung unserer Welt.

Europäischer Kulturpreis 2022 / Zürich

Ein weiterer Programmpunkt war die Verleihung des Preises an die Kultband „Die Toten Hosen“, welche seit 40 Jahren auf der Bühne stehen. Herrlich die Preisrede von Jan Weiler, welcher den Werdegang der Band mit viel Humor beschrieb. Der erstmalige Auftritt der Band mit dem Erfolgssong „Alles aus Liebe“ begeisterte Publikum liess die Halle beben. Wohl selten bekommt man eine solche Performance zu Gehör.

Der letzte Preisträger des Abends wurde von der Fernsehdirektorin Nathalie Wappler gelobt. Die Laudatio galt dem  Tonhalle-Orchester Zürich mit seinem Music Director Paavo Järvi. Dieses großartige und weltberühmte Orchester sorgt mit seiner Qualität und seiner Vielseitigkeit für einen neuen Zugang zur Musik und dies auch für junge und neue Zuhörer. Paavo Järvi ist ein Glücksfall für dieses Orchester. Mit der Ouvertüre „Le Corsaire“ von Hector Berlioz wurde dieser Eindruck bestätigt.

Was für ein Abschluss eines wirklich beeindruckenden Abends. Das Publikum bedankte sich mit einer Standing Ovation.

Man kann diese Veranstaltung auf YouTube ansehen.

 

  • Artikel von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Titelfoto: Europäischer Kulturpreis 2022
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