Elbphilharmonie: Galaabend mit Olga Peretyatko und Piotr Beczala – Sehnsuchtstrunken bis Walzerselig

Operngala mit Olga Peretyatko und Piotr Beczala /Foto Agentur

Schon das Programm dieser Operngala in der Elbpilharmonie lässt das Herz eines Opernliebhabers des italienischen und französischen Fachs höher schlagen. Werke von Verdi, Puccini, Gounod, Bizet, Massenet, Offenbach und Donizetti. Die Namen der beiden Protagonisten dann: Olga Peretyatko, Piotr Beczala sorgen endgültig dafür, dass man der Veranstaltung in einer Art Champagnerstimmung entgegensieht, die nicht nur von Leichtigkeit, sondern auch liebesseliger Melancholie, geprägt ist. (Galaabend v. 2.6.2019)

 

Die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung des aus Rom stammenden Dirigenten Sesto Quatrini, eröffnete den Abend mit der Ouvertüre zu Giuseppe Verdis Oper Luisa Miller. Quatrini und seinen Musiker gelingt es, uns sofort mit der mitreißenden Intelligenz dieses Stückes zu fesseln, das mit Variationen eines Themas verschiedenste Emotionen skizziert.

Die Arie des Rodolfo Quando le sere al placido, ist mehr noch als Luisas Lo vidi e’l primo palpito fester Bestandteil bei solchen Programmen. Beczała stand nicht einfach da und präsentierte. Nein, er suchte die Blicke des Publikums, auch derer die hinter dem Orchester saßen und webte den Zauber so nur noch enger. Olga Peretyatkos Stimme scheint mehr und mehr an Reife zu gewinnen ohne die Leichtigkeit zu verlieren mit der sie Spitzentöne, Koloraturen oder auch extra Triller singt und gleichzeitig ad hoc in die Rolle des verliebten jungen Mädchen schlüpft.

Das erste Duett unterstützte diese Überzeugung. Es stammte aus „La Traviata“:. Parigi, o cara Voller Innigkeit gestalteten beide diese kurze und doch musikalisch wie emotional so ergreifende Szene.

Olga Peretyako/RDM

Zuerst lyrisch und dann übergangslos temperamentvoll, bis extatisch ging es weiter mit La tregenda/ Hexensabbat, aus dem zweiten Akt von Giacomo Puccinis erster Oper Le Villi.

Doch noch vor der Pause ging es mit Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor hochdramatisch weiter. Wieder durften wir nicht nur zwei Arien und ein Duett hören, sondern drei Szenen mit durchleben. Traumhaft Peretyakos/Lucias Liebeserklärung Regnava nel silenzio aus dem 1. Akt der Oper. Auch versunken in Lucias Sehnen, während auch hier die Koluraturen und alle andere Töne aus ihr nur so heraus zu sprudeln schienen. Bei Beczalas/Edgardos Arie Tombe degli’avi miei bahnte sich Ergriffenheit ihre Bahn. Dass dies sich bei dem Duett Sulla tomba, noch steigerte, ist einfach einer Erwähnung wert.

Nach der Pause ging es im französischen Fach weiter. Georges Bizet schrieb neben Carmen auch die Oper Les Pêcheurs de Perles. In Me voilà seule dans la nuit dem Rezitativ und der Cavantine der Leila gleicht Peretyatko Stimme einer Feder, die von einer, an-, ab-, und erneut anschwellenden Brise, die Sinne des Hörers, einmal sanfter dann wieder etwas stärker, streichelt,

An diesem Abend, durften sie natürlich nicht fehlen: Romeo und Julia, das berühmteste Liebespaar der (Literatur-)Geschichte. Charles Gounod widmete sich diesen beiden auf die für ihn so typische Art, die dort wo seine italienischen Kollegen in Melancholie schwelgen, immer noch einen Hauch Sinnlichkeit mit einwebt.

Beczala brachte diese Mischung auf unvergleichliche Art zum Klingen, mühelos in der Lage sich der verliebten Verwirrtheit Romeos anzupassen, die in L’Amour! l’amour! Oui, Son ardeur zum Ausdruck kommt. In dem Liebesduett aus der Hochzeitnacht Nuit d’hyméné liessen Peretyatko und Beczala uns mitfühlen, zogen uns unaufhörlich in diesen Strudel musikalisch perfekter Leidenschaft.

Es folgte La fleur que tu m’avais jetée, die Blumenarie des Don José aus Georges Bizet Carmen Auch hier gelang es dem blendend disponierten Beczala das Publikum in den Bann des unglücklich Liebenden zu ziehen und gleichzeitig endgültig von seinen lyrisch-heldischen Tenorfähigkeiten zu überzeugen.

Jacques Offenbachs Oper Hoffmanns Erzählungen enthält viele Melodien voller Wehmut und Schönheit, Das lyrisch melancholische Lied Elle a fui, la tourterelle gab Peretyatkos nicht nur die Möglichkeit Töne in vollkommenen musikalischen Bögen durch die „Elphi“ schweben zu lassen, doch auch die Rolle, der Antonia zu skizzieren.

Die nächste Nummer war eine, die die Champangerlaune in den Vordergrund rückte: Die Ouvertüre zu Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt. Was sanft und lyrisch begann, endete dann feurig im berühmten Can-Can.

Piotr Beczala /copyright by Johannes Ifkovits

Toi! Vous! Das Duett zwischen Des Grieux und Manon aus dem dritten Akt von Jules Massenets Oper Manon beendete den offiziellen Teil des Abends. Zarte Piani, atemlose Staccati, leidenschaftliches Forte wurden auch hier geboten,

Zwar endete diese Szene mit einem befreit klingenden „Enfin“. Doch dies bezog sich, – wie schön-, nur auf das Duett selbst, das eben damit endete , dass des Grieux sich erneut zu Manon bekennt.

Der Abend selbst endete erst nach vier wunderbaren Zugaben: Juliettes Bekenntnis je veux vivre“ silbersprudeln durch Peretyatko zum Besten gegeben. Darauf folgte ein berührendes E lucevan le stelle. Beim Brindisi endlich, klatschte der gesamte Saal mit, bedurfte es auch einiger amüsanter Anläufe, bis Maestro und Sänger mit de Einsatz zufrieden waren. Wirklich Schluss war dann erst nach Lehars „Lippen schweigen …“ Wie schon beim Brindisi, tanzten die beiden Stars im Walzertakt um dann ein begeistertes Publikum in die laue Sommernacht zu entlassen.

 

 

  • Eindrücke des Galaopernabends von Birgit Kleinfeld / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Titelfoto: Elbphilharmonie / Foto @ Thies Rätzke

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