Deutsche Oper Berlin: Highlights im März 2020

Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel
Deutsche Oper Berlin, copyright: Leo Seidel

Der turbulenten 1920er wird derzeit viel und oft gedacht. Die Mischung aus politischer Spannung und selbstvergessener Vergnügungssucht der „Roaring Twenties“ scheint tatsächlich heute wieder spürbar zu sein – zumal hier in Berlin, wo schon vor einem Jahrhundert das Epizentrum des „Tanz auf dem Vulkan“ lag. Fast das ganze Jahrzehnt hindurch arbeitete in Kopenhagen – vermeintlich weitab vom Zeitgeschehen – der dänische Komponist Rued Langgaard an seiner einzigen Oper: ANTIKRIST, ein verrätselter Monolith, der ein merkwürdig hellsichtiges Zeugnis dieses schillernden, janusköpfigen Jahrzehnts ist. Zur Premiere am 21. März laden wir herzlich ein! 

 

Langgaard, 1893 in eine musikalische Familie geboren, wird in jungen Jahren als Orgel- und Klaviervirtuose in seiner Heimat gefeiert. 1913 bringen die Berliner Philharmoniker seine 1. Sinfonie zur Uraufführung. Als Langgaard 1923 ungefragt bei der Königlichen Oper in Kopenhagen seine Oper abgibt und um Aufführung bittet, trifft er auf Ablehnung. Vor allem das Libretto stößt auf Unverständnis, sodass er beginnt, den Text umzuarbeiten. Aus einer psychologischen Erzählung wird nun eine Art oratorische Revue. Inspiriert von apokalyptischen Bildern der biblischen Offenbarung des Johannes lässt Langgaard verschiedene Personifizierungen des Antichrists auftreten: „Der Mund, der große Worte spricht“, „Die Lüge“, „Die große Hure“, „Der Hass“, „Der Missmut“. Es ist ein sprachgewaltiges Libretto, das von Metaphern und biblischen Anspielungen nur so wimmelt – und wie kaum ein anderes Opernwerk der 1920er Jahre die Mischung aus Aufbruchs- und Endzeitstimmung dieses Jahrzehnts spiegelt. Regie führt der gefeierte junge Schauspielregisseur Ersan Mondtag, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Stephan Zilias.

Am 3. März laden wir zu einem Abend mit dem Langgaard-Forscher Bendt Viinholt Nielsen und Kammermusik von Langgaard und Zeitgenossen.

 

Enrique Mazzola / Photo by Eric Garault

Konzertante Premiere: Giacomo Meyerbeers DINORAH

Die Meyerbeer-Tage, in deren Rahmen die szenischen Produktionen von LES HUGUENOTS und LE PROPHETE in exzellenten Besetzungen gezeigt werden, finden ihre glanzvolle Ergänzung in der konzertanten Präsentation der DINORAH mit Rocío Pérez in der Titelpartie, Florian Sempey als Hoël und Philippe Talbot als Corentin. Die musikalische Leitung der Premiere am 4. März übernimmt – wie auch die der LE PROPHETE-Vorstellungen – der ausgewiesene Meyerbeer-Spezialist Enrique Mazzola.

Und es dürfte wohl einmalig auf der Welt sein, dass man an den drei aufeinanderfolgenden Tagen vom 6. bis 8. März mit LE PROPHETE, DINORAH und LES HUGUENOTS zwölfeinhalb Stunden Meyerbeer erleben kann.

 

Besetzungs-Highlights: AIDA und OTELLO

Unter dem Dirigat von Giampaolo Bisanti kehrt am 28. März die virtuos den ganzen Zuschauerraum bespielende AIDA-Inszenierung von Benedikt von Peter zurück auf den Spielplan (auch am 5., 10. und 18. April). Die Titelpartie interpretiert Sondra Radvanovsky, an ihrer Seite stehen Anna Smirnova als Amneris und Stefano La Colla als Radames.

OTELLO von Giuseppe Verdi, Deutsche Oper Berlin, copyright: Barbara Aumüller

Und in den OTELLO-Vorstellungen am 29. März, 1. und 4. April übernehmen Jorge de León die Titelpartie, George Petean Jago und Andrei Danilov Cassio. Die weltweit für ihre Mozart-Interpretationen gefeierte Sopranistin Federica Lombardi gibt ihr Rollendebüt als Desdemona, bei den Salzburger Festspielen 2020 wird sie in der DON-GIOVANNI-Neuproduktion von Teodor Currentzis und Romeo Castellucci Donna Elvira singen. Der US-Amerikaner James Conlon dirigiert erstmalig das Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Saison-Vorschau 2020/21

Am 10. März um 11 Uhr präsentieren Intendant Dietmar Schwarz und Generalmusikdirektor Donald Runnicles mit ihrem Team das Programm der Saison 2020/21. Ab dem selben Tag ist es auch für alle Interessierten online verfügbar.

 

  • Deutsche Oper Berlin
  • Titelfoto: AIDA von Giuseppe Verdi, Regie: Benedikt von Peter, Premiere am 22.11.2015, Deutsche Oper Berlin, copyright: Marcus Lieberenz

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