Juan Diego Flórez in Dortmund: „Vincerò!“

Konzerthaus Dortmund/Saal/Foto @ David Vasicek-pix123-fotografie

Mit der berühmten Arie des Kalaf aus der Puccinioper Turandot, „Nessun dorma…„, beendete Juan Diego Flórez sein mitreißendes Programm im Dortmunder Konzerthaus. Es war die letzte von mehreren Zugaben, ohne die ihn ein restlos begeistertes Publikum nicht gehen lassen wollte. Im Rahmen seiner „Viva-Verdi„- Tournee war dies sein einziges Konzert in NRW und es unterschied sich von den vorherigen dadurch, dass er in Dortmund nicht von einem Orchester, sondern von der Pianistin Cécile Restier am Klavier begleitet wurde. Es kann eigentlich unter dem Motto: „Juan Diego Flórez kam, sang und siegte!“ beschrieben werden, was dieser großartige Tenor seinen vielen Fans, darunter auch einige zugereiste „Flórezidos“ aus Peru, und dem gesamten Publikum im Konzerthaus geboten hat. (Bericht vom Konzert v. 31.1.2020)

 

Schon beim Betreten, der bis auf einen Konzertflügel leergeräumten Bühne des Dortmunder Konzerthauses, brandete ihm der Beifall entgegen. Und als der Begrüßungsapplaus beendet war, wandte er sich in deutscher Sprache an sein Publikum, begrüßte es und verkündete eine Programmänderung. Statt der zu Beginn geplanten Stücke von Gioachino Rossini gab es drei Lieder von Vinzenco Bellini. „Ma rendi pur contento„, „Vaga luna, che inargenti“ und „Vanne, o rosa fortunata“ – allesamt aus dem Liederwerk von Bellini Composizioni da Camera. Äußerst gefühlvoll dargeboten und ein glänzender Einstieg in sein Konzert. Juan Diego Flórez‘ Stimme scheint wie gemacht zu sein für diese drei selten zu hörende Stücke des italienischen Meisters. Zutiefst beeindruckend!

Danach ging es mit Gaetano Donizetti weiter. Zwei tenorale Glanzstücke dieses Komponisten standen mit „Una furtiva lagrima“ (L’elisir d’amore) und „Tombe degli avi mei„(Lucia di Lammermoor) auf dem weiteren Programm. Und auch hier bewies Flórez einmal mehr, weshalb er zu den besten Tenören der Welt gehört. Beide Arien gestaltete er zu wahren Gesangsperlen und brachte auch die jeweiligen Gefühle unmittelbar dem Publikum nahe. Natürlich auch hier viele Bravorufe und großer Beifall.

Giuseppe Verdi schloss dann den ersten Teil des Abends ab. Dort sang er zunächst die wunderschön melodische Arie „O dolore“ aus Verdis früher Oper Attila und dann „Lunge da lei…De‘ miei bollenti spiriti…O mio romorso„, die Arie des Alfredo aus La Traviata. Während erste eher selten zu hören ist, war natürlich die Traviata-Arie dem Publikum wesentlich präsenter. Unnötig zu erwähnen, dass er beide Arien mit seiner Stimme nahezu veredelte. Bei der Arie des Alfredo riss es das Publikum förmlich von den Sitzen, so dass Juan Diego Flórez die abschliessende Cabaletta (O mio rimorso) – ein wenig von Applaus unterbrochen – zeitversetzt singen und mit einem beeindruckenden hohen C krönen konnte. Großartig! Bravorchor aus dem Publikum!

Nach der Pause ging es dann mit Franz Lehár und drei Arien weiter. Zunächst das schmachtende „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem „Land des Lächelns“, es folgte „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ aus „Paganini“ und endete mit „Freunde, das Leben ist lebenswert“ aus „Giuditta“. Wie alle anderen Arien und Stücke des Abends, in der Originalsprache gesungen und auf seine sehr charmant-sympathische Art auch darstellerisch vorgetragen. Das Publikum feierte ihn danach!

Ein weiterer Höhepunkt wurde dann die Arie „Pourquoi me réveiller“ aus der Oper „Werther“ von Jules Massenet. So innig vorgetragen, so voller Stimmschönheit, habe ich diese Tenorarie seit Langem nicht mehr live in einem Opernhaus oder Konzertsaal gehört. Besonders im eher intimen Zusammenspiel mit Klavier erfuhr diese Arie ein spürbares Mehr an Emotionalität und Wirkung. 

Französisch ging es dann mit der Blumenarie des Don Jose aus „Carmen“ von Georges Bizet weiter. Und auch hier brillierte Juan Diego Flórez mit großer, unheimlich gefühlvoller Stimme und bescherte dem Publikum beim abschliessenden „Et j’étais une chose à toi,  Carmen, je t’aime!“ ein Gänsehautgefühl. Das Ganze wurde dann noch zusätzlich verstärkt durch das dann folgende Klavierstück „Extase“ von Bizet, welches Cécile Restier höchst eindringlich interpretierte. Auch für sie große Anerkennung, nicht nur als vortreffliche Klavierbegleitung, sondern auch für die Solostücke, die sie an diesem Abend dem Publikum am Flügel präsentierte.    

Giacomo Puccini und seine unsterbliche Oper „La Bohème“ beendeten dann den offiziellen Teil des Konzertes. Mit einer der berühmtesten Tenorarien überhaupt, „Che gelida manina„, bewies Florez dann noch einmal seine große gesangliche Klasse. Der Jubel des gesamten Konzerthauses war ihm sicher.

Und selbstverständlich warteten die Fans auf Zugaben. Und Juan Diego Flórez war dabei in absoluter Geberlaune. Zunächst kehrte er auf die Bühne zurück und beglückte das Publikum mit bekannten südamerikanischen Liedern („Ay, ay, ay, ay Canta y no llores – Cielito lindo“ und „Cucurrucucú Paloma„) und begleitete sich selbst dabei mit seiner Gitarre. Die vielen Fans von ihm kennen und lieben das bereits. Aber auch der Teil des Publikums, der womöglich zum ersten Mal diesen Ausnahmetenor live erlebt haben, war hingerissen. 

Und auch das war es noch nicht. Eine Arie sollte noch kommen. Zusammen mit der ihn wunderbar und kongenial am Flügel begleitenden Pianistin Cécile Restier gab er noch eine allerletzte Zugabe: Mit einem schmetternden und lautstark umjubelten „Nessun dorma-VINCERO!“ entliess er sein Publikum in die Dortmunder Nacht! 

 

  • Konzertbericht von Detlef Obens / DAS OPERNMAGAZIN
  • Juan Diego Flórez / Homepage
  • Titelfoto: Juan Diego Flórez / Foto ©Gregor Hohenberg-Sony-Music-Entertainment

 

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