DAS “LIEBE” GELD! – Premiere von GIANNI SCHICCHI / Theater Basel

Theater Basel/GIANNI SCHICCHI/Foto @ Theater Basel

GIANNI SCHICCHI
Oper von Giacomo Puccini
Theater Basel
Premiere 3. Juni 2021
Eine OperAvenir Produktion, aufgeführt in einer Basler Privatwohnung

Als ich schon vor längerer Zeit das erste Mal von diesem Projekt gehört hatte, konnte ich mir nicht konkret vorstellen, wie sich die Oper in privaten Wohnungen von Opernfreunden, welche den intimen Rahmen ihrer Räumlichkeiten für die Aufführung zur Verfügung gestellt haben, inszenieren lässt.

 

Am Eingang wird man von einer Hausangestellten der Familie Donati empfangen und zur Wohnung begleitet. Dort waren die Handlungspersonen der Oper bereits als Familienmitglieder anwesend und platzierten die Gäste rund um das Krankenlager. Sofort fühlte man sich als Teil dieser Gesellschaft in das Geschehen eingebunden.

Bis zum Beginn der Musik vergehen einige Minuten, welche die Atmosphäre der Intimität im Raum noch verstärken.

Theater Basel / GIANNI SCHICCHIT Foto @ Theater Basel

Bei dieser Interpretation der Oper beginnt die Handlung nicht am Totenlager des Hausherrn Buoso Donati, sondern wir werden Zeugen, wie in einem Moment, als sich Rinuccio allein im Raum befindet, dem Ableben kräftig nachgeholfen wird. Sofort nachdem festgestellt wurde, dass dieses Leben beendet ist, erwacht bei der Gesellschaft die Habgier. Jeder kann nicht genug bekommen, heuchelt und versucht den anderen zu überlisten. Buoso Donati’s Testament wird gesucht und schliesslich auch gefunden, doch dieses entspricht in keiner Weise den Vorstellungen der Familie, denn der gesamte Nachlass soll gespendet werden.

Die Handlung wird noch komplizierter, denn Rinuccio ist in die Tochter von Gianni Schicchi  verliebt und will diese unbedingt heiraten. Ohne Geld geht dies aber nicht. Da kommt man auf die Idee, dass da nur einer helfen kann, nämlich Gianni Schicchi. Dieser wird gerufen, damit er sich das Testament ansehen möge. Er weiss aber zunächst keinen Rat. Da entdeckt er eine Lücke. Da niemand bis jetzt etwas vom Ableben von Buoso Donati erfahren hat, stellt sich an dessen Stelle Gianni Schicchi zur Verfügung, gegenüber dem Arzt und dem Notar mit verstellter Stimme und im Bett des verstorbenen Hausherrn liegend, sowie zeitgemäss mit Schutzmaske verdecktem Gesicht, dem Notar ein neues Testament zu diktieren. Jeder der Anwesenden versucht, mit heimlichen Angeboten Gianni zu bestechen. Da mahnt er alle zur Ruhe und weist darauf hin, dass Testamentsfälschung mit lebenslanger Haft und dem Verlust einer Hand bestraft werde und dass dies für alle Beteiligten gelte.

Der Notar erscheint und merkt nichts von diesem Betrug. Zuerst vermacht der vermeintliche  Buoso Donati jedem seiner Familienangehörigen ein Haus und Geld. Doch die wirklich grossen Werte werden zum totalen Entsetzen der Familienmitglieder “seinem besten Freund” Gianni Schicchi vererbt. So auch das Haus, in welchem sich alle befinden. Spürbar baut sich eine Wut auf, aber solange der Notar noch anwesend ist, kann man sich nur sehr schwer zurückhalten. Als dieser dann aber das Haus verlassen hat, fallen alle über den Betrüger her. Dieser jedoch verweist alle des Hauses, denn dieses gehöre ja nun ihm. Im allgemeinen Durcheinander wird noch schnell dieses und jenes unter den Arm geklemmt und dann verlassen die aufgebrachten Verwandten das Haus. Nur Rinucchio und Lauretta bleiben zurück. Schicchi will auch diese beiden aus dem Haus weisen, doch seine Tochter folgt ihm und so steht er am Ende alleine da.

Diese ganze Komödie erlebt man hautnah und sitzt mitten im Geschehen, was für eine spezielle Aufführung. Die Mitglieder des Opernstudios OperAvenir, meistern diese Aufgabe hervorragend.

Theater Basel / GIANNI SCHICCHIT Foto @ H. Vida

Mkhanyiseli Mlombi als Simone, Alex Banfield als Rinuccio, Ena Pongrac als Zita, Stefanie Knorr als Nella, Kyu Choi als Marco und Vivian Zatta als Dr. Spinelocchio und als Notar Amantio di Nicolao, bildeten mit Andrew Murphy  als Gianni Schicchi und Kali Hardwick  als Lauretta, ein überaus überzeugendes Ensemble, welches mit viel Engagement und tollen Stimmen, aber auch schauspielerisch brilliant diesen Abend zum Erlebnis machten.

Die musikalische Leitung oblag dem Leiter des Opernstudios und Pianisten Hélio Vida, welcher einmal mehr sein großes Können bewiesen hatte und die ganze Aufführung souverän begleitete.

Die Inszenierung von Caterina Cianfarini welche mit vielen Details, die in diese Privatwohnung integriert wurden, eine authentische Atmosphäre schuf, arbeitete zusammen mit Marion Menziger. Die Kostüme wurden von Julia Stöcklin ausgewählt.

Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus bei allen Mitwirkenden und man war sich einig, das war ein ganz besonderer Abend! Kreativität pur!

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Theater Basel / Stückeseite
  • Titelfoto: Theater Basel / GIANNI SCHICCHI/ Mkhanyiseli Mlombi, Ena Pongrac, Stefanie Knorr, Kyu Choi, Alex Banfield/Foto @ Theater Basel

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