Bayreuther Festspiele: Eine „Walküre“ auf Irrwegen

Bayreuther Festspiele 2025/DIE WALKÜRE/Michael Spyres, Jennifer Holloway, Kinderstatisterie der
Bayreuther Festspiele/
Foto © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Einer der Gründe, warum „Der Ring des Nibelungen“ auch inhaltlich für anhaltende Faszination sorgt, ist wohl die Tatsache, dass es sich trotz oder vielmehr gerade wegen der allzu menschlichen Götter und Gestalten um „ein Drama der Gegenwart und nicht eines aus ferner und sagenhafter Vorzeit“ handelt. Wie viele Mythen vermag es auch Wagners Tetralogie, im Gewand einer sagenhaften Geschichte von grundlegenden gesellschaftlichen Dynamiken und (zwischen)menschlichen Problemen zu erzählen, sodass ihr Kern in jeder Gegenwart von Bedeutung, somit überzeitlich, zeitlos ist. Diese Aussagekraft des „Rings“, auch seine vielfältige Symbolhaftigkeit sind für Regisseure ein Paradies, in dem man sich inhaltlich wie gestalterisch austoben kann. Ob man die Handlung des „Rings“ als Kapitalismuskritik im Sinne der Revolution verstehen will, wie es Bernard Shaw, Autor der zitierten Zeile, bereits vor über hundert Jahren tat, Aspekte der Naturausbeutung hervorhebt, den Fokus auf die problematische Familienkonstellation legt oder die zwischenmenschlichen Beziehungen und Bestrebungen auf elementarste Weise in den Vordergrund rückt – all dies, und vieles mehr, ermöglicht einem der schier unendliche Reichtum, den der „Ring“ in sich birgt. Regisseur Valentin Schwarz hatte, wie er selbst schreibt, die Intention, ausgetretene Wege zu verlassen und Neues im Dickicht zu entdecken. Auch im vierten Jahr seiner Bayreuther Inszenierung gelangt man jedoch zu dem Eindruck, er habe nicht nur bekannte Wege innerhalb der Tetralogie, sondern den gesamten Wald verlassen und neue Straßen gepflastert, die sich zwar gelegentlich kreuzen, letztlich aber immer weiter auseinander und von dem, was Wagner sich hier in höchster Komplexität erdachte, wegführen. Dass es jedoch gerade lohnend sein kann, bekannte Wege feinfühlig neu zu entdecken, zeigte hingegen Simone Young, die gemeinsam mit der überzeugenden Besetzung trotz Irrwegen und Sackgassen der Regie für eine musikalisch höchst bewegende „Walküre“ sorgte. (Rezension der besuchten Vorstellung v. 16. August 2025)

 

 

Unsichere Vaterschaft in mafiöser Familiendynastie

Der Grundgedanke, den „Ring“ als Geschichte einer modernen Familiendynastie mit rivalisierenden Brüdern und zahlreichen mafiösen Geschäften zu erzählen, ist durchaus überzeugend. Dabei ist vor allem die Fokussierung auf das Thema der Nachkommenschaft, somit zugleich der Zukunftsfähigkeit der Familie und ihrer Macht interessant, sie erinnert an Serien wie „Gomorrha“ oder „Succession“. Doch bereits im „Rheingold“ führt dieses Konzept zu einer fatalen Einengung des Symbols eben jenes zum Reif geschmiedeten Goldes, da es von Valentin Schwarz weder als Edelmetall noch als Macht über die Welt bringender Ring dargestellt wird, sondern als Kind – Hagen, der zum mächtigen Nachfolger desjenigen, der über ihn verfügt, erzogen werden soll. Am letzten Abend wird sichtbar, dass man diese Interpretation wohl nicht zu Ende führen konnte, sobald Hagen auch bei Wagner als Figur auftritt, weshalb die Identität des Rings plötzlich zum eigentlich nicht existierenden Kind Siegfrieds und Brünnhildes wechselt. Es ist ein großer Vorteil der „Walküre“, dass dieser wesentliche Teil der Gesamthandlung nicht im Vordergrund steht, sondern lediglich in Wotans Erzählung an Brünnhilde erwähnt wird, denn so lässt sich diese sich nicht zu einem schlüssigen Konzept zusammenfügende Neugestaltung zumindest vorübergehend ausblenden. Jedoch begegnet man sehr rasch einer weiteren die Nachkommenschaft betreffenden Änderung des Schwarz’schen Irrgartens: Sieglinde ist bei Ankunft ihres Zwillingsbruders bereits hochschwanger, auch wenn er das Kind später als das seine annimmt, blüht hier nicht das Wälsungenblut, das eigentlich blühen sollte. Später wird die wahre Vaterschaft dieses „hehrsten Helden“, der übrigens geboren wird, bevor Brünnhilde seine im Schoß gehegte Heldenidentität – zu diesem Zeitpunkt eigentlich ein noch präsentischer Zustand – verkündet, angedeutet: Nicht Hunding, ein ärmlich lebender Mitarbeiter des Wotan-Clans, der Fricka als seine Fürsprecherin wählt, ist es, sondern eben jenes Oberhaupt selbst. Dies führt zwar zu einer starken, wenn auch unangenehm anzusehenden Szene, bei der Wotans übergriffige Bedrängung der vor Wehen fast bewusstlosen Sieglinde im dritten Aufzug mit ihrem Satz „Kehrte der Vater denn heim?“ korreliert, allerdings auch zu der Frage, warum Fricka angesichts dessen so aufgebracht ist, dass sie Siegmund, den in diesem Konstrukt deutlich weniger Schuld als Wotan trifft, töten lassen will. Das Kind wurde zwar ebenso im Ehebruch gezeugt, aber bei all dem ehebrecherischen Verhalten ihres Mannes verwundert es doch, dass dieser eine Fehltritt unter vielen sie noch so in Wut versetzen soll. Von den Folgen für die Identität Siegfrieds noch ganz abgesehen, stellt sich bereits am ersten Abend die Frage, worin der Mehrwert, die tiefere Bedeutung dieser grundlegenden Abänderung der in sich bereits klug und ausreichend komplex erschaffenen Tetralogie liegen soll.

 

Die Entzauberung der mythischen Welt

Bayreuther Festspiele 2025/DIE WALKÜRE/ Foto © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Zu Beginn des zweiten Aufzugs werden sodann verfrüht die Walküren als exaltierte, rein auf Äußerliches und Theatralität fokussierte Mitglieder der Familie vorgestellt – und zwar als Trauernde an Freias Sarg. Diese nahm sich nach den traumatischen Ereignissen des Vorabends das Leben, was psychologisch durchaus nachvollziehbar ist, aber die Frage aufwirft, ob die Götter etwa einen fähigen Gärtner an ihrer statt gefunden haben oder dem Erhalt der jugendlichen Kraft angesichts des nahenden Endes ohnehin keine Bedeutung mehr zusprechen. Solche Ergänzungen wirken auf den ersten Blick zwar wie innovative Ideen, führen allerdings sofort zu weitreichenden Folgen, die im Gesamtkonzept nicht gleichermaßen mitberücksichtigt werden oder sich in ihrer Bedeutung dem Publikum zumindest nicht erschließen – selbst nach Lektüre der neu erzählten „Ring“-Fassung im Programmheft nicht. Das Wesen der Walküren wird bei ihrem Ritt, der hier keiner ist, näher beleuchtet. Anstatt gefallene Helden nach Walhall zu führen, widmen sie sich lieber der Selbstoptimierung durch Schönheitsoperationen, den neuesten Kleidern und Handtaschen und ihrer Präsentation im Internet – bereits Brünnhilde inszenierte ihren ersten Auftritt als Erstellung von neuem Content für ihre Social Media Kanäle. Wotans entrüstetes „Weichherziges Weibergezücht!“ erscheint angesichts dieser für den Kampf absolut ungeeigneten Walküren durchaus passend, allerdings ist es fraglich, ob der in Rage gewählte Ausruf als zutreffende Beschreibung seiner Wunschmädchen verallgemeinert werden sollte. Wenn man allerdings berücksichtigt, wie Walhall in dieser Inszenierung konzipiert ist, nämlich als luxuriöse Villa der Familie, die bereits vor Vollendung des ewigen Werks besteht, wird diese Charakterisierung der Walküren immerhin ein wenig schlüssiger, schließlich sind diese wohl eher in der Lage, Männer zu verführen und als Diener im Haus zu verpflichten, als kriegerische Frauen auf wilden Pferden. Damit ist jedoch ein weiterer Punkt des Regiekonzepts angesprochen, der dem „Ring“ gewissermaßen seine mythische Kraft nimmt und damit den Reichtum seiner assoziativen, über das aus unserer Welt bekannte Konkrete hinausreichenden Sagenwelt drastisch reduziert. Da die Götter nicht nur menschlich, sondern einfach Menschen sind, gibt es auch kein Walhall im eigentlichen, das Weltliche transzendierenden Sinne, sondern stattdessen eben nur eine modern eingerichtete Villa, in der sämtliche „Götter“ zu wohnen scheinen – wie im „Rheingold“ zu sehen ist, allesamt keine besonders erfreulichen Zeitgenossen. Es wäre wohl kein besonders erstrebenswerter Dank, wegen großer Heldenhaftigkeit dorthin geführt zu werden, ebenso erhielte Siegmund dadurch einen weiteren triftigen Grund, der Ankündigung seiner Zukunft in Walhall zu widersprechen. Doch nicht nur Walhall als göttliches Prachtgemäuer, das weit mehr ist als das tatsächliche Gemäuer, existiert nicht, sondern sämtliche über das Empirische hinausreichenden, den Mythos erst mythisch machenden Elemente wurden abstrahiert, bis eine Geschichte übrig blieb, die zwar die Gestalt der Gegenwart trägt, aber weniger die Kraft hat, ein Drama der Gegenwart zu sein, als der „Ring“ es in seiner eigentlichen Form könnte. Auch die meist in Rückschau erzählten Ereignisse, so etwa Siegmunds Bericht aus seiner jüngeren Vergangenheit, bilden textlich durch diese modernistische Verkürzung eine starke Diskrepanz zum Gezeigten, sodass sich die Frage stellt, wie jene erinnerten Geschehnisse wohl innerhalb dieses Konzepts vorzustellen seien. Am Ende brennt auch kein Feuer, wenn überhaupt ließe sich ein von Brünnhilde zu unterzeichnendes, durch Familienanwalt Loge vertraglich geregeltes Kontaktverbot hinzudenken, denn sie wird lediglich aus dem Anwesen verbannt und muss künftig allein in nur geringfügig weniger luxuriöser Umgebung leben. Immerhin entspricht dieser Entgöttlichung der Götter das Ausbleiben des Todes Hundings – dieser Wotan kann nämlich schon froh sein, wenn sein Befehl, zu gehen, tatsächlich befolgt wird.

 

Ein treuer Weggefährte für Brünnhilde, die Scheidung für Fricka

Besonders bedauernswert werden die zahlreichen Wegänderungen dieser Inszenierung, die häufiger in Sackgassen als zu neuen, interessanten Topoi führen, angesichts des vorhandenen Potenzials in Bühnenbild und Dramaturgie. Ersteres gestaltete Andrea Cozzi äußerst ansprechend und mit hoher Qualität, wobei besonders die von oben kommenden oder in den Hintergrund geschobenen Räume für gelungene Szenenwechsel sorgen und gleichermaßen geschickt Rückblenden darzustellen vermögen. Im Laufe des gesamten „Rings“ werden einige Elemente, auch ganze Raumstrukturen wiederverwendet, jedoch mit leichten Abänderungen, was dem Geschehen zumindest optisch eine Kontinuität verleiht, wenngleich es inhaltlich nicht immer über Plausibilität verfügt. Auch die aufwändigen Kostüme von Andy Besuch, changierend zwischen modernen Anzügen und extravaganten, leicht mythologisierenden Kleidern, passen hervorragend zu den gezeichneten Charakteren. Ebenso sind dramaturgisch (Konrad Kuhn) kluge, berührende Momente zu entdecken, sowohl im Zusammenspiel der Figuren als auch in einzelnen Details, etwa wenn Sieglinde im Obergeschoß des heruntergekommenen Hauses die pyramidenförmige Schatulle von Notung – dem Revolver, wohlgemerkt – öffnet und deren Strahlen den Raum gemäß „Was gleißt dort hell im Glimmerschein?“ erfüllen lässt. Diese punktuelle direkte Umsetzung des Textes lässt einen jedoch auch wundern, warum eben dieser sonst größtenteils außer Acht gelassen wird. Durchaus berührend ist die als Rückblende dargestellte Kindheit Siegmunds und Sieglindes, in der sie einander bereits in kindlich liebender Weise zugetan waren, am Ende des ersten Aufzugs, wenn das Zwillingspaar sich gegenseitig er- und die Liebe zueinander bekennt. Manche Darstellungen oder Ergänzungen des Wagner’schen „Rings“ stellen zudem tatsächlich eine innerhalb des Konzepts stimmige und an sich interessante Interpretation dar. Da die hier präsentierte Brünnhilde mit einem Pferd wohl wenig anfangen könnte, ist Grane stattdessen ein treuer, liebevoller Diener und persönlicher Assistent, ausgezeichnet gespielt von Igor Schwab. Eine besonders reizvolle Idee ist die zum Feuerzauber gezeigte Trennung Wotans von Fricka, die eigentlich in versöhnender Absicht mit ihrem Mann anstoßen möchte. Er ist jedoch nicht in der Stimmung für Champagner, sondern wirft ihr seinen Ehering ins Glas, bevor er sich, ihren Hut aufsetzend, abwendet und seiner Zukunft als Wanderer entgegenschreitet. Dieses überraschende Ende widerspricht nicht nur nicht der Beschreibung des beim Weltenbrand versammelten Rates der Götter, von dem die Frauen bekanntlich, und fatalerweise, ausgeschlossen sind, sondern entspricht auch der Empfehlung, die Wotan und Fricka wohl von jedem Paartherapeuten erhalten würden.

 

Prima la musica e le parole…

Bayreuther Festspiele 2025/DIE WALKÜRE/ Tomasz Konieczny, Catherine Foster/ Foto © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Ein Werk wie Wagners „Walküre“ hält jedoch viel aus, vor allem wenn die Musik, genauso erzählendes Element wie das Bühnengeschehen, auf so feinfühlig differenzierte, emotional abwechslungsreiche und transparent gestaltete Weise erklingt wie unter dem Dirigat von Simone Young. Im besten Sinne unaufgeregt führt sie das Festspielorchester durch die an Ausdruck reiche Partitur und lässt dabei stets vernehmen, wie sehr sie mit allen Details des Werks vertraut ist. Anstatt auf übertriebene Dramatik oder überwältigende Dynamik zu setzen, konzentriert sich Young auf sensible Differenzierung sowie gekonntes Ausloten der unterschiedlichen Klangfarben und vermag es dadurch, eine höchst einfühlsame und Einfühlung ermöglichende „Walküre“ hören zu lassen. So ist alles in diesem Werk Enthaltene, von spannungsgeladener Vehemenz über vor Sehnsucht und Liebe überwältigende Passagen bis hin zu den zutiefst bewegenden Abschieden, die beinahe die Hälfte der Oper ausmachen, auf intensive, jedoch nie übertriebene Weise zu spüren. Dies lässt einen in die eigentliche Welt dieses Werks eintauchen und dabei fast ausblenden, was auf der Bühne gezeigt wird. Ebenso beeindruckend erwies sich die Besetzung des Abends. Michael Spyres beweist nach seinem Debut als Walther von Stolzing nun auch, wie sehr ihm die Partie des Siegmund liegt. Durch den äußerst breiten Tonumfang ist sein (Bari-)Tenor stets gut fundiert, nie wird es zu hell oder stählern, stattdessen erklingen auch die kraftvollen, strahlenden Passagen immer mit einer leicht dunklen Färbung. Gleichzeitig verfügt Spyres über eine große Leichtigkeit, die es ihm ermöglicht, die träumerischen Passagen über Liebe und Lenz auf eben diese Weise zu gestalten. Besonders berührend gelingt ihm jedoch auch der tieftraurige, durchaus vehemente zweite Aufzug, womit er beweist, über welch große Gestaltungskraft und Vielfältigkeit er verfügt. Als Sieglinde ist ihm Jennifer Holloway mit glockenheller Stimme und dennoch starkem Ausdruck ebenbürtig. Auch sie beweist eine hohe Flexibilität im Ausdruck und überzeugt vor allem mit innigen Tönen, die nur an wenigen Passagen durch großes Vibrato etwas verwaschen klingen. Ihr eigentlicher Mann Hunding wird von Vitalij Kowaljow bedrohlich und grob verkörpert, wozu seine starke, intensive und im Ton überaus volle Stimme hervorragend passt. Christa Mayer zeigt eine angemessen strenge Fricka im Chanel-ähnlichen Kostüm, die diese Strenge und die Entrüstung angesichts der nicht nachvollziehbaren Aktionen ihres Mannes auch stimmlich zum Ausdruck bringen kann, sodass man allein aufgrund ihres eindringlichen, scharfen Tons nicht an Wotans Stelle sein mag. Sehr eindrücklich erklingen allerdings vor allem die wenigen sanften, gefühlvolleren Stellen, so vor allem jene, in der sie ihren Gemahl auf die der „ew’gen Gattin heilige Ehre“ hinweist. Catherine Foster ist, abgesehen von ihrem intonatorisch unsicheren ersten Einsatz im zweiten Aufzug, nach wie vor eine überzeugende Brünnhilde, die mit glänzendem Klang und selbstbewussten Tönen ein eindrückliches Portrait der Walküre zeichnet. Doch auch bei Foster sind es die innerlichen, verletzlichen Passagen der Auseinandersetzung mit Wotan, die besonders berühren. Eben jener Wotan findet in Tomasz Konieczny einen herausragenden Darsteller, selten ist die innere Entwicklung dieses Gottes auf so hoch emotionale, bewegende Weise zu sehen und zu hören. Auch er verfügt über eine große Brandbreite an Klangfarben, die er zu starker, mitreißender Gestaltung nutzt. Gerade angesichts dieser Emotionalität und seiner grundsätzlich strahlenden Klangfarbe sind Koniecznys Vokalfärbungen schade, die zu einem leicht nasalen Ton und einer Beeinträchtigung der Textprägnanz führen. Dass er auch anders kann, beweist er besonders im dritten Aufzug, was allerdings wünschen lässt, es wäre im gesamten Stück der Fall. Die acht Walküren erklingen durch Catharine Woodward, Brit-Tone Müllertz, Margaret Plummer, Christa Mayer, Dorothea Herbert, Alexandra Ionis, Marie Henriette Reinhold und Noa Beinart äußerst klangstark und sowohl intonatorisch als auch in der Gestaltung fein aufeinander abgestimmt. Bei geschlossenen Augen würde man deutlich tiefgründigere, wildere und beeindruckendere Walküren vermuten, als jene, die auf der Bühne zu sehen sind.

 

e purtroppo la messa in scena

Angesichts des vorhandenen handwerklichen und auch konzeptuell-gedanklichen Potenzials ist es bedauerlich, dass das groß angelegte, das Werk in manchen Handlungssträngen gänzlich umdeutende Konzept der Inszenierung letztlich nicht aufgeht, sondern zu rätselhaften Irrwegen führt, die sich nicht sinnvoll miteinander verbinden lassen. Dabei gelingen zwar berührende Momente und innovative, anregende Akzentsetzungen, die jedoch einsam herausstechen aus einer insgesamt mehr verwirrenden als erhellenden Interpretation. Anstatt neue, die schier unendliche Weite des „Rings“ auslotende Perspektiven zu eröffnen, werden eher Reflexionen über Möglichkeiten und notwendige Grenzen der Regie angeregt, die letztlich zu der Überlegung führen, welchen Mehrwert eine in sich nicht kongruente, nur vermeintlich Sinnerweiterung bringende Neuschreibung wesentlicher Handlungselemente hat. Auch bei wohlwollendem Versuch, sich auf das gezeigte Geschehen einzulassen, und dem Zugeständnis einiger gelungener Aspekte, bleibt am Ende der Aufführung die knappe Frage: Cui bono? Gleichzeitig weiß man eben diese Frage aber auch zu beantworten: Es nützt auf kuriose Weise der Musik, die umso mehr hervorsticht und die volle Aufmerksamkeit auf sich lenkt, wenn sie von Orchester wie Sängerensemble auf so spannungsgeladene, bewegende Weise erklingt und dabei die „Walküre“ präsent werden lässt, in deren Erwartung man wohl das Festspielhaus betreten hat.

 

  • Rezension von Elena Deinhammer / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Bayreuther Festspiele 2025 / Stückeseite
  • Titelfoto: Bayreuther Festspiele 2025/DIE WALKÜRE/Catherine Foster (Brünnhilde), Christa Mayer (Fricka), Tomasz Konieczny (Wotan), Statisterie der Bayreuther Festspiele/Foto © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath
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