Ballett Zürich: Entfesselt! – Premiere von «FORSYTHE»

Ballett Zürich / FORSYTHE/ The second Detail/Foto @ Gregory Batardon

Vor wenigen Tage hat William Forsythe seinen 70. Geburtstag gefeiert und das Opernhaus Zürich hat dies zum Anlass genommen und hat diesem außergewöhnlichen und weltweit gefeierten Choreographen einen ganzen Abend mit dreien seiner Werke gewidmet. William Forsythe gilt als einer der markantesten Persönlichkeiten in der Tanzwelt und hat während seiner langen Laufbahn einen ganz eigenen Tanzstil entwickelt. An dieser Stelle sei auf das interessante Gespräch im Programmheft und auch auf der Opernhaus-Website hingewiesen, welches der Dramaturg Michael Küster mit dem Choreographen geführt hatte. (Rezension der Premiere vom 11.1.2020)

 

Der Abend begann mit einem Werk aus dem Jahre 1991 «The Second Detail», welches wie die beiden folgenden Choreografien, seine Schweizerische Erstaufführung erlebte. 6 Frauen und 7 Männer tanzen vor einer Hockerreihe in kleineren und stets wechselnden Formationen und gestalten immer neue Konstellationen. Es gibt einzelne Duette oder Soli, während denen die anderen Tänzer sich im Hintergrund synchron bewegen oder die Bühne verlassen. Es ist eine kaum zu überbietende Ästhetik der Bewegungen zu erleben und oft glaubt man, das die Tänzer gar keine Gelenke haben, so fließend und unglaublich dynamisch sind die Details der Körperbeherrschung. Gegen Ende des Stücks, erscheint eine Dame in weißem Kleid und tanzt isoliert von den anderen in immer ekstatischer werdenden Bewegungen.

Die Musik von Thom Willems, welcher alle Stücke des Abends komponiert hat, ist spannend und mitreißend. Eine geniale Symbiose von Bewegung und Musik. Bereits nach dem kurzen Stück, konnte man an der Begeisterung des Publikums erkennen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Ballettabends handelt.

Ballett Zürich / FORSYTHE/ Approximate S./Foto @ Gregory Batardon

Nach der Pause wurde mit «Approximate Sonata» eine überarbeitete Fassung dieser Choreographie aus dem Jahre 2016 gezeigt, welche Ihre Uraufführung bereits 1996 erlebt hatte. Am Anfang wähnt man sich auf einer Bühnenprobe, wo im Hintergrund ein sich stets öffnender und schließender Vorhang zu sehen ist.

Die fünf Pas de Deux und ein Gruppentanz verschmelzen durch viele Kleinstbewegungen und bizarre Körperdrehungen zu einem dynamischen Ganzen. Die unabhängig von den Tanzfiguren und Bewegungsabläufen spielende Musik erzielt bei den Zuschauern eine fesselnde Wirkung.

Als Finale des Abends wurde das im Jahre 2000 entstandene Werk «One Flat Thing, reproduced» aufgeführt. Unter lautem Donnern werden 20 Tische auf die Bühne geschoben und die Tänzer widmen sich mehr und mehr der Erforschung dieser Objekte, welche inspiriert durch die Südpol-Expeditionen von Robert Scott um 1912, an Eisschollen erinnern.

Ballett Zürich / FORSYTHE/ One flat thing/Foto @ Gregory Batardon

Zusammen mit der als Soundscape bezeichneten Komposition von Thom Willems wird man in einen Strudel der Bewegungen hineingezogen, der sich mehr und mehr steigert und einem atemlos staunen lässt über diese Leistung der Tänzer. Wenn William Forsythe seine Tänzer «Bewegungsdenker» nennt, so kann man diesen Begriff besonders gut in dieser Choreographie nachvollziehen. Jeder muss sich höchstkonzentriert auf die abgemachten Zeichen, sei es akustisch oder visuell, verlassen und da die Musik keinerlei Stützpunkte bietet.

Selten hat man ein Ballett derart entfesselt gesehen und man darf von einer absoluten Meisterleistung sprechen.

Bewusst nennen wir hier keine einzelnen Solisten, da es sich an diesem Abend um eine Glanzleistung des ganzen BALLETT ZÜRICH handelt, wo jeder einzelne Mitwirkende durch vollen Einsatz mit Konzentration und absolutem Können zum Gelingen beigetragen hat. Wie William Forsythe an der Premierenfeier betont hatte: die unter der Leitung von Christian Spuck stehende Ballettkompanie des Opernhauses Zürich ist Weltklasse.

Die Bühnenbilder und die Lichtregie stammen alle vom Choreographen selber und dank den Kostümen von Stephen Galloway und Yumiko Takeshima, den Assistenten Noah Gelber, Amy Raymond, Stefanie Arndt, Ayman Harper und Thierry Guiderdoni, welche einen ebenfalls unglaublichen Einsatz leisteten, kann dieser Abend als wahres Ereignis bezeichnet werden.

 

  • Rezension von Marco Stücklin /Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Ballett Zürich /Stückeseite
  • Titelfoto: Ballett Zürich / FORSYTHE/ One flat thing/Foto @ Gregory Batardon

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