Aris Argiris bei B.o.B. -„Er kam, er sang und ein ganzes Studio war gefesselt!“

Die Sendereihe B.o.B. -Berühren ohne Berührung- startete am Ostermontag mit einem Studiokonzert des Kölner Sängers Purple Schulz und im Laufe der wöchentlichen Konzerte und Studioauftritte folgten u.a. der Pianist Albert Lau oder auch das Jazztrio um Thomas Rückert, und der Pianist Benyamin Nuss zusammen mit dem Marimba-Experten Fumito Nunoya, was die künstlerische Vielfalt dieses neuen Formates zu Zeiten der Coronakrise belegt. Das erklärte Ziel der Initiatoren dieser Sendereihe ist es, so lange kulturelle Beiträge zu produzieren und zu senden, bis ein öffentliches Kulturleben in Deutschland wieder möglich ist. Mittlerweile etabliert sich diese professionelle Sendereihe aber immer mehr und es ist sicher denkbar, dass es auch nach den ersten Lockerungen weiter geht. DAS OPERNMAGAZIN und ich persönlich waren von Beginn an, auch schon zu den Planungszeiten, journalistisch an der Seite der für diese Sendereihe verantwortlichen Produzenten, namentlich Ralf Kemper und David Brucklacher von den Riverside Studios Cologne, und natürlich ganz besonders Frank Pochert, der hier viel im Hintergrund für den Erfolg der einzelnen Sendungen aktiv ist.

Als OPERNMAGAZIN war es mir natürlich eine besondere Freude mit dem Bariton Aris Argiris einen international bekannten Sänger vorschlagen zu können, der innerhalb dieses Sendeformats das Genre „OPER“ präsentieren soll. Natürlich habe ich keinen Moment gezweifelt, wie hochklassig sein Auftritt werden wird. Aber das er sogar das Aufnahmeteam, dass sonst weniger mit Operngesang beschäftigt ist, so begeisterte und faszinierte, war ein ganz besonderes I-Tüpfelchen auf einem Studiotag an diesem sonnigen 8. Mai in Köln. Die Sendung wurde dann am 7. Juni 2020 ausgestrahlt und auf, u.a., Youtube veröffentlicht.(Video am Ende des Artikels)

 

Als ich wieder einmal im Vorfeld mit Frank Pochert sprach, einem der Produzenten der Sendereihe B.o.B., kamen wir zu der Überzeugung, dass in diesem kulturellen Sendeformat die Oper unbedingt vertreten sein sollte. Zumal gerade jetzt viele freiberufliche Sängerinnen und Sänger zwangsweise beschäftigungslos sind.

Aris Argiris und Peter Bortfeldt

Ich schlug ihm den mir persönlich bekannten griechischen Bariton und Gesangsprofessor Aris Argiris vor und Frank nahm dann Kontakt zu ihm auf. Aris stellte nach einigen Tagen sein Programm für diese Sendung vor und die Aufzeichnung sollte dann am 8. Mai in den Riverside Studios, nahe dem Kölner Dom und der Altstadt, produziert werden. Aris Argiris kam in Begleitung seines langjährigen Freundes und musikalischen Klavierbegleiter Peter Bortfeldt. Zusammen hatten sie die Stückeauswahl für diese Sendung ausgesucht und festgelegt.

Zu Peter Bortfeldt aber später noch mehr. Ihn als „Begleiter“ zu bezeichnen, auch wenn es sachlich korrekt sein mag, ist weit untertrieben. Selten hat mich ein Pianist so tief berührt wie er es tat. Wenn ich nur allein an den von Aris Argiris vorgetragenen „Wotans Abschied“ denke und wie Peter Bortfeldt dieses großartige Stück am Klavier ausklingen liess, fallen mir fast keine passenden Beschreibungen ein, um dies in Worte auszudrücken. Vielleicht, dass ich die Musik Wagners so intensiv wie wohl lange nicht zuvor in diesem Moment empfunden habe. So war es bei der Liveaufnahme und so empfinde ich es weiterhin, wenn ich mir die Videoaufzeichnung ansehe.

Das Programm umfasste ursprünglich folgende drei Arien und die Szene aus WALKÜRE:

„Hai gia vinta la causa… Vedro mentr‘io sospiro…“ Conte aus „Le Nozze di Figaro“ von W. A. Mozart

 „Largo al factotum…“ Figaro aus „Il Barbiere di Siviglia“ von G. Rossini

 „Nulla Silenzio…“ Michele aus „Il Tabbarro“ von G. Puccini und

Wotans Abschied aus „Die Walküre“ von R. Wagner

So war es geplant und so sollte es dann auch eingespielt werden.

Aris Argiris

Allerdings war die Begeisterung für den Sänger und seinen Begleiter am Klavier im Aufnahmeraum schon nach wenigen Minuten derart groß, dass Aris nach Ablauf des geplanten Programms gern auf den Wunsch einging, als Zugabe noch das „Credo in un Dio crudel„“ des Jago aus Verdis OTELLO zu singen. Zu singen? Nein, dass war viel mehr. Es wurde ein Opernmoment der allerersten Güte! Aris Argiris, der in jüngster Vergangenheit als Wotan Furore gemacht hat, zeigte ganz besonders in dieser Szene welch ein begnadeter Verdi-Bariton er ist! Dieser Ausdruck in Gesang, in der Mimik und in der ganzen Körperhaltung war GROSSE ITALIENISCHE OPER! Uns Zuhörern hinter der Studioglaswand im Aufnahmebereich blieb nur übrig stumm „Bravo!!“ zu rufen, um die Aufnahme nicht zu stören. Im Opernhaus wäre ihm der Jubel allerdings gewiss gewissen.

Wie es zuvor schon bei der Arie „Nulla Silenzio“ des Michele aus Puccinis düsterem „IL TABARRO-(Der Mantel)“ der Fall war. Aris sagte mir in einer der Aufnahmepausen, dass er diese Szene sehr liebt und gern singt. Das war spür- und hörbar! Auch aus dieser Szene machte Aris ein Erlebnis. Großartig!

Sein komödiantisches Talent bewies er dann in der bekannten Figaroarie „Largo al factotum“ mit seinen typisch Rossinimäßigen zungenbrecherischen und temporeichen  Sprüngen in „Ah, bravo Figaro! Bravo, bravissimo! Bravo! La la la la la la la LA! Fortunatissimo per verita! Bravo! La la la la la la la LA!„. Es war eine Freude, ihn bei dieser Arie live erleben zu dürfen. Aber ganz sicher ist diese Freude auch beim Ansehen der Aufnahme im veröffentlichten Video die gleiche.

Aus Mozarts „LA NOZZE DI FIGARO“ sang er die Arie des Conte „Hai gia vinta la causa… Vedro mentr‘io sospiro“ auf noble, eben gräfliche, Weise. Und wieder bewies Argiris sein großes und breitgefächertes musikalisches und darstellerisches Talent, diesmal in einer der herausragendsten Baritonarien von Wofgang Amadeus Mozart. 

Aris Argiris u. Ralf Kemper (Producer)

Auf große Resonanz schon im Vorfeld, stiess die Ankündigung Argris‘ in diesem Programm auch die große Szene des Wotan aus DIE WALKÜRE zu singen. „Leb wohl, Du kühnes herrliches Kind…“, Wotans Abschied, einer der großen musikalischen und sängerisch-gestalterischen Momente aus Wagners Ring des Nibelungen. In Chemnitz hatte Aris im März 2018 in dieser Partie sein gefeiertes Debüt und viele waren und sind sich einig, dass er zweifelsohne zu den herausragendsten Wotan-Interpreten unserer Tage zählt. Er ist übrigens der erste griechische Bariton, der diese Partie auf der Bühne gesungen hat. Diesem Ruf wurde er auch in der Studioaufnahme vollumfänglich gerecht. Wagners Zauber der Musik, und wenn auch nur für diesen Moment, war im Kölner Studio spürbar. Mit „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie…“ vollzog Aris als Wotan den musikalischen Abschied von seiner Tochter Brünnhilde auf höchst wirkungsvolle und fast majestätische Art. Das Nachspiel, das sonst vom Orchester im Opernhaus erklingt, erklang diesmal vom Pianisten Peter Bortfeldt auf packende und emotionale Weise am Klavier. Nach dem letzten Ton herrschte eine Stille im gesamten Studio, welches Zeugnis davon war, wie ergriffen die anwesenden Zuhörer waren. Und unter ihnen auch jüngere Ton- und Kameratechniker, die vermutlich zum ersten Male Wagners Musik live erlebten.

Aris Argiris überzeugte auf ganzer Linie. Ich hatte im Vorfeld nie einen Moment daran gezweifelt, freute mich aber dennoch sehr für ihn mit, als er nach Beendigung der Aufnahmen den Applaus der Studiomannschaft – und auch meinen – entgegennehmen konnte.

Argiris u. Bortfeldt /Interview mit E. Whigham

Mit Peter Bortfeldt am Klavier hat Aris einen seit Jahren kongenialen musikalischen Partner an seiner Seite. Das Zusammenspiel der beiden war höchst professionell und es war zu spüren, dass diese beiden Künstler im Laufe der Zeit zu einer interpretatorischen Einheit zusammengeschmolzen waren. Ich schreibe bewusst hier Partner und nicht musikalischer Begleiter, da Peter Bortfeldt den Part am Klavier souverän übernommen hatte und die jeweiligen Gesangsstücke seines Freundes Aris nahezu geadelt hat. Selten hat mich ein Pianist so berührt, wie es Bortfeldt an diesem Tag im Mai in Köln tat. Und das nicht nur wegen seines Spiels bei Wotans Abschied, was mir –zugegebenerweise– sicher noch sehr lange im musikalischen Gedächtnis bleiben wird. 

Nach diesem Erfolg möchte ich auch hier den Machern von B.o.B. ans Herz legen, einen weiteren Operntermin zu planen. Er war für alle Beteiligten, und nicht zuletzt auch für die vielen Zuseher und Zuhörer, ein eindrucksvolles Erlebnis. Und eine Bereicherung des an sich schon sehr vielfältigen BoB-Programms.

Emily Whigham u. Detlef Obens

Durch die Sendung führte, wie stets, die TV-Moderatorin Emily Whigham. Souverän, sympathisch, auf ihre Gesprächspartner eingehend und kenntnisreich verlieh sie auch dieser Folge ihr Gesicht. Ich hatte die Freude ebenfalls von ihr interviewt zu werden und Aris Argiris und Peter Bortfeldt ansagen zu dürfen. Meine anfängliche Nervosität nahm sie mir augenblicklich. Und ebenfalls sehr charmant und interessant dann ihr Gespräch mit Aris und Peter am Ende der Aufzeichnungen. Danke, liebe Emily für Deine professionelle Unterstützung!

B.o.B – Berühren ohne Berührung – geht weiter. Aber damit es gut und länger weitergehen kann, darf auch ich Sie herzlichst bitten, für diese kulturelle Bereicherung zu spenden. Sie können dies auf folgenden Wegen machen:

Direkt auf das Konto der Riverside Studios Cologne bei der Deutschen Bank Köln. IBAN DE 66 3007 0024 0541 7266 00 oder Paypal – Konto info@eden-river-records.com  Das Stichwort lautet: B.o.B.

 

Hier nun die gesamte Sendung mit Aris Argiris und Peter Bortfeldt im folgenden Video:

 

  • Artikel von Detlef Obens / Herausgeber DAS OPERNMAGAZIN
  • Alle Fotos @ Frank Pochert, Aris Argiris, MUXX TV und Detlef Obens 

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