Theater Basel: Premiere „Lucia di Lammermoor“- Eine «Wahnsinns»-Vorstellung!

Theater Basel/Lucia di Lammermoor/ Rosa Feola, Fabián Lara/ Foto ©Sandra Then

Nach 33 Jahren bringt das Theater Basel eine Neuinszenierung in spannender Besetzung und in der Regie des renommierten Multitalents Olivier Py auf die Bühne. Diese Oper von Donizetti ist wohl eine der berühmtesten der Opernliteratur. Sie wurde in Neapel 1835 uraufgeführt und war sofort ein großer Erfolg.  ( Rezension der Premiere vom 19. Oktober 2018

 

Die Handlung welche im 16. Jahrhundert eine Familienfehde zwischen Katholiken und Protestanten widergibt und einem Libretto von Salvatore Cammarano folgt, ist durchsetzt von Hass, Liebe und Eifersucht. Man darf diese Oper allerdings nicht nur auf die bekannte Wahnsinns-Arie reduzieren. Man entdeckt auch wunderschöne Arien und Duette, welche einem sofort in den Bann ziehen. Die Schönheit des Belcanto erleben wir hier in reinster Form.

Die Inszenierung von Olivier Py zeigt Lucia schon zu Beginn als Opfer Ihres Wahns. Die Männergesellschaft hat sie bereits verurteilt und in eine Anstalt gebracht. Dort wird sie von Ihrem Bruder Enrico aufgefordert, Lord Arturo zu heiraten, welcher den Untergang der Familie noch verhindern könnte. Enrico wird als harter und rücksichtsloser, jedoch in seinem innersten, zerrissenen Mann gezeigt.

Theater Basel/Lucia di Lammermoor/ Ernesto Petti, Jonas Furrer, Rosa Feola/ Foto ©Sandra Then

Edgardo, der Liebhaber von Lucia, ist hin- und hergerissen und wirkt trotz der Verliebtheit, stets brutal und aggressiv. Der Betreuer von Lucia, Raimondo, ist stets als Arzt in Ihrer Nähe und wird durch die teilweise unheimlichen Behandlungsmethoden, ein Mitspieler in dieser dominanten Männerwelt. Obwohl er dann in der Begegnung von Enrico und Edgardo als Mahner auftritt, hinterlässt dieser Mann einen zwiespältigen Eindruck.

In der Szene mit Lucia und ihrer Vertrauten Alisa, werden aus dem im Zimmer stehenden und allgegenwärtigen Schrank, immer neue Phantasiehinweise entnommen. Sei es die schwarze Gestalt, welche ebenfalls stets erscheint oder eine sich drehende Schattenspiellampe, welche einen tollen Effekt auf die Bühne zaubert. Der Bühnenraum lässt sich je nach Stimmung in einen großen Saal oder einen engen Raum verwandeln, was durch die wenigen Requisiten und die kleine Anzahl der Rollen, oft einem Kammerspiel gleicht.

Im Hochzeitsbild dreht sich ein gewaltiges Karussell der schwarzen Gestalten und Lucia tanzt auf einem Tisch mit mehreren Männern. Hier wie auch an anderen Stellen, kommt die in dieser jungen Frau verborgene, verbotene Lust zur Darstellung.

Theater Basel/Lucia di Lammermoor/ Tassos Apostolou, Ernesto Petti, Rosa Feola/ Foto ©Sandra Then

Schattenspiele und wunderbar choreographierte Erscheinungen, begleiten uns das ganze Stück und bringen eine seltsame Ruhe in die Aufführung. Einen ganz eindrücklichen Moment erleben wir in der Wahnsinnsszene, dort gelingt der Inszenierung ein umwerfender optischer Effekt, den man gesehen haben muss.

Die einzelnen Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet und überzeugen durch das Zusammenspiel der Sänger.

Pierre-André Weitz (Bühne und Kostüme) und  Bertrand Killy  (Licht) ist es gelungen einen spannenden und mit unheimlicher Ästhetik wirkenden Bühnenraum zu schaffen.

Die musikalische Seite dieser Aufführung ist von tollen Leistungen geprägt. Es handelt sich bei sämtlichen Hauptpartien um Rollendebuts.

An erster Stelle muss die Namensgeberin dieser Oper genannt werden.

Theater Basel/Lucia di Lammermoor/ Chor und Extrachor Theater Basel, Rosa Feola/ Foto @ Sandra Then

Rosa Feola gelingt ein umwerfendes Debut als Lucia und sie überzeugt mit einem in allen Lagen betörenden Sopran. Ihre Koloraturen in der Wahnsinnsarie sind perfekt, ohne zu einer reinen Bravournummer zu verkommen. Gerade weil diese großartige Sängerin auch durch Ihr Spiel mitreißt, erleben wir die Zerrissenheit dieser Rolle aufs eindrücklichste.

Sir Edgardo di Ravenswood, wurde vom jungen Tenor Fabián Lara gesungen. Was für eine Leistung. Mit kraftvoller Stimme und jugendlichem Temperament, werden die Duette mit Lucia und Enrico zu einem Genuss. Von diesem Sänger werden wir viel hören.

Als Bruder von Lucia, erleben wir den italienischen Bariton Ernesto Petti, mit starker Stimme und ebensolchem Erscheinungsbild, wird die Kraft und Macht dieses Mannes überzeugend dargestellt. Er singt mit großem Einsatz und passt hervorragend in diese Rolle.

Raimondo, der Erzieher/Arzt von Lucia, singt der griechische Bass Tassos ApostolouMit dunkler Stimme und eindrücklicher Kraft, vermittelt er diese Partie.

Hyunjai Marco Lee , ein Mitglied des Opernstudios OperAvenir, überzeugt als Lord Arturo mit hellem Tenor und einem Auftritt als ungeliebter Bräutigam, der seinem Begleiter und Beschützer, mehr als zugetan ist. Ena Pongrac, ebenfalls ein Mitglied der OperAvenir, singt und spielt die Vertraute von Lucia, mit viel Präsenz. Karl-Heinz Brandt als fieser Normanno, gestaltet seine Rolle mit bewährtem Tenor.

Einen ganz wichtigen Part in dieser Aufführung übernehmen die Tänzer Jonas Furrer, Giuliano Guerrini, Lukas Hofmann und Ivan Jaher, welche mit Ihren Schattenspielen und akrobatischen Auftritten, tolle Bilder zaubern. Mirjam Karvat besticht mit Ihrem Einsatz ebenfalls bestens.

Der Chor und Extrachor des Theater Basel, unter der Leitung von Michael Clarküberzeugt einmal mehr mit einer tollen Darbietung.

Ein besonderes Lob gebührt dem Sinfonieorchester Basel, welches unter der Leitung des bekannten Dirigenten Giampaolo Bisanti, diese ganze Aufführung mit vollen Einsatz krönte. Ebenfalls sollte man die beiden Solisten an der Harfe und Flöte nicht vergessen.

Es kommt nicht oft vor im Theater Basel, dass sich das Publikum zu einer Standing ovations hinreißen lässt. Am gestrigen Abend war dies jedoch mehr als verdient. Diese Aufführung sollte man sich nicht entgehen lassen. HINGEHEN!

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  • Rezension der Premiere von Marco Stücklin
  • Weitere Infos und Termine auf der Website des Theater Basel 
  • Titelfoto: Theater Basel/Lucia di Lammermoor/ Tassos Apostolou, Ernesto Petti, Rosa Feola/ Foto ©Sandra Then

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