Theater Basel: Premiere des Musicals «La Cage aux Folles» – Nur ein Wort: Sensationell!

Theater Basel/Ein Käfig voller Narren/ Jemima Rose Dean, Magdalena Bönisch, Laurent N’Diaye, Stefan Kurt, Daniel Hauser, Ayberk Esen, Gabriele Bruschi/ Foto ©Sandra Then

EIN KÄFIG VOLLER NARREN

«La Cage aux Folles»

Musical von Jerry Herman und Harvey Fierstein

Premiere Theater Basel am 14. Dezember 2018 (Rezension der besuchten Premiere)

Im Jahre 1973 wurde das Theaterstück LA CAGE AUX FOLLES in Paris uraufgeführt wo es ein riesiger Erfolg war. Sieben Jahre ohne Unterbruch wurde das französische Stück im Théatre du Palais-Royal aufgeführt. Rasch entdeckten auch ausländische Theater das humorvolle Werk, welches inzwischen auch in andere Sprachen übersetzt wurde, und nahmen es auf Ihren Spielplan.

 

1978 entstand die Filmversion, die inzwischen bekannteste Fassung, mit den beiden herrlichen Schauspielern Michel Serrault und Ugo Tognazzi in den Hauptrollen. Dieser Film entwickelte sich bald zu einem Kultfilm und in den USA zu einem der grössten Erfolge aus nicht amerikanischer Produktion. 1983 entstand daraus das Musical mit eingängigen Songs von Jerry Herman, darunter der Titelsong «I am what I am», welcher zum Welthit und zum Outingsong der Schwulen wurde. Im gleichen Jahr fand die Uraufführung im Palace Theatre in New York statt.

Die Handlung ist kurz erzählt:

Seit über 20 Jahren führt Georges den Club «La Cage aux Folles» in St. Tropez. Albin sein Lebenspartner ist der Star der Travestie-Show, in welcher er das Publikum als Zaza begeistert. Entstanden aus einer «Jugendsünde» hat Georges einen Sohn, Jean-Michel, welcher beim Vater und Albin lebt. Dieser kündigt nun an, sich mit Anne verloben zu wollen. Er ist in Anne verliebt, welche aus einer total konservativen Familie stammt und deren Vater als Politiker und Sittenwächter bekannt ist. Anne’s Eltern möchten nun die Eltern des kommenden Schwiegerohnes kennenlernen und sie besuchen.  Dies zwingt Georges, das kompromittierende Hausinterieur in eine gewöhnlich bürgerliche Wohnung umzuwandeln, was so recht und schlecht gelingt. Doch das größte Problem ist Jean-Michel’s Mutter. Woher soll man diese holen. Um die Situation zu retten. Soll Jacqueline, Jean-Michel’s leibliche Mutter, für einen Abend einspringen. Albin soll an diesem Abend als Onkel Al erscheinen. Diese Rolle als Mann ist für Albin unerträglich. Beleidigt zieht er sich zurück. Allerdings verspätet sich Jacqueline und so taucht an deren Stelle Albin unerwartet als Mutter auf. Dass dies nicht gut gehen kann, lässt sich erahnen.

Ein Strauss von köstlichen Wirren und peinlichen Situationen sorgt für vergnügliche Unterhaltung.

Theater Basel/Ein Käfig voller Narren/ Stefan Kurt/ Foto © Sandra Then

Die Basler Neuinszenierung von MARTIN G. BERGER, der Bühnenbildnerin SARAH-KATHARINA KARL, der Choreographin MARGUERITE DONLON und in den Kostümen von ESTHER BIALAS ist ein großartiger Wurf.

Von Anfang an, wird man durch die Bühnengestaltung in die richtige Stimmung versetzt. Ein riesiger Spiegel vermittelt Reflexionen auf Georges und Albin’s Leben. Sei es hinter der Bühne, am Strand oder am Ende beim Schlussduett. Videoeinspielungen (Jonas Alsleben) ergänzen die Handlung. So die Jagd der Presse auf den Politiker Dindon, welcher in vermeintlich kompromittierender Situation ertappt wurde, oder die Gespräche der Verliebten Jean-Michel und Anne.

Dank raffinierten bühnentechnischen Ideen gelingt es, die Handlung beidseitig der Cabaretbühne darzustellen. Hinter der Bühne das humorvoll zickige Getue und auf der Publikumsseite des «LA CAGE AUX FOLLES» Cabaretprogramms mit prächtig schrillen Kostümen und showmäßig tänzerischen Einlagen der vielen Darsteller. Die stimmungsvollen Beleuchtungseffekte des Cabarets sind dem Lichtgestalter ROLAND EDRICH zu verdanken.

Das Orchester lässt sich auf Bühnenhöhe anheben und wird so ebenfalls total in die Handlung integriert. Man muss diese unglaubliche Energie die daraus entsteht wirklich gesehen haben. Die Farbenpracht der Kostüme und die Energie des Lichts sind bezaubernd.

Was für ein herrliches Ensemble hat sich hier zusammengefunden!

Theater Basel/Ein Käfig voller Narren/Stefan Kurt, Roland Koch / Foto © Sandra Then

Zuallererst müssen da die beiden Hauptdarsteller. STEFAN KURT als Albin/Zaza und ROLAND KOCH als Georges genannt werden. STEFAN KURT gelingt ein sensationelles Debüt in dieser großen Rolle. Was für eine Wandlungsfähigkeit, sei es als trauriger Albin, beleidigter Partner oder als unglaubliche Zaza in der Revue, immer ist man hingerissen von diesem Talent. Seine große Szene im Nachtclub und der Auftritt als Mutter werden zum Höhepunkt des Abends, weil es ihm gelingt, das Publikum mitzureißen. Es wird viel gelacht und trotzdem ist die Persönlichkeit der Zaza so überzeugend, dass es nie lächerlich ist. Was Stefan Kurt aus dieser Rolle zaubert und wie er mit seiner Stimme die verschiedensten Songs interpretiert ist genial.

Als den idealen Partner darf ROLAND KOCH als Georges bezeichnet werden. Auch er überzeugt mit einem hinreißenden Spiel und einer tollen Stimme in Sprache und Gesang. Mit soviel Herzblut wird diese Rolle hier auf die Bühne gebracht. Trotz einschlägiger Charakterdarstellungen wirkt die Handlung nie schlüpfrig, sondern hat auch feine emotionale Seiten. Ob singend, tanzend oder in den berührenden Szenen zusammen mit Albin, immer wird die richtige Balance gefunden. Ein besseres Schwulenpaar kann man sich nicht wünschen.

MAX ROTHBART als Sohn Jean-Michel überzeugt als jungenhafter und energiegeladener junger Mann ebenfalls und spielt und singt seine Rolle facettenreich und gefühlvoll.

LILIANE AMUAT verkörpert Anne Dindon, Jean-Michel’s Verlobte. Sie gestaltet überzeugend die junge Frau, welche sich über die strengen Regeln der biederen Eltern hinwegsetzt und ihren Gefühlen folgt. Der Diener Jacob wird von KARL-HEINZ BRANDT gespielt und auch diese Rolle, welche sonst zu viel übertriebener Darstellung verführt, wird hier optimal präsentiert. Man kann sich über diesen nach Anerkennung ringenden Jacob herrlich amüsieren. MYRIAM SCHRÖDER spielt die Charakterzüge der leiblichen Mutter Jacqueline, welche sich nicht um die Erziehung ihres Sohnes gekümmert hatte, hervorragend.

Der Vater und Politiker welcher als Edouard Dindon den Inbegriff der Biederkeit und Scheinheiligkeit verkörpert, findet mit MARTIN HUG einen herausragenden Interpreten. Schon zu Beginn, wenn er eine Rede ans Publikum hält und anschließend von der Presse immer wieder verfolgt wird, kann man sich vorstellen, dass dies nicht gut enden wird. Wenn er dann am Ende als verkleidete Frau auftritt, findet dieses Rollenportrait seinen Höhepunkt. Dessen Ehefrau Marie Dindon spielt NICOLA KIRSCH, die Ihren Part ebenfalls herrlich verkörpert.

Theater Basel/Ein Käfig voller Narren/ Stefan Kurt/Foto ©Sandra Then

Doch was wäre ein LA CAGE AUX FOLLES ohne die überdrehten Travestiedarsteller welche das Ensemble dieses Cabarets ausmachen. Hervorragende Einzelleistungen..

Als LES CAGELLES erleben wir MAGDALENA BÖNISCH, GABRIELE BRUSCHI, JEMIMA ROSE DEAN, GIULIA DEL RE, AYBERK ESEN, DANIEL HAUSER, JONAS ONNY, ESTHER RANDEGGER, CLAUDIO GUSTAVO ROMERO und LISA WESTERMANN-SANTUCCI.

Wunderbare Kostüme und viele Tanzeinlagen, sowie viel Gesang, machen diesen Abend zu einem schillernden Erlebnis. Die CAGELLES-BAND wird von THOMAS WISE geleitet und ist bestens disponiert um die bekannten Songs und Zwischenspiele sei es gefühlvoll oder energiegeladen zu interpretieren und unterstreicht die Handlung auf der Bühne temperamentvoll.

Wann hat man im THEATER BASEL je ein so ausgelassenes Premierenpublikum erlebt, welches mit Bravorufen, Standing Ovation und begeistertem Applaus über 20 Minuten seine Freude und Begeisterung zum Ausdruck brachte. Und wann sah man so viele lachende und fröhliche Menschen im Foyer?! Lassen Sie sich diesen Spaß nicht entgehen!

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Redaktion DAS OPERNMAGAZIN (Schweiz)-12/2018
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  • Titelfoto: Theater Basel/Ein Käfig voller Narren/ Stefan Kurt/Foto © Sandra Then

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