Staatsoper Hamburg/Die Zauberflöte/ , Dovlet Nurgeldiyev/ Foto @ Arno Declair

Staatsoper Hamburg: „DIE ZAUBERFLÖTE“ – Ein Werk, das stets verzaubert

Staatsoper Hamburg/Die Zauberflöte/ Christina Gansch, Dovlet Nurgeldiyev/ Foto @ Arno Declair
Staatsoper Hamburg/Die Zauberflöte/ Christina Gansch, Dovlet Nurgeldiyev/ Foto @ Arno Declair

Mozarts „Die Zauberflöte“ gehört zu den meistgespielten Opern, nicht nur an der Staatsoper Hamburg, wo Jessica Pratt und Dovlet Nurgeldiyev bereits im Mai als Königin der Nacht und Tamino begeisterten. (Opernmagazin berichtete). Nun sind sie zurück und sorgen zusammen mit ihren Kollegen für einen Abend voller humorvoller, berührender, stimmschöner Momente. (Eindrücke der besuchten Vorstellung vom 27.12.2018)  

 

Die Inszenierung von Regisseurin Jette Steckel und ihrem Team, mag immer noch polarisieren. Für den einen oder anderen mag die Fülle an optischen Reizen, die tausende LED-Lämpchen, die unter anderen die Gesichter der Königin und Sarastro nachbilden auch hier und da an Reizüberflutung grenzen. Doch ist sie unbestritten auch reizvoll, da sie die Möglichkeit bietet bei jedem Besuch Neues zu entdecken, sei es szenisch oder auch Steckels Interpretation betreffend. Denn sie scheint weiterzugehen, als das Pamina und Tamino die tiefe Liebe erst im Alter finden. Die Produktion der Staatsoper Hamburg ist eine Retrospektive des Lebens des alten, todkranken Taminos. Denkt man ein wenig nach,  ist augenfällig, dass die beiden Liebenden nach Erfüllung der ihre Reife prüfenden Aufgaben, nicht nur ins Licht, sondern gemeinsam in den Tod gehen. Ganz ohne falsche Dramatik, als einzig mögliches Ende einer großen Liebe.

Dovlet Nurgeldiyev, der nach seinem großen Erfolg als Ferrando in der Premiere von Mozarts Cosi fan tutte, durch eine Verletzung gezwungen war zu pausieren, ist inzwischen wieder in Hochform. Er überzeugt darstellerisch als frisch verliebter, verspielter Jugendlicher ebenso wie als zitternder Greis. Seine Bildnisarie, verzaubert vom ersten Ton an und sein Duett mit Pamina „Pamina/Tamino mein“, geht durch innig sanfte Schönheit seines Timbres tief in Seele, Ohr und Herz. Nurgeldiyev ist nicht nur Garant dafür, jedes Wort verständlich zu singen, sondern auch dafür die jeweilige Emotion durch den Klang seiner Stimme zu transportieren: treffsicher und mühelos. Er wird immer sehr lyrisch weich,oft an Fritz Wunderlich erinnernd, singen. Doch mehr und mehr lässt sein Gesang auf Partien wie Werther, Faust oder Rudolfo (La Boheme) hoffen.

Dass Elbenita Kajtazi (Pamina) bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, scheint schon nach wenigen Minuten des Zuhörens nur folgerichtig. Die Klangpalette ihres Soprans ist schillernd und elektrisierend, warm und schmeichelnd, kraftvoll und berührend. Das Gleiche gilt für ihr intensives Spiel. Fröhlich versucht sie Tamino als er sie sucht, auf sich aufmerksam zu machen, später dann ist ihre Verzweiflung weil er sie ignoriert beinahe mit Händen zu greifen. Ebenso wie ihre Hingabe am Schluss, die ihrer Liebe noch mehr gilt als dem Leben.

Voller Lebenslust und Liebesgier hingegen, sind Papageno Jonathan McGovern und seine Papagena Katharina Konradi. Konradi bezaubert mit Charme und Stimme, Mcgovern erobert die Herzen des Publikums durch seine überbordende Spielfreude und seinen sicher geführten Bariton. Er wirbelt über die Bühne, leidet, weil keine ihn will und auch er malt Bilder durch die Art wie er Worte und Klänge betont.

Staatsoper Hamburg/DIE ZAUBERFLÖTE/Solisten des Knabenchores Chorakademie Dortmund, Dovlet Nurgeldiyev/Foto @ Arno Declair
Staatsoper Hamburg/DIE ZAUBERFLÖTE/Solisten des Knabenchores Chorakademie Dortmund, Dovlet Nurgeldiyev/Foto @ Arno Declair

Alexander Roslavets als Sarastro und Jessica Pratt als Königin der Nacht haben es schwerer durch Gesten zu überzeugen. Ihnen bleiben nur ihre Stimmen und ihre Mimik, die via LED Lämpchen zu sehen ist, während die beiden vom Orchestergraben aus ihre Arien zum Besten geben. Pratt bringt, metaphorisch gesehen, ihr Lichtgesicht zum Glühen, zeigt Wut und Verzweiflung, ausdrucksstark und sicher in jeder Tonlage, jeder Kopfbewegung. Und am Ende dann, nun auf der Bühne auch ein wenig selbstironisch und humorvoll.
Roslavets hat anfänglich leichte Schwierigkeiten mit den extremen Tiefen, doch schnell gewinnt er seine Sicherheit zurück und zieht mit „O, Isis Osiris“ und der Hallenarie dennoch in seinen Bann. Auch ihm gelingt es, mit den wenigen darstellerischen Möglichkeiten, die ihm diese Inszenierung bietet, völlig zu überzeugen.

Peter Galliard ist ein herrlich widerlicher Monostatos, sie liegen ihm einfach, die Rollen der Underdogs, die Aussenseiter. Dorottya Láng und Nadezhda Karyazina, beide jung und dem Anfang einer Karriere näher, als deren Ende, bildeten zusammen mit Hellen Kwon ein reizendes, reizbares und wohlklingendes Terzett, der Damen der Königin der Nacht. Vor vielen Jahren wurde Kwon, selbst als Königin gefeiert. Musste sie sich von großen Rollen auch verabschieden, in den kleineren wird es ihr noch recht lange gelingen positiv aufzufallen.

Alin Anca (Sprecher), Hiroshi Amako (Priester), Tobias Hächler und Ang Du (1. und 2. Geharnischter)komplettieren den schönen Abend, ebenso wie der Chor der Hamburgischen Staatsoper und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der wunderbar einfühlsamen Leitung von GMD Kent Nagano.

Die drei Solisten des Knabenchores Chorakademie Dortmund, wurden, wie auch ihre erwachsenen Kollegen, mit begeisterten Jubel geradezu überschüttet. Verdient hatten es alle.

 

  • Eindrücke der besuchten Vorstellung vom 27.12.2018 von Birgit Kleinfeld
  • Homepage der Staatsoper Hamburg
  • Titelfoto: Staatsoper Hamburg/Die Zauberflöte/ , Dovlet Nurgeldiyev/ Foto @ Arno Declair

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