
In dieser Saison feiert das Sinfonieorchester Basel seinen 150. Geburtstag mit einer spannenden Jubiläumssaison. Markus Poschner, der neue Chefdirigent, hatte Gelegenheit, sich dem Publikum an diesem Abend vorzustellen. Es werden diverse neue Formate angeboten und man fokussiert damit auch auf das junge Publikum, indem man den Konzertsaal mit verschiedenen Projekten öffnet, um so die oft vorhandene Schwellenangst abzubauen. (Rezension des Konzerts v. 3. September 2025 im Stadtcasino Basel)
Ein paar Tage vor dem großen Eröffnungskonzert hatte man Gelegenheit, Markus Poschner im Gespräch mit Benjamin Herzog in der neuen Reihe „Poschner‘s Passion“ kennenzulernen und interessantes über die Gedankenwelt von Gustav Mahler, die verschiedenen Interpretationen einer Partitur und wie man sich mit einem neuen Orchester zusammenfindet, zu erfahren. Man kann den Besuch dieser Reihe, welche im Laufe der Saison noch zweimal zusammen mit der ebenfalls neuen Reihe „Poschner probiert“ geboten wird und einen Einblick in die Welt hinter den Kulissen ermöglicht, sehr empfehlen.

Das Eröffnungskonzert mit Gustav Mahler‘s Sinfonie Nr 2 c-Moll, die „Auferstehungssinfonie“, eignete sich bestens für einen großen Auftritt. Bereits 1888 hat Gustav Mahler begonnen, an dieser Sinfonie zu arbeiten. Doch als Komponist und gleichzeitig auch Dirigent war er stark gefordert. Dies hatte zu Folge, dass im Jahre 1888 nur der erste Satz fertig war. Danach folgte eine Pause von fünf Jahren bis die ganze Sinfonie 1893 fertig war und am 4. März 1895 in Berlin uraufgeführt werden konnte. Am 15. Juni 1903 war diese Sinfonie der Höhepunkt des Basler Musiklebens, als Gustav Mahler sein Werk selbst im Basler Münster dirigierte. Eingeladen vom Allgemeinen Deutschen Musikverein unter seinem Präsidenten Richard Strauss, anlässlich der Tonkünstler-Versammlung in Basel und vorbereitet von Hermann Suter, wurde diese Aufführung zu einem großen Erfolg.
Nach der Begrüßung durch Orchesterdirektor Franziskus Theurillat und der Übergabe des Dirigentenstabs an Markus Poschner war man im ausverkauften Stadtcasino gespannt auf die Aufführung dieses gewaltigen Werkes. Die riesige Orchesterbesetzung und der grosse Chor auf der Empore sorgten schon vor Beginn für ein eindrückliches Bild. Die Aufführung unter dem Dirigat von Markus Poschner liess keine Wünsche offen. Man erlebte ein Orchester, welches mit höchster Konzentration und großer Spielfreude die äußerst anspruchsvolle Partitur zu einem Hörerlebnis erster Güte gestaltete.
Sei es im ersten Satz die sogenannte „Totenfeier“, die herrlichen Melodien im Andante moderato, der mächtige dritte Satz und der kurze feierliche vierte Satz mit dem Altsolo „Urlicht“ aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Achim von Arnim und Clemens Brentano, gefühlsvoll gesungen von Wiebke Lehmkuhl.

Mit dem fünften Satz „Auferstehung“, basierend auf dem Gedicht „Die Auferstehung“ mit dem Text von Gustav Mahler nach Friedrich Gottlieb Klopstock, Geistliche Lieder, erreicht die Sinfonie einen Höhepunkt. Den im ersten Teil gewaltigen Klangwogen folgen im zweiten Teil die wundervollen Choreinsätze, gesungen wie von einer anderen Welt, vom MDR Rundfunkchor Leipzig, gemeinsam mit der Sopranistin Nikola Hillebrand. Mit den Worten „Sterben werd‘ ich, um zu leben! Aufersteh‘n, ja aufersteh‘n wirst du“ steigern sich das Orchester, der Chor und die beiden Solistinnen zu einem großartigen Finale, welches mit einem mächtigen Akkord endet.
Die Musiker/innen, der Chor und die Solisten fanden sich zu einer umwerfenden Interpretation unter der Leitung von Markus Poschner zusammen. Man spürte, dass sich alle Beteiligten mit Herzblut dieser Aufführung gewidmet haben, was mit dem Jubel des Publikums für diese grandiose Leistung belohnt wurde. Einen solchen Start wünscht sich wohl jeder neue Chefdirigent. Man freut sich bereits auf die weiteren Begegnungen.
- Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
- Sinfonieorchester Basel
- Titelfoto: Sinfonieorchester Basel/Saisoneröffnung, 4.9.2025/ Foto © Bettina Matthiessen