Bühnen Bern/Stadttheater: „NORMA“ von Vincenzo Bellini (Konzertante Aufführung)

Stadttheater Bern/NORMA-konzertant/ Foto: Marco Stücklin

Das Stadttheater Bern hat mit der konzertanten Aufführung von Vincenzo Bellinis populärstem Werk „Norma“ einen fulminanten Einstieg in die neue Opernsaison gemacht. Dieses musikalische Werk mit seiner wunderbaren Musik und den berühmten Arien und Duetten erfordert nebst einer erstklassigen Solistenbesetzung auch ein brillantes Orchester. Gerade in einer konzertanten Aufführung ohne Ablenkung durch eine Inszenierung, kann man sich besonders auf die großartige Musik und die einzelnen Leistungen der Solisten konzentrieren. (Rezension der Vorstellung v. 31. August 2025

 

Die südafrikanische Sopranistin Nombulelo Yende, welche als Norma an diesem Abend ihr Rollendebut gab, überzeugte vom ersten Moment an und vermochte die Zerrissenheit dieser druidischen Hohepriesterin mit feinsten Nuancen und dramatischen Spitzentönen zu gestalten. Sei es mit der berühmten Arie „Casta Diva“, ihrem berührender Auftritt zu Beginn des zweiten Aktes und in den grossen Duetten mit Adalgisa und mit Pollione, stets begeisterte sie mit ihrer herrlichen Stimme. Ein sehr gelungenes Debut.

Stadttheater Bern/NORMA-konzertant/ Foto: Marco Stücklin

Die Mezzosopranistin Simone McIntosh als Adalgisa debütierte ebenfalls in ihrer Partie und faszinierte mit Ihrer perfekt geführten, höhensicheren Stimme. Wenn sich die beiden Stimmen in den Duetten vereinen, dann fühlte man sich im Opernhimmel angelangt zu sein. Was für eine Harmonie und was für ein Hörgenuss!

Der junge Italienische Tenor Joseph Dahdah sang die Partie des Pollione. Er interpretierte seine Rolle mit kraftvoller und höhensicherer Stimme, nie forcierend. William Meinert konnte mit seiner sonoren Bassstimme als Oroveso ebenfalls überzeugen und bot zusammen mit dem Chor der Oper Bern eine eindrückliche Leistung. Patricia Westley als Clotilde und Giacomo Patti als Flavio ergänzen das Ensemble.

Erst vor drei Jahren wurde aus Mitgliedern des Berner Symphonieorchesters die „La Banda Storica“ gegründet. Dieses Orchester spielt mit historischen Instrumenten und widmet sich mit Leidenschaft der historischen Aufführungspraxis und konnte in kurzer Zeit große Erfolge feiern. Das war bei der durch Andrea Sanguinetti geleiteten Aufführung deutlich zu erkennen. Sanguinetti dirigierte zum ersten Mal die Norma mit einem derart speziellen Orchester und erreichte eine musikalische Qualität die aufhorchen liess. Er war auch den Sänger/innen ein äußerst aufmerksamer Begleiter.

Das Publikum liess sich von Beginn an begeistern und kannte am Ende der Aufführung kein Halten mehr. Die Standing Ovation war wohlverdient und man verließ diese Aufführung mit dem Bewusstsein, einen großartigen Start in die Opernsaison erlebt zu haben.

 

  • Rezension von Marco Stücklin / Red. DAS OPERNMAGAZIN-CH
  • Bühnen Bern
  • Titelfoto: Bühnen Bern Stadttheater / Foto: Janosch Abel
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