Prachtvolles Finale der Residenz des Mariinsky Balletts – Ballett-Gala im Festspielhaus Baden-Baden

Le Carnaval photo by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre (7)

Die ganze Bandbreite seines Repertoires führt das Mariinsky Ballett in der großen Gala vor, mit der die St. Petersburger Kompanie ihr diesjähriges Weihnachtsgastspiel im Festspielhaus beendet. Der Bogen der Gala am 27. Dezember 2018 spannt sich von einem historischen Werk über eine moderne, erst vor drei Jahren entstandene, Choreografie bis zur „Kernkompetenz“ der Kompanie, einer prachtvollen, Edelstein-funkelnden Hymne auf das klassische russische Ballett.

 

Der vom Mariinsky Orchester begleitete Abend beginnt mit dem selten gezeigten „Le Carnaval“, einer liebenswerten Preziose mit Figuren der Commedia dell’arte. Michail Fokines graziöses, leichtes Ballett entstand 1910 zur gleichnamigen Musik von Robert Schumann. Wir sehen den Vorraum eines Ballsaals: zwischen den Gästen, die in ausladenden Biedermeier-Kostümen zum Fest kommen, treten Figuren wie Pierrot, Harlekin, Coquette oder Colombine auf, nach denen bereits Schumanns Klavierstücke benannt sind. In feinen klassischen Variationen, in Charaktertänzen oder pantomimischen Miniaturen lässt Fokine einen munteren Reigen entstehen. Kurz nach der Premiere in Russland im Jahr 1910 übernahm Sergej Diaghilew das Werk für seine Ballets Russes, deren erster Chefchoreograf Fokine war. Das Ballett geriet lange in Vergessenheit, wurde erst in den 1960er Jahren wiederentdeckt und beim Mariinsky 2008 nach den alten Quellen wieder auf die Bühne gebracht. Es ist eine der schönsten Arbeiten des Rekonstruktions-Spezialisten Sergei Vikharev, der im letzten Jahr tragischerweise bei einer Operation verstarb. Robert Schumanns Klavierszenen wurden für die Ballettadaption von mehreren russischen Komponisten wie Nikolai Rimsky-Korsakow oder Alexander Glasunow orchestriert. Die fantasievollen Kostüme stammen vom Maler Léon Bakst, dem berühmten Ausstatter von Sergei Diaghilews Ballets Russes.

Le Divertissement du roi by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre (1)

„Barock goes modern“, unter diesem Motto scheint „Le Divertissement du Roi“ von Maxim Petrov zu stehen. Der junge Tänzer und Choreograph des Mariinsky Balletts schuf 2015 eine neoklassische Fantasie über die Ursprünge der Ballettkunst, wie sie sich in den Palästen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Frankreich entwickelte. Im Mittelpunkt des Werkes steht ein König, der gerne im Kostüm der Sonne auftritt; Petrov schart Furien und galante Hirten um ihn, Zephire, den Gott Apollo und allegorische Figuren. Zu Musik von Jean-Philippe Rameau gesellt sich das im Barock so beliebte Spiel mit Wahrheit und Illusion und eine Art Tanzmeister oder Conférencier sagt die Szenen an. Vor gemalten Bühnenbildern aus dem 17. Jahrhundert und in ausladenden Kostümen setzt Petrov den Barockstil mit der neoklassischen Raffinesse des 21. Jahrhunderts in Szene. 

Der Abend endet mit Edelsteinen: „Diamonds“ ist der dritte Teil von George Balanchines Abendfüller „Jewels“, mit dem der Begründer der Neoklassik den drei Ballettstilarten seines Lebens huldigt: der französischen, der amerikanischen und, symbolisiert in Diamanten, der St. Petersburger Tradition des reinen, klassizistischen Balletts. Die klaren Linien des großen, ganz in Weiß gekleideten Corps de ballet erinnern an das Funkeln geschliffener Diamanten. Zu den letzten vier Sätzen von Peter Tschaikowskys 3. Sinfonie in D-Dur schuf Balanchine eine Hommage an das Ballett seiner Jugend in Russland. Nach einem Walzer steht ein langer, ebenfalls den großen Werken Marius Petipas huldigender und neoklassisch getönter Pas de deux im Mittelpunkt. Zu Tschaikowskys grandioser, abschließender Polonaise choreografierte Balanchine die wahrscheinlich die prächtigste Polonaise in der Geschichte des Balletts. 1967, während des Kalten Krieges, vereinte der Choreograf den amerikanischen und russischen Stil in einem einzigen Abend, bis heute steht „Diamonds“ als ein perfektes Bindeglied zwischen dem alten, imperialen Ballett und der klaren Neoklassik New Yorks.

 

Weitere Informationen und Tickets:www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

 

  • Titelfoto: Diamonds by Natasha Razina © State Academic Mariinsky Theatre (3)

 

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