Pianist Albert Lau präsentiert seine Solo-CD „Unveiled“

Albert Lau u. Holger Wemhoff /Foto @ Holger Wemhoff

Unveiled“, das bedeutet zu Deutsch „enthüllt“ oder „unverhüllt“.

Um es in die moderne Sprache zu übertragen, könnte man es die „ungeschminkte Wahrheit“ nennen. Eine Wendung, die wunderbar zur ersten Solo-Cd des jungen deutsch-chinesischen Pianisten Albert Lau passt und zu den Biographien und der Musik von Fanny Hensel und Clara Schumann, die er darauf spielt. 

 

Aber dieses Motto trifft eben auch auf das Leben und die Karriere des 30jährigen Pianisten zu. Eine Karriere, die nicht gerade arm an Steinen war, oder, um beim Wortspiel zu bleiben, an „Schleiern“, die nach und nach gelüftet werden mussten. In der Familie des jungen Pianisten, in seiner Heimat China, gab es gar kein Klavier zum Spielen oder Üben, und so mussten immer extra und umständlich Räumlichkeiten angemietet werden, denn der unbedingte Wille zum Klavierspiel war da, schon als Siebenjähriger!

Und dann die permanenten Gewissensentscheidungen! Lieber Mediziner zu werden wie der Vater oder doch UNBEDINGT Musiker? Nach dem erfolgreichen Studium in London und den USA mit abschließendem Master an der Royal Academy of Music hätte ja alles klar sein müssen. HÄTTE. Aber Lau wäre nicht Lau, der eben auch BESONNENE Mensch, der sich vorsichtshalber entschied, zweigleisig zu fahren. Und absolvierte auch noch ein Kunst-Business-Studium, arbeitete auch in diesem Bereich, merkte dann aber schnell: Die Musik leider darunter. Und DAS war unmöglich. Seit einigen Jahren ist Albert Lau nicht nur in Deutschland sesshaft geworden („dem wichtigsten Musikland“, wie er sagt), sondern die Natur hat gesiegt.

Jetzt steht er eben da, als Pianist, zu 100 %, unverhüllt! Und was für ein großartiger Pianist Lau ist. Wie er selber sagt, sind ihm in der momentanen Karriere-Phase die kleinen Kunstformen am Klavier wichtig. Diese zu spielen und eben dem Publikum nahe zu bringen.

Und auf seinem Debüt-Album spielt er dann auch kleine und manchmal auch etwas größere Kostbarkeiten zweier großer Frauen, Musikerinnen, Komponistinnen, deren Lebensumstände es eben tragischerweise verhindert haben, komplett aus dem Schatten ihrer beiden jeweiligen berühmten Männer herauszutreten. Im Falle von Fanny Hensel ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy und bei Clara Schumann eben ihr Ehemann Robert Schumann.

Während Clara es immerhin zur (für damalige Verhältnisse) berühmten Pianistin gebracht hat, wurden beide Frauen als Komponistinnen wirklich übersehen oder besser: Bewusst negiert! Es galt als unmöglich für Frauen in dieser Zeit, ihre eigene Musik über das heimische Wohnzimmer hinaus hörbar zu machen, wie genial sie auch sein mochte. Sogar der 1830 geborene legendäre  Dirigent Hans von Bülow sagte später zu Clara Schumann: „Eine Komponistin wird es NIEMALS geben!“

Mochte sein – damals, unter all diesen schrecklichen Chauvinisten.

Muss sein – heute! Und vor allem, wenn ein Pianist wie Albert Lau kommt und die Musik dieser beiden Frauen dem Vergessen entreißt, sie aus dem Schatten holt und unverhüllt auf die Bühne bringt – und auf sein Album.

Gerade bei seinem Hamburger Konzert am vergangenen Sonntag war es für die Zuhörer ein umso spannenderer Abend, als Lau die komponierenden Frauen quasi gegen ihre komponierenden Männer spielen ließ und dabei (bleiben wir beim Wortspiel) „enthüllte“, dass selbst das ach so beliebte „Frühlingslied“ aus Felix Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ sich gegen originellere musikalische Beiträge seiner Schwester Fanny tatsächlich geschlagen geben musste.

Albert Lau und Holger Wemhoff/Foto @ Holger Wemhoff

Was natürlich nicht bedeutet, dass Felix generell ein schwächerer Komponist war. Nur Lau zeigt seinem Publikum eben: Es gab sie, die Frauen, die eben auch Genies waren, nur durften sie es nicht sein, damals. Albert Lau nähert sich diesen Frauen musikalisch fast zärtlich, behutsam, spielt manchmal die gesamte Melancholie und die Tragik dieser kleinen, großen Stücke heraus, um auf der anderen Seite auch (bei Clara und Robert) die tiefe Liebesbeziehung zwischen ihnen musikalisch deutlich zu machen.

Das ist ein wunderbares Konzept, dass sich der junge Pianist da ausgedacht hat, und dass er voll und ganz mit Leib und Seele und mit zehn Fingern, auf den Zuhörer überträgt, unverhüllt. Chapeau!

Wenn mir überhaupt an diesem Konzertabend etwas gefehlt hat, dann war es der vielleicht manchmal auch trotzige, sogar in einigen Stücken aggressive Ton, zu denen beide Komponistinnen in wenigen musikalischen Momenten eben auch fähig waren. Da kann sich Albert Lau in der Zukunft noch etwas mehr trauen. Und warum? Weil er es kann!

 

  • Rezension der CD-Präsentation von Holger Wemhoff / Red. DAS OPERNMAGAZIN
  • Die CD ist HIER erhältlich 
  • Albert Lau / Homepage
  • Fotos: @ Holger Wemhoff

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